Zehn Bildhauerinnen, die uns begeistern! (Part II)

Irina Lotarevich, Galvanic Couple, 2019-2020, exhibition view, Futura, Prague | Copyright and courtesy of the artist and Futura

Wie kein zweites Medium reflektiert die zeitgenössische Skulptur Parameter wie Form, Raum und Material. Gerade letzteres wird von einer jungen Generation an Künstlerinnen und Künstlern unmissverständlich wieder in den Mittelpunkt gestellt. Ohne Anspruch auf die Vollständigkeit dieses Portfolios möchten wir hier exemplarisch einige Positionen der „Neuen Skulptur“ vorstellen.


Iza Tarasewicz

Feingliedrig und verspielt tänzeln die Skulpturen von Iza Tarasewicz durch die Ausstellungsräume. Noch bis 2021 bespielt die 1981 in Polen geborene Künstlerin, die sowohl in ihrer Heimatstadt Kolonia Koplany, als auch in München lebt und arbeitet, die große Halle des Museum der bildenden Künste Leipzig. 2017 und 2018 stellte sie in Wien bei Croy Nielsen aus, aktuell sind Arbeiten auch bei Loggia in München zu sehen. Die Raumeingriffe der Künstlerin sind immer ein Dialog unterschiedlicher bearbeiteter Fundstücke. Zwischen Natur und Kultur, organischen Formen und stilisierter Technik vernetzt Tarasewicz Objekte zu Mustern, eröffnet neue Systematiken innerhalb der scheinbaren Hierarchien der Objekte und erschafft dabei frische Wahrnehmungskategorien.

Onview#9

Iza Tarasewicz, In myriads, things cry out, 2018, Ausstellungsansicht, Croy Nielsen, Wien | Courtesy the artist and Croy Nielsen, Vienna | Foto: kunst-Dokumentation.com

Iza Tarasewicz, In myriads, things cry out, 2018, Ausstellungsansicht, Croy Nielsen, Wien | Courtesy the artist and Croy Nielsen, Vienna | Foto: kunst-Dokumentation.com

Cover: Jan van Eyck, Verkündigung des Herrn, ca. 1434-1436 (Detail), Öl auf Holz auf Leinwand übertragen, 92,7 x 36,7 cm | Andrew W. Mellon Collection, National Gallery of Art Washington, D.C.

Irina Lotarevich

Irina Lotarevich, geboren 1991 in Rybinsk, Russland, absolvierte zunächst einen BFA am Hunter College in New York ehe sie an die Akademie der bildenden Künste Wien wechselte. Schon länger befasst sie sich mit negativen Räumen, Fragen nach Behältnissen, Hüllen und Konturen. Eine Arbeit von 2016 zeigt schablonenhafte Waffen – stählerne Umrisse von Messern. In einer jüngeren Serie beschäftigt sich Lotarevich mit Wandobjekten aus Holz. Angelehnt an die überladenen Dekors der Fassaden der Wiener Innenstadt kopiert die Künstlerin die architektonischen Außenformen in verbrannten Holzfassungen an der Innenwand der Ausstellungsräume.

Irina Lotarevich, Galvanic Couple, 2019-2020, exhibition view, Futura, Prague | Copyright and courtesy of the artist and Futura

Irina Lotarevich, Galvanic Couple, 2019-2020, exhibition view, Futura, Prague | Copyright and courtesy of the artist and Futura


Zsófia Keresztes

Ob auf der Liste Basel 2018 oder der FIAC 2019 – egal wo Galeristin Laura Windhager (GIANNI MANHATTAN), die 1985 in Budapest geborene Künstlerin Zsófia Keresztes zeigt, spielen sich ihre prägnanten Objekte in den Mittelpunkt. So kann die ungarische Künstlerin inzwischen auch ein beachtliches internationales Ausstellungsportfolio vorweisen und ist zum Beispiel aktuell auch auf der Biennale in Lyon vertreten. Früh konnte die junge Zsófia Keresztes ihre markante skulpturale Handschrift finden – ein Universum aus Wesen und Objekte aus Polystyrol und pastellbunten Mosaiken. Zwischen Märchen und Realität changieren diese teils grotesken, teils organischen Formen. Die Künstlerin entwickelt ein treffliches Generationenkommentar indem ihre mystischen Avatare eine ästhetische Erfahrung zwischen virtueller Ästhetik und klassischer Handwerkskunst transportieren.

Zsófia Keresztes, Sticky Fragility, installation view (2018), photo: Simon Veres, courtesy the artist and GIANNI MANHATTAN

Zsófia Keresztes, Sticky Fragility, installation view (2018), photo: Simon Veres, courtesy the artist and GIANNI MANHATTAN


Liesl Raff

Sanft und geschmeidig wirken die feingliedrigen Latex Skulpturen von Liesl Raff und doch stellen sie sich in ihrer unheimlichen Präsenz, dem Ausstellungsbesucher oft als wuchtige Wände entgegen oder muten mit schlangenhaften Spuren förmlich an, den Besucher im Raum zu verfolgen. In einigen ihrer Arbeiten scheint es gut nachvollziehbar, dass die 1979 in Stuttgart geborene Künstlerin an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Monica Bonvicini studierte, doch bringt Raff eine ganz eigene Sensibilität in ihren Skulpturen ein. Nicht nur in den Latex­zwischenwänden, die von Materialbeziehungen und einem philosophischen Nebeneinander der Strukturen erzählen, sondern auch in Arbeiten aus Stahl, wie sie etwa im Rahmen der Ausstellung „Maximal Soft“ 2018 in der Galerie Sophie Tappeiner zu sehen waren.

Videointerview im Onview#3

Cäcilia Brown, Christoph Meier, Liesl Raff curated by Peter Pakesch, 2019, Ausstellungsansicht, Galerie Nicolas Krupp | Courtesy the artists and Galerie Nicolas Krupp | Foto: Serge Hasenboehler

Cäcilia Brown, Christoph Meier, Liesl Raff curated by Peter Pakesch, 2019, Ausstellungsansicht, Galerie Nicolas Krupp | Courtesy the artists, Galerie Nicolas Krupp und Sophie Tappeiner | Foto: Serge Hasenboehler


Anna Virnich

Die Künstlerin Anna Virnich arbeitet mit Gerüchen und Düften, die sie aus mit Öl befüllten Keramikschalen und rosa Wachs dringen lässt. „Hyperdrüse“ hieß die Schau, die zur Berliner Art Week in der Schering Stiftung eröffnete und in eine olfaktorische Rauminstallation lockte. Bienenwachs, aromatische Öle, mal zitronig, mal blumig, mal zart, mal stechend scharf. Duftnoten schweben wie Fäden durch die Luft und sind kaum voneinander zu trennen. Mit ihren olfaktorischen Arbeiten bewegt sich die Künstlerin Anna Virnich in einer Welt ohne Sprache. Diese scheint sie auch nicht zu brauchen, zu individuell sind die emotionalen Interpretationen einzelner Gerüche. 1984 in Berlin geboren, studierte Virnich an der Hochschule für bildende Kunst in Braunschweig. Später besuchte sie die Meisterklasse des Malers Walter Dahn, einer der wichtigsten Vertreter der Jungen Wilden. Schon früh begann die Künstlerin Objekte aus duftenden Textilien, Glas oder anderen Materialien zu gestalten, die teilweise zu raumfüllenden Werken avancierten

Anna Virnich, Ausstellungsdetail »Hyperdrüse« | Foto: Roman März

Anna Virnich, Ausstellungsdetail »Hyperdrüse« | Foto: Roman März


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