Die 90er sind zurück! Und mit ihnen Peter Kogler

"Connected. Peter Kogler with ...", Installation view, 2019, Photo: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Gleich zweifach kann man aktuell den einzigartigen Ausstellungswelten Peter Koglers begegnen. Der Künstler, der sich in den 1990er-Jahren eindrucksvoll auf der documenta IX und X einen internationalen Namen machen konnte, wurde gerade 60 und trumpft mit sehenswerten Projekten auf. Bei einem Besuch im Atelier hat er uns von der Ausstellung „ZERO GRAVITY“ in der ERES-Stiftung München erzählt – alles dazu lesen Sie ab 5. September in unserer neuen Ausgabe. Schon vorab haben wir uns die Ausstellung „Connected“ im Kunsthaus Graz angesehen. Wo der programmatische Titel halten kann was er verspricht.


Waren Sie schon einmal in einem Skyspace von James Turrell? Es ist eine jener Erfahrungen, die in Worte schwer zu fassen sind. Eine ähnliche und doch ganz andere Erfahrung, die nicht kurz umrissen zusammengefasst werden kann, spielt sich derzeit im Kunsthaus Graz ab.

Peter Kogler bespielt die gesamte Kuppel des Obergeschosses des Ausstellungshauses mit einer immersiven Lichtinstallation zum Sound von Franz Pomassl. Noch nie hat man den „Friendly Alien“ von Peter Cook und Colin Fournier so wahrgenommen. So gleichsam persönlich wie intim im Halbdunkel und doch im Schlaglicht überwältigt von den gewaltigen Gesten und Dimensionen.

Dieser Space01 ist der dramaturgische Höhepunkt der Ausstellung „Connected“ die das Kunsthaus Graz aktuell in eine große Maschine der Bewegungen verwandelt. Das gesamte Space02 bespielt Peter Kogler unterdessen im engen Dialog mit Kuratorin Katrin Bucher Trantow mit einer vielgestaltigen Zusammenschau seiner Werkkörper aus den vergangenen Jahrzehnten – zusammengedacht mit der Geschichte künstlerischer Avantgarde-Netzwerke.

"Connected. Peter Kogler with ...", Installation view, 2019, Photo: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

"Connected. Peter Kogler with ...", Installation view, 2019, Photo: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Wie prägend und doch vergessen Friedrich Kieslers „Internationale Theaterausstellung“ 1924 in Wien ausfiel und welch Pionierarbeit Fernand Léger und George Antheil aber auch Charlotte Perriand leisteten werden Dreh- und Angelpunkte der komplexen Ausstellungserfahrung, die unterhaltsam zwischen Information und Erleben wechselt.

Herzstück der unteren Ausstellungsebene ist dabei das „Ballet mécanique“. Zur Uraufführung Anfang der 1920er-Jahre geplant, war es die erste surrealistisch-dadaistische Verbindung zwischen Filmmontage und mechanisierter Musik mit Fernand Léger als Bildkompositeur, Dudley Murphy als Kameramann und George Antheil als Komponist.

Cover PARNASS 03/2019 | Richard Gerstl, Selbstbildnis als Halbakt, 1902/04, Öl auf Leinwand, 159 x 109 cm | Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger (Detail)

Im Stunden Takt hauen die Maschinen nun im Kunsthaus Graz in die Tasten und Winfried Ritsch lässt eine ausschließlich maschinell gespielte Neuinterpretation der Partitur effektvoll erklingen. Während schwarz-weiß Filmaufnahmen durch den Raum flackern und eine surreal nostalgische Atmosphäre im futuristischen Bau erzeugen.

So entstand eine Schau, der es gelingt, historische wie aktuelle Mehrwerte zu vermitteln und Peter Koglers Werk (...) in neuen Dimensionen zu erfahren.

Paula Watzl

 

Zum 60. Geburtstags des Künstlers macht die Schau somit nicht nur die Verbindungen innerhalb Koglers Werk nachvollziehbar – sei es etwa in der Darstellung seiner Collagen oder im collageartigen Gesamtaufbau der Ausstellung – sondern verortet ihn auch nah an seinen Inspirationsquellen der Kunstgeschichte. So entstand eine Schau, der es gelingt, historische wie aktuelle Mehrwerte zu vermitteln und Peter Koglers Werk, das man in Graz durchaus bereits gut kannte, in neuen Dimensionen zu erfahren.

Connected ist Titel wie Programm. Wer von Netzen spricht verwendet gerne auch das Synonym Gebilde. Gebilde mit Öffnungen und Maschen. Dass im Wort Gebilde aber nicht nur das Bild schon immanent ist, sondern auch die Bildung kommt bei Peter Koglers Netzwerken in den Sinn. Sie sind komplex und doch lesbar, weil sie in der universalen Sprache der Kunst diffuse Zusammenhänge zusammenfassen. Es ginge ihm vor allem darum „Kontext zu erzeugen“, betont der Künstler. Das kann man aber kaum beschreiben, das muss man erleben.

Universalmuseum Joanneum - Kunsthaus Graz

Lendkai 1, 8020 Graz
Österreich

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