viennacontemporary will mit neuer Struktur durchstarten

Die Wiener Messe musste sich komplett neu aufstellen. Die beiden Board-Mitglieder Bernhard Hainz und Andrea Bier sehen es als Chance für einen vielversprechenden Neuanfang.


Die Wiener Kunstmesse viennacontemporary (VC) hat turbulente Zeiten hinter sich. Auf das Pandemiejahr 2020 folgte im Vorjahr der Wechsel der künstlerischen Leitung und die unerwartete Konkurrenz durch die neue Messe SPARK Art Fair, die zum Verlust der Location in der MARX HALLE führte. Doch kaum hatte Geschäftsführer Markus Huber gemeinsam mit dem künstlerischen Direktor Boris Ondreička die strategische Ausrichtung auf Osteuropa neu definiert und mit dem Kursalon im Stadtpark für heuer eine neue Location aufgestellt, ging wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auch noch der Eigentümer, der russische Geschäftsmann Dimitry Aksenov, verloren. Er zog sich zurück, um einen Reputationsverlust der Messe zu verhindern.

Huber musste in Windeseile neue Eigentümer gewinnen und krempelte auch das Team um. So holte er sich etwa die ehemalige Kulturamtsleiterin von Kiew, Jana Barinowa, ins Führungsteam, die sich um neue Partnerschaften in Osteuropa kümmern soll. Boris Marte wiederum übernahm von Aksenov den Vorsitz im beratenden Board. Als CEO der Erste-Stiftung, die seit Jahren die VC mit der Finanzierung von künstlerischen Projekten unterstützt, ist er der Messe lange verbunden. Neu im Board ist auch Andrea Bier, begeisterte Kunstsammlerin und Initiatorin des Artist-in Residence-Programms AIR101 am Traunsee. „Ich darf als Frau das Board aus etablierten Herren aufmischen“, sagt sie mit Augenzwinkern. Sie sieht sich als Bindeglied zu den Künstlern, ist nah an der Szene, pflegt aber auch den Austausch mit Sammlern. „Die Messe als Chance für die Künstlerinnen und Künstler, das ist meine Vision.“ So hat sie etwa im Sommer im Rahmen der Ausstellung „Ephemere“ in Gmunden gemeinsam mit der VC einen Abend gestaltet. „Für mich ist es reizvoll, die Schnittstellen zwischen Kunst und Leben, zwischen Kunst und Wirtschaft möglichst unmittelbar und leidenschaftlich zu gestalten“, sagt sie.

Die Messe als Chance für die Künstlerinnen und Künstler, das ist meine Vision.

Andrea Bier

Neue Gesellschafter

Die Gesellschaftsanteile von Aksenov haben zu gleichen Teilen der Rechtsanwalt Bernhard Hainz, die Immobilienunternehmer Daniel Jelitzka und Reza Akhava sowie der Unternehmer Manfred Bodner übernommen. Schon zuvor war die Gesellschaft in eine Non-Profit-Organisation umgewandelt worden, um leichter an finanzielle Mittel zu kommen. Verdienen werden die neuen Eigentümer also nichts. Die Begeisterung für die Kunst und die Überzeugung, dass Wien eine Messe wie die VC braucht, seien für das Engagement ausschlaggebend gewesen, sagt Hainz, der die Eigentümervertreter im beratenden Board vertritt.

Die Stadt Wien hat bisher bei der Förderung ziemlich ausgelassen. Gerade einmal 10.000 Euro spendierte sie im Vorjahr. „Zuletzt gab es aber positive Signale hinsichtlich einer Unterstützung.“ Für die VC wäre das wichtig, denn künftig soll sie finanziell auf eigenen Beinen stehen.

Bernhard Heinz und Andrea Bier, Foto: Maria Belova

Für drei Jahre ist noch die von Aksenov im Vorjahr zugesagte Finanzierung von 250.000 Euro pro Jahr da, die er trotz seines Ausstiegs zur Verfügung stellt. Zuschüsse seitens der neuen Eigentümer seien nicht vorgesehen. Ob Hainz, falls es doch Bedarf gäbe, bereit wäre einzuspringen, wollte er weder dementieren noch bestätigen. „Das hängt sicher davon ab, warum es dazu kommt und wieviel Geld notwendig wäre.“

Mit der neuen Struktur und dem klaren Fokus auf Osteuropa als Alleinstellungsmerkmal sei er optimistisch, dass die VC auf einem guten Weg ist. „Mit Boris Ondreička hat die Messe einen in Osteuropa hervorragend vernetzten künstlerischen Direktor“, betont Hainz, der seine Rolle im Board als eine Mischung aus „vernünftiger Kontrolle, Ideenbringer und Sparringspartner“ beschreibt. Auch Bier sieht die Zukunft in einer europäischen Kunstmesse, die als Brücke zwischen Ost, West und Nord, Süd fungiert, mit hohem Qualitätsanspruch und Kooperationen mit Institutionen wie dem MAK – Museum für angewandte Kunst und dem Konzerthaus. „Die Kunst kommt zu den Menschen in die Stadt und soll auch ganzjährig eine Rolle spielen“, formuliert sie ihre Perspektive.  

Bernhard Heinz und Andrea Bier, Foto: Maria Belova

Satellitenevents in Osteuropa

Hainz ist vor allem die Idee von Satellitenveranstaltungen im osteuropäischen Ländern wichtig. „Das ist einerseits für österreichische Galerien spannend, um ihre Künstler im Osten präsentieren zu können. Andererseits kommt man dort an die wichtigen Galerien und Sammler heran, die dann hoffentlich auch nach Wien kommen“, so Hainz. Das ist der Messe in der Vergangenheit kaum gelungen. Zwar nahmen bedeutende Galerien aus Osteuropa teil, kamen in der Regel aber nicht wieder. Das soll die neue Strategie ändern. Hainz wünscht sich auch, dass österreichische Galerien in Wien ihre Spitzenware anbieten. „Die Galerien heben ihre Spitzenwerke für die Frieze oder die Art Basel auf, weil sie meinen, dass sie die teuren Werke in Wien nicht verkaufen können. Das wäre aber wichtig, weil es den Standort attraktiver macht.“ Attraktiver muss die VC jedenfalls werden, um international an Bedeutung zu gewinnen und sich gegen die Konkurrenz zu behaupten. Die Voraussetzungen wurden geschaffen, jetzt muss die Strategie konsequent umgesetzt werden.

Dieser Text wurde gekürzt. Den ganzen Artikel finden Sie in unser PARNASS Herbstausgabe

viennacontemporary 2022

Kursalon Vienna
Johannesgasse 33
1010 Wien
Österreich

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