Gallery Diary - Galerie Martin Janda satellite IV im Hochhaus Herrengasse | On Sculpture

Die Galerie Martin Janda zeigt mit On Sculpture die vierte Ausstellung in ihrem temporären Space im Hochhaus Herrengasse. 


Thema der Ausstellung ist das Verhältnis von Skulptur zu Malerei und Fotografie. Präsentiert werden Arbeiten von Alessandro Balteo-Yazbeck, Hugo Canoilas, Adriana Czernin, Milena Dragicevic, Melanie Ebenhoch, Werner Feiersinger, Nilbar Güres, Jakob Kolding, Roman Ondak, Tania Pérez Córdova und Roman Signer. Die Ausstellung ist bis 28. Oktober 2020 zu sehen.

Installation view satellite IV – On Sculpture, Galerie Martin Janda satellite in Hochhaus Herrengasse, Vienna, Courtesy Galerie Martin Janda, Vienna, Photographer: kunst.dokumentation.com

Tuksiarvik 8 nennt Milena Dragicevic ein großformatiges Ölbild, das eine zentrale Position in der Ausstellung einnimmt. Vor einem monochromen Hintergrund entwickelt sich, von einer schmalen Plattform ausgehend, ein skulpturales Gebilde nach oben. Volumen und flächige Elemente erscheinen kollagiert, labil übereinandergestellt, die Oberflächen modelliert. Die Formen sind teilweise modernistischen Skulpturen entlehnt. Der intensiv grüne Hintergrund wirkt in der Konfrontation mit der erdigen, von Brauntönen dominierten Farbigkeit der Skulptur äußerst artifiziell. Der Titel dieser Arbeit und der gesamten Serie ist der Sprache der Inuit entlehnt und bedeutet soviel wie „Gebetsort“. Dragicevic verwendet bewusst Titel für ihre Arbeiten, deren Bedeutung sich nicht sofort erschließt. So wie die Konstruktion ihrer Bilder zwischen realistischer Form und Abstraktion positioniert ist, gilt dies auch für die Titel ihrer Werke.

In Werner Feiersinger Fotografien steht nicht das Dokumentarische im Vordergrund, sondern der spezifische Blick aus seiner bildhauerischen und künstlerischen Praxis heraus. Der Künstler beschäftigt sich seit langem mit spezifischen Gebäuden der Moderne, neben den Bauten von Le Corbusier insbesondere mit der italienischen Nachkriegsmoderne. Die Fotografien Feiersingers reflektieren seine bildhauerische Arbeit und sind gleichzeitig deren Gegenpart.   

Untitled (Burri) zeigt ein Detail von Alberto Burris monumentalem Projekt "Il Grande Cretto" in Gibellina, Sizilien. Die Stadt, gegründet im 14. Jahrhundert, wurde 1968 bei einem schweren Erdbeben vollständig zerstört. Statt sie wieder aufzubauen, errichtete man in der Nähe eine neue Stadt. Burri überzog einen Teil der Ruinen Gibellinas mit Beton und zeichnete so den alten Grundriss der Stadt mit ihren Gebäuden und engen Gassen nach, um die Erinnerung an den Ort, seine Bewohner und die ursprüngliche Topographie zu erhalten. Feiersinger fokussiert auf die expressiv-skulpturalen Qualitäten dieses Monuments, auf Volumen, Strukturen, Materialien und Oberflächen. Der Ausschnitt aus der riesigen Betonskulptur, den Feiersinger wählt, zeigt auch, wie die Natur den Ort wieder vereinnahmt, wie Pflanzen durch die Oberfläche des Betons dringen. Es geht ihm darum, die extreme physische Erfahrung dieses Ortes in eine Fotografie zu übersetzen. 

Ausgehend von der Wandzeichnung, die Adriana Czernin für ihre Ausstellung Fragment im Museum für Angewandte Kunst Wien 2018 geschaffen hat, hat die Künstlerin das Ornament aus dem sogenannten Wiener Tableau – ein Fragment eines islamischen Ornaments aus der Ibn Tulun-Moschee in Kairo aus dem 13. Jahrhundert – nun räumlich erweitert und stellt es in der Fotoserie Spikes (Ibn Tulun) mit ihrem Körper in Beziehung. 

Werner Feiersinger, Untitled (Burri), 2016, colour photograph mounted on dibond, 157 x 125 cm, Edition 1/5 + 1 A.P.

In der Wandzeichnung und der Rauminstallation im MAK arbeitete Czernin mit der Illusion einer raumgreifenden Form. Die aus Dreiecken bestehenden Fragmente der übergeordneten ornamentalen Struktur wirken dreidimensional, klappen aus der Fläche der Zeichnung oder kippen in sie hinein. Adriana Czernin baut diese Formen nun als dreidimensionale Objekte in Pappe. Sie interagiert mit ihnen, setzt ihren Körper in Bezug zu ihnen. Gleichzeitig ist es ein leiser Widerstand gegen das System des Ornamentalen, den die Figur zum Ausdruck bringt.

Adriana Czernin, Spikes (Ibn Tulun), 2020, series of photographs, 8 parts, each 8,3 x 6,2 cm, Edition 1/5 + 2 A.P, Photographer: kunst.dokumentation.com

Galerie Martin Janda

Eschenbachgasse 11, 1010 Wien
Österreich

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