Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Wien

Thomas Feuerstein

Die Ausstellung von Thomas Feuerstein in der Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Wien ist eine Station des langfristig angelegten Großprojekts "Metabolica".


Thomas Feuerstein ist Bildhauer – den Werkstoff für seine Skulpturen stellt er allerdings mittels biochemischer Prozesse selbst her. Oder besser gesagt, er lässt ihn durch Bakterien herstellen und nutzt diese dabei im doppelten Sinn. Sowohl – in Anlehnung an den Carrara-Marmor der Renaissance – „als Steinbruch, weil sie die Lieferanten des Materials sind, als auch als Bildhauermeißel, der das Material bearbeitet und verändert“, wie der Künstler im Interview anlässlich seiner Ausstellung im ZKM in Karlsruhe erklärt.

Das ZKM war ebenso wie das Museion in Bozen und aktuell die Wiener Galerie Thoman Station des langfristig angelegten Großprojekts Metabolica“, in dem Feuerstein Wissenschaft, Kunstgeschichte und Science-Fiction miteinander verbindet. Die Zusammenarbeit mit Wissenschaft, speziell mit Biotechnologien, ist ein Charakteristikum der künstlerischen Praxis von Thomas Feuerstein. „Technologie und Wissenschaft sind für mich zentral, auch um die Frage zu stellen, wohin sich unsere Gesellschaft in Zukunft bewegt.“

Seine Ausstellungen verbinden gleichermaßen Atelier, Ausstellungsraum und Laborsituation und umfassen raumgreifende technische Apparaturen, wie Bioreaktoren, die auch während der Dauer der Ausstellung biochemische Prozesse vollziehen, und deren Schläuche sich oft wie Tentakel durch den Raum schlängen. Begleitet werden diese – wie auch in der Galerie Thoman – von Zeichnungen. Hier stellt Feuerstein gekonnt sprachliche, visuelle und kunsthistorische Bezüge her und führt den Betrachter mittels latenter Überlagerungen von Kunst und Wissenschaft in eine Welt zwischen Fakt und Fiktion.

Im Fokus des Projektes „Metabolica“ stehen Stoffwechselprozesse und die Idee eines in sich geschlossenen Wandlungsprozesses der Materie als komplexe Kreisläufe von bakteriellem Wachstum und Zerstörung. Die Basis bildet die langjährige Zusammenarbeit des Künstlers mit Mikrobiologen der Universität Innsbruck und den dortigen aktuellen Forschungen zur Entwicklung des Biopolymers PHP. Feuerstein stellt mittels Algen zunächst Fettsäuren her, diese liefern die Nährstoffe für die Bakterien, die aus den Fettsäuren den polymeren Bio-Kunststoff PHP entwickeln. Daraus entstanden mittels 3D-Druck jene Skulpturen, die im Galerieraum als Rauminstallation zu sehen sind: allesamt Ikonen der Kunstgeschichte, wie die Hand und die Nase von Michelangelos David, Louise Bourgeois Spinnen oder eine der stehenden Figuren Giacomettis, der Feuerstein den Bildhauermeißel gleich einer Pinocchio-Nase verpasst hat.

Thomas Feuerstein, Ausstellungsansicht © Galerie Elisabeth & Klaus Thoman / Albrecht Fuchs

Doch Feuerstein ist nicht interessiert an der Ewigkeit des Skulpturalen und so werden diese Werke von ebenjenen Bakterien, die das Material hergestellt haben, aus denen sie bestehen, auch wieder abgebaut und zersetzt. Diese komplexen Kreisläufe von bakteriellem Wachstum und metabolischer Transformation sieht Feuerstein auch als Utopie einer „Ouroborokratie“ – das Symbol des Ouroboros findet sich auch in seinen Zeichnungen: eine sich selbst verzehrende und sich dadurch stets erneuernde, demokratische Kultur.

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Galerie Elisabeth & Klaus Thoman

Seilerstätte 7, 1010 Wien
Österreich

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