ARTCURIAL MÜNCHEN

„Mobilität“ ist für Artcurial das zentrale Schlagwort. Die Wiener Niederlassung wurde kürzlich auf eine Ansprechadresse reduziert – Vorbesichtigungen, Expertentage und Events finden in Wien künftig als Pop-ups an unterschiedlichen Orten statt, während das Dreierteam Caroline Messensee, Miriam Krohne und Martin Guesnet von München und Wien aus in den gesamten deutschsprachigen Raum agiert. PARNASS bat den Europa-Direktor des französischen Auktionshauses Artcurial Martin Guesnet zum Gespräch.


 

Wenn man in Europa stark sein will, muss man in Deutschland stark sein

 

Martin Guesnet

PARNASS: Artcurial befindet sich 2020, nach dem Tod Ihres Vizepräsidenten, in einem kritischen Jahr und in einer Phase der Neuorganisation. Eine der neuen Strukturen betrifft auch Wien – hier wurde die Repräsentanz geschlossen. Eine Entscheidung, die der Corona-Krise vorausging – mit welcher Überlegung wurde sie getroffen? 

Martin Guesnet: 2020 haben wir uns so natürlich nicht vorgestellt, Covid-19 hätte gereicht. Der tragische Tod unseres Vizepräsidenten François Tajan hat uns alle aus der Bahn geworfen, Department Chef Matthieu Lamoure hat die Krisensituation so gut wie möglich in die Hand genommen und unser Schiff in stillere Wasser gesteuert. Die Personen hinter Artcurial sind unsere Stärke, so auch Caroline Messensee, die unsere Dependance in Wien leitet. Wir sind seit fünf Jahren in Österreich und seit vier Jahren in Deutschland vertreten, das waren wichtige Schritte, doch hat sich mit der Zeit gezeigt, dass die Galerie in der Wiener Innenstadt etwas „oversized“ war. Caroline Messensee ist eine mobile Person und wir brauchen diese Mobilität. Es stellte sich also die Frage – wie kann man effizienter agieren? So entschieden wir, die Administration auf München zu verlagern und die Adresse am Rudolfsplatz, 1010 Wien, zwar als Ansprechadresse beizubehalten, Events aber mit Pop-up Charakter an anderen Standorten abzuhalten, wie wir das vergleichbar in Kitzbühel zur Alpenrallye machen. Wir sind so gleichsam präsent und mobil – Experten kommen, wenn man sie braucht.

P: Hat die aktuelle Krise gezeigt, dass das Auktionsgeschäft auch auf Distanz und mit moderner Technik uneingeschränkt weiterläuft?

MG: Weiterläuft, ja, aber nicht uneingeschränkt. Die Katastrophe ist aber kleiner, als wir befürchtet haben. Die Problematik ist nicht das Verkaufen, es ist die Akquise. Unser Business Modell ist nun einmal die Mobilität, sowohl unsere als auch jene der Ware. Sie können ein Werk eines Alten Meister oder ein Altmeister-Werk nicht über WhatsApp beurteilen – Sie müssen es vor sich haben und das war in den letzten Monaten schwierig.

P: Sie haben Online-Auktionen in den letzten Wochen ausgetestet, sprechen gegenüber der FAZ aber davon, dass das Business Modell der Live-Auktionen beibehalten wird. Worin sehen Sie die Vorteile?

MG: Wir bauen online klar auf, hier ist unsere angelsächsische Konkurrenz etwa zwei Jahre voraus, da müssen wir aufholen. Doch in unserem Mix-Modell sind der Kern definitiv die Live-Auktionen. Wofür hätten wir sonst dieses schöne Haus am Rond-Point des Champs-Élysées-Marcel-Dassault, unser Flagship? Vor dem Computer geht vieles von dem verloren, was im Saal passiert. Wenn man für einen Kunden am Telefon mitbietet, kann man auf Aktivitäten und Stimmungen im Saal ebenso reagieren, wie auf ein Zögern beim Bietenden – am Computer ist einfach Schluss, wenn Schluss ist. Zehn bis zwanzig Prozent gehen da verloren.

Das ganze Interview lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe

Martin Guesnet © Artcurial

Artcurial München

Galeriestraße 2 b, 80336 München
Deutschland

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Am 21. November wird der ursprüngliche Umschlag des berühmten Comics Le Lotus Bleu von Hergé aus dem Jahr 1936 versteigert. Der Schätzwert liegt bei 2-3 Mio Euro.

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