In vier Szenerien verwandelt Sheila Hicks die zentrale Halle des MAK zum Parcours textiler Möglichkeitsformen. Mit Mitte 80 bezwingt die amerikanische Künstlerin abermals sehenswert das Spektrum des Materials Textil im Kontext der zeitgenössischen Kunst – von kleinen Wandbehängen bis hin zu riesigen ortsspezifischen Arbeiten.


Es ist die erste Ausstellung im MAK, die sich ausschließlich mit Textil befasst, vom Haus zum Jahresende fulminant inszeniert. In ihrem Zentrum steht die US-amerikanische Künstlerin Sheila Hicks. Diese versteht sich als bildende Künstlerin, die mit Textil arbeitet. 1934 in Nebraska geboren, durchlief die ehemalige Studentin von Josef Albers eine vorzeigbare Karriere, die unter anderem zu einer großen Installation mit textilen Materialien im Rahmen der Hauptausstellung „Viva Arte Viva“ im Arsenale auf der Venedig Biennale 2017 führte. Hicks kommt ursprünglich aus der Malerei, ein stilistischer Zusammenhang, der in vielen Arbeiten augenscheinlich ist. Während ihres Studiums an der Yale University konnte sie prägende Webtechniken von Anni Albers lernen. Aufenthalte in Südamerika schärften Sheila Hicks Verständnis unterschiedlicher Textiltechniken und öffneten Wege kultureller Appropriation.

„Hicks war immer extrem gut vernetzt“, erklärt Bärbel Vischer, Kuratorin der Ausstellung. So war Hicks nicht nur durch das Künstlerpaar Josef und Anni Albers vom Kreis des Bauhaus inspiriert, Ende der 1950er-Jahre ermöglichte ihr ein Fulbright-Stipendium auch Aufenthalte in Peru, Bolivien und Chile. In Mexiko erkannte sie rund um die Bekanntschaft mit dem Architekten Luis Barragán zusätzlich raumgreifende Qualitäten textiler Beschäftigungen – als Werkstoff zur Vermessung im Raum. Während es in den USA eine Tradition auf dem Feld des Textils in der zeitgenössischen Kunst gäbe, seien es im deutschsprachigen Raum nur wenige Künstler, die exklusiv mit Textil arbeiten, so Vischer. Für die Kuratorin hat gerade diese Materialwahl von Hicks auch eine politische Dimension – ist doch die Zuschreibung auf dem angewandten Gebiet des Textilen oft eine rein weiblich konnotierte und damit verbunden oft unfeministische, während paradoxerweise gerade Textil es vermag, ganze Räume zu definieren und mit großen Gesten zu arbeiten.

Lesen Sie weiter in unserer PARNASS Ausgabe 04/20.

MAK-Ausstellungsansicht, 2020, SHEILA HICKS. Garn, Bäume, Fluss, MAK-Ausstellungshalle, La Sentinelle de Safran, 2018 © Bildrecht, Wien, Foto: MAK/Georg Mayer

Museum für angewandte Kunst

Ausstellungshalle
Stubenring 5
1010Wien
Österreich

Das könnte Sie auch interessieren