Maria Hahnenkamp | Galerie Jünger

Themen der Leere bestimmen die Ausstellung von Maria Hahnenkamp. Selbst der Ausstellungstitel „O. T.“ ist eine Art Verweigerung. In ihren Bildern und Objekten füllt sie die Leere mit subtilen Anspielungen auf Grenzwerte des Sichtbaren und nicht mehr Sichtbaren und lotet Wahrnehmungs- und Denkmöglichkeiten in ihren von Präzision bestimmten Exponaten aus.


„Und daß es hier nichts zu sehen gibt, es sei denn rein intensiv.“ Dieses Zitat von Eva Meyer, ausgewählt von Maria Hahnenkamp für eines ihrer Textbilder, bringt Intention und Wirkung der Ausstellung auf den Punkt. „Leere“ ist das Thema, das vornehmlich durch weiße Bilder und Objekte „am Rande der Sichtbarkeit“ vermittelt wird. Die Werkgruppe der Steingipsbohrungen zitiert Ornamente, wie eine Freskenmalereivorlage aus dem 19. Jahrhundert oder eine Abbildung eines barocken Rocailles. Loch um Loch bohrt sie in den harten, schneeweißen Steingips, sodass sich nur die linearen Abfolgen der 1,5 Millimeter feinen Öffnungen abzeichnen. Maria Hahnenkamp überträgt aber auch Ornamente mit der Bohrmaschine direkt in die Wand.

Eine Serie von ideogrammatischen Textbildern greift Zitate auf, die auf den unteren Rand des Blattes, gleichsam wie Untertitel eines Films, bei ansonsten weißer, freibleibender Fläche gesetzt werden, wie „Weniger als Nichts“ von François Morellet oder das Eingangszitat von Eva Meyer. Außerdem entfernt sie auf abgeschmirgelten Fotos Motive. Auf neu collagierten Passepartout-Kartons überlagern einander islamisch-geometrische und historische katholische Ornamente in fein gestichelter Ziselierung. Sie beruhen auf dem Buch „Islamic Geometric Patterns“ von 1857 und einem katholischen Vorlagenbuch von 1860. Abstrakt und leer wirkende Fotoarbeiten zeigen die Spiegelungen des Blitzlichtes einer Kamera in einem Folienvorhang – ein zartes Spiel mit Transparenz, Licht und Schatten und Weißnuancen. Maria Hahnenkamp arbeitet inhaltlich und technisch präzise, aber auch mit ihrem besten Partner, dem glücklichen Zufall.

In gewisser Weise arbeite ich wie eine Psychoanalytikerin.

Maria Hahnenkamp

"In gewisser Weise arbeite ich wie eine Psychoanalytikerin. Ich erzeuge in vielen meiner Bilder einen assoziativen visuellen Schwebezustand und versuche klar festzumachende Bilder zu vermeiden, versuche sie im Offenen zu halten, in der Hoffnung, damit neue Zugänge und Sichtweisen anzuregen, damit man sich von den vorgegebenen tradierten Vor-Bildern lösen kann“, formuliert Maria Hahnenkamp ihr zentrales Anliegen. Sie setzt ihre Kunst der Oberflächlichkeit der Menschen und der Welt entgegen. „Man muß alles wegnehmen, damit sich ein neuer Raum öffnen kann“, zitiert sie in einem weiteren Bild Gaston Bachelard aus „Poetik des Raumes.“

MARIA HAHNENKAMP, O.T. (Parfum-Devotionalien), 1993, Foto by the artist

Auf Leere Bezug nehmend, aber farblich sinnlich, präsentieren sich die kleinen „Parfum-Devotionalien“ als Kostbarkeiten unter mundgeblasenen Glasstürzen an der Wand. Gelbe, blaue, pinke und rote seidenbeflockte Plastikformen werden in goldfarbenen Rahmen zu Objekten mit erotischen Implikationen. Die an Vulven erinnernden Formen fungierten ursprünglich als Verpackungen für Parfumflakons . Auch hier eröffnet die leere Verpackung, der fehlende Gegenstand, eine neue Sichtweise. Maria Hahnenkamp geht es um den Raum, den körperlichen, geistigen, ästhetischen und seelischen – um den leeren Raum, den Bildraum, den Textraum, den Traumraum.

Galerie Jünger Wien

Paniglgasse 17a, 1040 Wien
Österreich

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