Die 52. Ausgabe der ART&ANTIQUE musste abgesagt werden

Aufgrund der neuen Verordnungen der Regierung musste Österreichs große Messe für Kunst, Antiquitäten und Design leider abgesagt werden. Hier ein Überblick was die Schwerpunkte der 52. Ausgabe der ART&ANTIQUE gewesen wären.


Von der Antike bis heute

Den antiken Beginn macht in der Wiener Hofburg ein griechischer Marmorkopf einer Göttin mit Schleier, dem Maria Lassnig mit ihrem „Der Tod ist eine Sphinx“ antwortet. Klassiker Marino Marini lässt eines seiner Pferde reiten, majestätisch steht ein stolzer Bergbauernhof von Alfons Walde im Sonnenschein, Jubilar Christian Ludwig Attersee überwältigt mit seiner Fantasie und zeitgenössische Künstlerinnen wie Frenzi Rigling oder Alina Kunitsyna zeigen faszinierend stark auf. Dabei können wir selbst 2020 spannende Neuzugänge sowie gute alte Bekannte nach längerer Abwesenheit in Wien begrüßen. Das sorgt für viele interessante, frische Impulse im reichen Ausstellungsprogramm.

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Live-Erlebnis bleibt unersetzbar

Vieles hat sich zuletzt in den virtuellen Raum verlagert. Doch das reale Erlebnis, wie es nur eine Messe bietet, ist niemals ersetzbar: Weder die Aura des Originals, noch die Begegnung mit den Experten, die Beratung, der Austausch und schon gar nicht das große Angebot und die Vielfalt. Das alles kann nur eine Messe wie die ART&ANTIQUE Hofburg Vienna bieten.

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Die Aufgabe des Künstlers in einer verunsicherten Gesellschaft besteht darin, Bewusstsein für das Universum zu schaffen, die richtigen Fragen zu stellen und den Geist zu beflügeln.

Marina Abramovic

So scharf hat die Performance-Künstlerin Marina Abramovic umrissen, was gute Kunst leisten kann – und selbst nicht rezente Kunst, Antiquitäten, Kunsthandwerk oder Design mischen sich in den Diskurs zu aktuellen Themen ein. Kunst kann viel. So berichtet auch eine kürzlich veröffentlichte Studie, dass sich viele Sammler während der Corona-Pandemie noch intensiver mit ihrer Kunst beschäftigt haben.


Bewusstsein für das Universum

Die Natur im Fokus: Nicht zuletzt die Fridays for Future-Bewegung, der Himmel ohne Flugzeuge, gar die wieder klaren Kanäle in Venedig haben den Blick auf die Natur geschärft. Die Natur, gefährdet wie nie, ist und war immer schon ein zentrales Thema der Kunst. Poetisch etwa, wenn George Braque zwei weiße Tauben schweben lässt, wie in „Le tir à l’arc“ von 1958 (Galerie Française). Doch der Titel bringt die Idylle durch den Menschen in Gefahr: „Le tir à l’arc“ heißt „Bogenschießen“.

Aus härterem Stein ist der Widder geschnitzt: Im Land der Königin von Saba hat man ihn im 1. Jahrhundert vor Christus aus Alabaster gehauen. Nun sucht er bei Christoph Bacher Archäologie Ancient Art einen neuen Platz.


Schlangen für die Emanzipation

Mit Norbertine Bresslern-Roth und ihren putzigen Eisbärkindern beim „Spiel im Wasser“ von 1967 (Galerie Kovacek & Zetter) beginnt eine Parade starker weiblicher Künstlerinnen. Auch hier hat die Natur ihren Platz. Die Schlange kommt ins Spiel, wenn Kiki Kogelnik die emanzipierte Frau als Medusa inszeniert, um wohl auch das Unbehagen der Männerwelt vor einer (zu) starken Frau ins Bild zu rücken: „Superserpent“ von 1974, ein vielschichtiges Hauptwerk, kann man bei Kunsthandel Giese & Schweiger entdecken.

Weiter geht es mit Landschaften, gesehen von drei Malerinnen: Tina Blau hielt einen „Herbsttag in der Krieau im Prater“ um 1882/1885 fest (Kunsthandel Giese & Schweiger), Leontine von Littrow schaute um 1908/10 über eine „Terrasse in Dalmatien“ auf das Meer (Kohlhammer & Mahringer Fine Arts) und Olga Wisinger-Florian führte ihren Blick auf einen „Gartenweg des Riviera Palace Hotels bei Monte Carlo“ 1906 (Kunsthandel Seitz).


Das nachhaltige Paradies

Apropos Natur und Umwelt. Jeder kann hier selbst ein Zeichen setzen. Denn Antiquitäten, Kunsthandwerke, Vintage-Design zu sammeln, ist nachhaltig und schont Ressourcen.  Gutes Design kennt eben kein Ablaufdatum. Vor allem, wenn ein Großer wie der Italiener Willy Rizzo in den 1970er Jahren eine nierenförmige Bar mit rückwärtigem, beleuchtetem Regal, Tresen und zwei Barhockern entwarf (EHRL fine art & antiques).

Die Hölzer für die Kommodenuhr „au bon sauvage“, Wien um 1800, sind längst nachgewachsen. Sie tickt bei Lilly’s Contemporary Art Exclusive Antiques und zeigt, wie zwei Diener eine exotische, prachtvoll geschmückte Königin tragen. Noch unangefochten von jeder PC-Debatte ist die Uhr Beispiel für das Motiv des „Edlen Wilden“ („Le bon sauvage“), das der tiefen Sehnsucht einer zunehmend urbanen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts nach unberührter Natur entsprang, kurzum: nach dem verlorenen Paradies.

Willy Rizzo, große nierenförmige Bar mit rückwärtigem, beleuchtetem Regal, Tresen und zwei Barhockern, Italien 1970er Jahre, Tresen: 88 x 128 x 82 cm, Regal: 193 x 120,5 x 94 cm, Bar Hocker: 63 x 39 x 39 cm, Bild: EHRL fine art & antiques


Den Geist beflügeln, auch regional

Abstrakte und moderne Kunst regt gerne unsere Vorstellungskraft an. So wie bei Jubilar Christian Ludwig Attersee und seinen Pop Art-Fantasien (Galerie Ernst Hilger).

Regionalität kann auch in der Kunst ein Kriterium sein: Die Galerie Maier bringt aus Innsbruck mit nach Wien „Wie eine Landschaft“ von 1962 Bedeutendes des Tirolers Max Weiler. Der gebürtige Villacher Bruno Gironcoli ist mit „Ohne Titel (Topf)“,2004, bei der Galerie Walker aus dem Kärntner Rosental ausgestellt. Die Salzburger Galerie Weihergut führt den 1953 in Salzburg geborenen Jakob Gasteiger in ihrem Wiener Programm. Zweimal Graz heißt es, wenn die Galerie Reinisch Contemporary Graz Herbert Brandl in der Hofburg ausstellt.

Christian Ludwig Attersee, Flutwanderer 2019/20, Acryl und Lack auf Leinwand, Holzrahmen bemalt, 105 x 105 cm / 118 x 118 cm, Bild: Galerie Ernst Hilger


Wien zum Schluss

Österreichs Hauptstadt hat die Wahlschlacht geschlagen. Friedlich und demokratisch. Dass es so nicht immer war, daran erinnert Hans Staudachers Collage „es brennt (Die Franzosen in Wien)“, 1952-1958, (Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck/Wien).

Wie sich der Hohe Markt über die Jahrhunderte verändert hat, lässt sich dank Anton Kothgassers 13,3 cm hohem Pokal mit der Ansicht dieses Wiener Platzes überprüfen (Kovacek Spiegelgasse Gemälde Glas). Eines ist jedoch sicher: Damals, um 1815, war die Innenstadt absolut autofrei!

Anton Kothgasser, Pokal mit Ansicht des Hohen Marktes in Wien, Wien, um 1815, H: 13,3 cm, Bild: © Sylvia Kovacek GmbH, Wien


Alles rund um die Messe finden Sie jetzt auch in der Digitalen Broschüre!

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Art&Antique Hofburg Vienna

Heldenplatz, 1010 Wien
Österreich

Do-Sa: 10-20 Uhr, So: 10-18 Uhr

www.artantique-hofburg.at

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