Parnass Kunstmagazin

Editorial

„Denken ist ein Überschreiten, so jedoch, dass Vorhandenes nicht unterschlagen, nicht überschlagen wird“1, so der deutsche Philosoph Ernst Bloch. Die zeitgenössische Malerei steht stets in diesem Spannungsfeld zwischen tradierten Konventionen und innovativen Ansätzen. Seit der Moderne durchlebte das Medium eine Geschichte einer steten Neuorientierung. Doch die Präsenz und Relevanz der Malerei ist ungebrochen. Die jüngere Generation scheint unbelastet historischer Vorgaben, das Tafelbild als Ausdrucksmittel ihrer Inhalte wieder für sich entdeckt zu haben. Auch das Ausstellungsformat „emerging artists“ im Essl Museum setzt in diesem Herbst den Schwerpunkt auf österreichische Malerei und Grafik. Aus diesem Anlass diskutierten unsere Autorinnen Clarissa Mayer-Heinisch und Karla Starecek die Frage nach der „Zukunft der Malerei“ mit dem Kurator Günther Oberhollenzer und stellen zehn Künstler und Künstlerinnen im Porträt vor.

„Die Zukunft der Malerei“ ist nur einer der Themenschwerpunkte mit dem wir uns als neues Team von Parnass vorstellen möchten. Das neue Herbstheft bietet Bewährtes aus dem von Charlotte Kreuzmayr über 30 Jahre erfolgreich geführten Kunstmagazin, doch wir freuen uns, Ihnen auch neue Rubriken präsentieren zu können.
Wie das Journal, in dem wir Sie über Neuigkeiten aus dem aktuellen Kunstgeschehen in Österreich und Europa informieren. Anstelle des bisherigen Magazinschwerpunktes sind die Themen gerückt. Hier finden Sie Essays, Reportagen und auch Interviews zu ausgewählten aktuellen Sujets der Kunstszene. Gudrun Weinzierl hat sich für uns auf eine Tour de Baroque ins Salzburger DomQuartier begeben. Diese Verbindung von sakraler und bildender Kunst findet eine Entsprechung in den Stiften Admont, Klosterneuburg und Melk, wo zeitgenössische Kunst auf sakrales Ambiente trifft. Weiters geben wir einen Einblick in das mehrjährige Forschungsprojekt des Belvedere Wien zum „Künstlernetzwerk Hagenbund“, dessen Ergebnisse nun in einer Ausstellung und in einem umfassenden Katalog präsentiert werden. Die überregionale Zusammenarbeit der Künstler des Hagenbundes war, wie Ulrich Tragatschnig treffend schreibt, erstaunlich modern angelegt. Curated by_vienna 2014, ein Format an dem 20 Wiener Galerien teilnehmen, widmet sich in diesem Jahr ganz dem Motto „The Century of the Bed“. Angeblich, so die Kuratorin Beatriz Colomina, würden 80 Prozent der jungen New Yorker laut einer Studie des Wall Street Journals aus dem Jahr 2012 regelmäßig vom Bett aus arbeiten. Wer jemals nach Büroschluss in New York U-Bahn gefahren ist, hegt daran berechtigte Zweifel. Doch das aus dieser Anregung entstandene Thema wurde von den eingeladen internationalen Kuratoren in kreativer Weise umgesetzt, mit Exponaten wie Walter Pichlers „Schlafsaal“ von 1968 bis hin zu Tom Burrs knallrotem Campingbett. Elisabeth Krimbacher stellt das mittlerweile über die Grenzen Österreichs bekannte Projekt der Wiener Galerieszene und der Wiener Wirtschaftsagentur departure vor. Im Fokus präsentieren wir Ihnen mit Jenni Tischer, Cosima von Bonin und Julie Hayward drei Künstlerinnen in ausführlichen Porträts. In der Rubrik Ausstellungen und Termine erfahren Sie Highlights des diesjährigen Herbstes. Daran schließt sich der Kunstmarkt, der Sie über die Viennafair und die Neuigkeiten aus dem Auktionsbereich informiert und über die ungewöhnlichen Vertriebsmodelle des Hagenbundes berichtet. Hier zeigen wir auch eines der schönsten Bilder von Emilie Mediz-Pelikan – und dies mit einer prominenten Courtesy. Wir freuen uns sehr, dass wir die Kunstmarktexpertin Olga Kronsteiner für die Betreuung dieser Rubrik gewinnen konnten. Am Schluss stellen wir Ihnen in Reviews Bücher und Medien zum Thema Kunst und Kultur vor.

Um ein bewährtes Format zu übernehmen, das seit seiner Gründung Kunst aus allen Genres und Epochen auf hohen journalistischen Niveau und mit hochwertigen Bildmaterial präsentiert, in der Gegenwart aktuell zu halten und es erfolgreich in die Zukunft zu entwickeln, bedarf es eines Teams von wissenschaftlich profunden Autoren sowie für die visuelle Gestaltung und die Erstellung neuer Rubriken und Formate auch ein engagiertes Grafikteam. Für die gute Zusammenarbeit und die Bereitschaft zum diskursiven Austausch, möchten wir uns an dieser Stelle auch einmal öffentlich bedanken. Wir haben viel vor mit PARNASS. Neben der Klassischen Moderne und der Kunst der Alten Meister setzen wir auch deutliche Schwerpunkte im Bereich der Gegenwartskunst. PARNASS ist daher auch heuer wieder auf der Viennafair vertreten. Exklusiv legen wir für die Viennafair 2014 eine limitierte Kunstdruckedition einer jungen Position aus der österreichischen Kunstszene auf. Die Wiener Kunstmesse ist auch die Gelegenheit unsere neue Webpage vorzustellen, an der wir gerade mit Hochdruck arbeiten. Sie ermöglicht uns anhand von Interviews, Debatten, Serviceangebote und Direktberichte von Veranstaltungen und Messen, PARNASS noch aktueller zu machen.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch und wünschen viel Vergnügen mit dem neuen Magazin.

Silvie Aigner
Chefredakteurin

1 Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung, Frankfurt/Main, 1959, in einer Ausgabe von 1985, S. 2

AutorInnen

Mitarbeiter dieser Ausgabe: Mag. Silvie Aigner, Uta Baier, Nina Binder, Dr. Matthias Boeckl, Anna Brenken, Mag. Katrin Bucher-Trantow, Sabrina-Victoria Deisinger BA, Mag. Daniela Gregori, Mag. Gudrun Hausegger MA, Mag.art Michael Kienzer, Mag. Hartwig Knack, Elisabeth Krimbacher, Mag. Olga Kronsteiner, Mag. Clarissa Mayer-Heinisch, Mag. Karla Starecek, Dr. Ulrich Tragatschnig, Dr. Florian Weiland-Pollerberg, Gudrun Weinzierl, Dr. Hanne Weskott.

Heft 3/2014

CoverHeft 3/2014Preis/Heft:€ 18,- (EU),
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32 Jahre PARNASS