Parnass Kunstmagazin

Editorial

Kunstsammlungen

Das letzte Heft unter meiner Verantwortung wollte ich dem Thema Sammler und ihre Sammlungen widmen. In den 90er-Jahren, als ich mich bemühte über private Sammlungen berichten zu dürfen, war das in Österreich noch kein Thema. Viele sahen das als Eingriff in ihre Privatsphäre. In den folgenden zwanzig Jahren haben wir mehr als 150 österreichische und internationale Sammlungen veröffentlicht, denn jeder, der sich für Kunst dahingehend interessiert, will wissen, wie machen es die anderen. Für die Auseinandersetzung mit Kunst ist das Sammeln ein langwieriger Prozess, der ein Leben begleitet. Man beobachtet, vergleicht, setzt sich Ziele und Schwerpunkte, muss Entscheidungen treffen, lernt andere Sammler kennen – auch deren Erfahrungen und kann viel von Künstlern und Galeristen lernen.

Der Besuch beim Künstler im Atelier ist ein besonderes Erlebnis. Wenn man das zu kaufende Werk am Ort der Entstehung sehen kann, fängt man auch die Aura, die es umgibt noch ein. Auch wenn die Kaufentscheidung dann über die Galerie getätigt wird, für dieses oder ein anderes Werk, in der Galerie oder im Auktionshaus – eine Entscheidung muss getroffen werden. Dabei ist es egal, was Analysten und Marktforscher uns jährlich an Listen vorlegen. Die ehrliche Überzeugung, und das kann nur die subjektive Entscheidung sein, ist nicht nur in der Kunst von Bedeutung.

Im vorliegenden Heft finden Sie ganz unterschiedliche Herangehensweisen eines Sammlungsaufbaus.

Elisabeth und Bernhard Hainz etwa haben ursprünglich mit Bildern aus dem Stimmungsimpressionismus und der Klassischen Moderne begonnen. Inzwischen sammeln die beiden seit zehn Jahren unglaublich dynamisch zeitgenössische Kunst. Eine Führung durch die neuadaptierten Räumlichkeiten der Kanzlei wird von Bernhard Hainz leidenschaftlich kommentiert. Das großzügige Umfeld ist mehr als repräsentativ. Als Werk in Progress sehen Bertrand und Christine Conrad-Eybesfeld ihre internationale Kunstsammlung, die mit der Geschichte ihres Schlosses in einem weitläufigen Park eng verbunden ist. Immer wieder dienen Teile davon als Ursprung künstlerischer Interventionen.

Der Künstler Tony Cragg wiederum hat sich im Wuppertal seinen Traum eines privaten Skulpturenparks erfüllt. Ein Gesamtkunstwerk aus Natur, Skulptur und Architektur. Der Park ist öffentlich zugänglich und eine Kunstreise wert.

Die Sammlung von Anne und Wolfgang Titze wird ab Juni im Winterpalais des Prinz Eugen und im 21er Haus in Wien gezeigt. Es sind diese Schlüsselwerke der europäischen und Nordamerikanischen Minimal Art, Konzeptkunst und Gegenwartskunst, die in den letzten 25 Jahren diese spezifische Sammlung geformt haben. Eine Ausstellung ganz anderer Art ist in Graz in Vorbereitung. Das Bruseum wird Werke von Gunter Brus aus steirischen Privatsammlungen ausstellen.

Interessant ist, dass sich viele kleine Sammlungen auf das Werk eines Künstlers konzentriert haben. Noch viel mehr Lesenswertes finden Sie in der Inhaltsangabe.

Nun heißt es Abschied nehmen
Ich werde mich aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Es waren für mich viele schöne Jahre und ich möchte mich bei Ihnen, liebe Leser, bedanken, dass Sie mich in den 33 Jahren begleitet haben. Viele der Stammautoren bleiben der Zeitschrift sicher verbunden, denn wir waren ja ein Team, das all die Jahre wunderbar zusammengearbeitet hat. Die redaktionelle Leitung weiß ich jetzt mit Chefredakteurin Silvie Aigner und Herausgeber Matthias Boeckl in guten Händen. Beide kommen aus dem Parnass-Team. Ich freue mich über die Entscheidung des neuen Geschäftsführers Reinhold Gmeinbauer und finde den Parnass in der Medecco Holding gut aufgehoben.

Ein letztes Mal Ihre
Charlotte Kreuzmayr

Erratum:
Leider ist uns in Heft 1/2014 beim Fotonachweis ein Fehler unterlaufen, den ich gerne hiermit richtigstelle: Alle Fotos der Skulpturen zu Elisabeth Krimbacher: „Die letzten Tage der Menschheit“ von Deborah Sengl aus dem Jahr 2013: © Mischa Nawrata, Wien 2013. Foto mit Deborah Sengl Seite 53: Cédrickaub/Essl Museum.

AutorInnen

Mitarbeiter dieser Ausgabe: Mag. Silvia Aigner, Christa Armann, Daghild Bartels, Nina Binder, Dr. Matthias Boeckl, Anna Brenken, Sabrina-Victoria Deisinger BA, Dr. Eva Dewes M.A., Dr. Sabina Fliri, Dr. Herbert Giese, Mag. Daniela Gregori, Mag. Ulrike Guggenberger, Mag. Stefanie Habsburg-Halbgebauer, Dr. Marianne Hussl-Hörmann, Mag. Kerstin Jesse, Dr. Johannes Jetschgo, Elisabeth Krimbacher, Mag. Olga Kronsteiner, Silvia Langen, Dr. Claudia Lehner-Jobst, Mag. Clarissa Mayer-Heinisch, Dr. Siegbert Metelko, Günther Oberhollenzer, Dr. Ernst Ploil, Dr. Maria Rennhofer, Dr. Edith Schlocker, Mag. Dr. Johanna Schwanberg, Mag. Karla Starecek, Mag. Florian Steininger, Dr. Florian Weiland-Pollerberg, Gudrun Weinzierl, Dr. Hanne Weskott.

Heft 2/2014

CoverHeft 2/2014Preis/Heft:€ 18,- (EU),
€ 20,- (CH) + Porto
Heft kaufen
32 Jahre PARNASS