Parnass Kunstmagazin

Editorial

Kriegsmaler

Zum hundertsten Jahrestag des Kriegsausbruchs erwarten uns heuer das ganze Jahr über eine Fülle von Ausstellungen, mit denen auch wir uns auseinandergesetzt haben. Die Kunst ist immer auch ein Spiegelbild des Zeitgeschehens, sodass man rückblickend sehr gut nachempfinden kann wie die Stimmung damals gewesen ist.

Interessant dabei ist zu beobachten wie unterschiedlich die Künstler der beiden Nachbarländer Deutschland und Österreich die Kriegserlebnisse in ihre Kunst eingearbeitet und verarbeitet haben. Es ist wert, sich darauf einzulassen – vor allem auch für jene Generation, die davor verschont geblieben ist.

In der Zeit vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges waren die Künstler international so gut vernetzt wie nie zuvor. Künstlergruppen wie zum Beispiel „Der Blaue Reiter“, die sich länderübergreifend gebildet hatten, lösten sich 1914 aus politischen Gründen wieder auf. Plötzlich waren die Länder Europas untereinander verfeindet und das bedeutete das tragische Ende ihrer künstlerischen Gemeinschaft. Einige Künstler konnten fliehen, viele sind im Krieg gefallen – die Politik zerstörte die internationalen freundschaftlichen Beziehungen.

Die Zeitwende hat sich kurz vor 1914 abgezeichnet. Ein Künstler wie Alfred Kubin etwa hat das bedrohliche vorausgeahnt und in seinem Werk zum Ausdruck gebracht. Und dann war Krieg. Die industrielle Entwicklung führte mit der technischen Errungenschaft damaliger Kriegsführung zu einem verheerenden Akt der Auslöschung, die brutal auf Einzelschicksale hereinbrach. Käthe Kollwitz etwa verlor ihren 18-jährigen Sohn – ihr künstlerisches Werk war für den Rest des Lebens vom schmerzlichen Verlust geprägt. Künstler zogen an die Front, malten Bilder der Zerstörung, Skizzen vom Leid der Verletzten und der Bevölkerung. Vielfältig waren die Erfahrungen der Künstler, die sich im künstlerischen Ausdruck während des Krieges und danach ausdrückten. Vor allem der deutsche Künstler George Grosz konnte sich radikal ausdrücken und zeichnete die brutale Wirklichkeit der Überlebenden. Bei den Österreichern war es Egger-Lienz, der das sinnlose Morden in seinen kraftvollen Bildern als Katastrophe thematisierte.

Karl Kraus, der bedeutendste Kritiker der damaligen Zeit hat in seinem Weltkriegsdrama „Die letzten Tage der Menschheit“ mit der Gesellschaft abgerechnet. Ausgehend von der Szene an der Wiener Sirk-Ecke, wo ein Zeitungsausrufer des Extrablattes die Ermordung des österreichischen Thronfolgers in Sarajewo verkündet, übt er starke Kritik an der deutschen und österreichischen Kultur. In verschiedenen Szenen führt er quer durch die Gesellschaft illegale Geschäftemacherei, korrupte Politiker, falsche Moralvorstellungen und uns für dumm verkaufende Journalisten vor. Die Künstlerin Deborah Sengl realisierte dieses Thema in einer künstlerischen Umsetzung von 41 Szenenzeichnungen und der jeweiligen Objektumsetzung mit Rattenpräparaten, die jetzt in einer Ausstellung im Essl Museum zu sehen sind.

Viel Lesevergnügen wünscht Ihnen
Charlotte Kreuzmayr

AutorInnen

Mitarbeiter dieser Ausgabe: Uta Baier, Daghild Bartels, Silvia von Bennigsen, Dr. Matthias Boeckl, Anna Brenken, Sabrina-Victoria Deisinger BA, Dr. Eva Dewes M.A., Dr. Sabina Fliri, Dr. Herbert Giese, Mag. Daniela Gregori, Dr. Marianne Hussl-Hörmann, Dr. Johannes Jetschgo, Dr. Alexander Klee, Mag. Olga Kronsteiner, Dr. Claudia Lehner-Jobst, Mag. Clarissa Mayer-Heinisch, Dr. Ernst Ploil, Dr. Maria Rennhofer, Dr. Edith Schlocker, Mag. Karla Starecek, Ilonka Wenk M.A., Dr. Hanne Weskott, Franz Zoglauer, Dr. Margit Zuckriegl.

Heft 1/2014

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