Gallery Diary - Bildraum 01 | Katharina Fink

In der Galerie Bildraum 01 ist bis 26. August 2020 die Ausstellung »Wenn des Finken süßer Ton« von Katharina Fink zu sehen!


Die Linie, so Paul Klee, ist „Gedanke“, und der Gedanke ist „Medium zwischen Erde und Kosmos“. Die Linie ist aber auch „die erste bewegliche Tat“, ein primum movens.“, zitiert Helmut Schneider Paul Klee, 1975 in seinem Essay: „Die Linie ist Gedanke, der „Die Zeit“. Auch Leonardo hat sich eingehend mit dem Thema der Linie auseinandergesetzt,  diese jedoch ganz im Sinne des „disegno“ der Renaissance begriffen: als Plan, Absicht und Entwurf. Für Leonardo hatte die Linie die hochkomplexe Eigenschaft Körper und Objekte zu konstruieren, allerdings bestritt er das Vorkommen der Linie in der Natur und damit auch ihrer Notwendigkeit in der malerischen Darstellung. Die Linie ist ein Grundelement. Wie die Musik ihre Töne und Zeichen, die Sprache ihre Laute und Schriften hat, hat auch das Bild seine Gestaltungs- und Formelemente und konstituiert sich aus Punkten, Linien, Flächen, Farbe, dem Format, der jeweiligen medialen Umsetzung und dem Raum. Schon einfachste Linien auf einem Blatt Papier knnen Rumlichkeit und Plastizitt vortäuschen.

In den Arbeiten von Katharina Fink, geboren 1983 in Bregenz ist die Linie ein konstantes und zentrales Element. In ihren Werkserien geht sie zumeist von den Dingen der sichtbaren Realität aus, vor allem von der Natur, von Wiesen, Feldern, die sie von ihren Spaziergängen kennt. Die Zeichnungen sind abstrakt und dennoch lassen sich Elemente der Natur – oder wenn wir von Feldern sprechen der Kulturlandschaft assoziieren. Nicht die pittoreske Qualität, sondern die grafische Einschreibung in die Landschaft stehen dabei im Fokus – ob der einzelne Halm oder die zumeist geometrische Anordnung der Felder selbst. Die Umsetzung ist weder dokumentarisch noch naturalistisch sondern führt in die ganz eigene Formensprache der Künstlerin.

Katharina Fink © Eva Kelety

Mit Hilfe der eng gesetzten Linien, die in akribischer, fast meditativer Arbeit entstehen entwickelt Katharina Fink Assoziationsräume. Dabei beschränkt sie sich nicht auf den zweidimensionalen Bildträger, sondern überzieht auch den Bereich der Skulptur, in dem sie die Zeichnung mit ihren Objekten in der Technik der „Papierkaschur“ auch in den Raum einschreibt. Katharina Fink arbeitet dabei mit Faber Castell Tuschstifte. Das anfänglich satte Schwarz wird je länger der Stift benützt wird, heller. Doch anstelle den Stift vorzeitig auszutauschen, nützt die Künstlerin diesen Faktor und integriert bewusst die dadurch entstehenden Farbabstufungen von Schwarz bis Grau, die zusätzlich das Bild räumlich und grafisch strukturieren.

Katharina Fink © Eva Kelety

Die Ausstellung zeigt drei Arbeiten, zu der großformatigen Zeichnung und dem Wandobjekt gestaltete Fink noch eine Bodenarbeit aus 3.000 schwarz überarbeiteten Bambusstäben. Die Korrespondenz der einzelnen Werke ist augenscheinlich, nehmen die Stäbe doch die lineare Strichsetzung des Zeichenstiftes auf. Ebenso ist allen Werken ein konzentrierte Arbeitsprozess, die als künstlerische Strategie auch im Ausstellungsraum spürbar wird. Die Entschleunigung erfasst auch den Betrachter erfasst. Es herrscht eine wohltuende Ruhe im Raum, nahezu eine Atmosphäre wie in einem Japanischen Zen-Garten. Der Titel der Ausstellung stammt aus einem Gedicht von Otto Julius Bierbaum (1865-1910), einem deutschen Journalisten und Schriftsteller, besser bekannt unter seinen Pseudonymen „Martin Möbius“ und „Simplicissimus und erzählt von den Eindrücken des Sommers:

Wenn im Sommer der rote Mohn 
wieder glüht im gelben Korn, 
wenn des Finken süßer Ton 
wieder lockt im Hagedorn, 
wenn es wieder weit und breit 
feierklar und fruchtstill ist, 
dann erfüllt sich uns die Zeit, 
die mit vollen Massen misst. 

Katharina Fink © Eva Kelety

Katharina Fink sieht ihre Arbeiten als „Versuch der ständigen Reizüberflutung mit Einfachheit und Reduziertheit“ zu begegnen und den Betrachter jenes Gefühl der Ruhe und Gelassenheit zu vermitteln, dass auch die Künstlerin erfasst, wenn sie sich in der Natur bewegt. Ein Gefühl lässt sich schwer abbilden und darstellen, doch Katharina Fink ist es gelungen.

Bildraum 01

Strauchgasse 2, 1010 Wien
Österreich

Das könnte Sie auch interessieren