Galerie Ulrike Hrobsky

Walter Weer. Aufgeworfene Fragen

Walter Weer. Aufgeworfene Fragen, Ausstellungsansicht Galerie Ulrike Hrobsky, 2019 (Foto: © Silvie Aigner)

Das Papier als Medium stand von Beginn an im Mittelpunkt von Walter Weers künstlerischem Werk. Zur Kunst kam der 1941 in Wien geborene Künstler erst nach einem abgeschlossenen Studium der Naturwissenschaften. Doch schon bald experimentierte er mit den vielfältigen Möglichkeiten des Materials und setze dieses auch in den Dialog mit der Malerei. In der Ausstellung zeigt Walter Weer auch eine Reihe von interessanten neuen Arbeiten.


Die Auseinandersetzung mit den vielfältigen Möglichkeiten und Medien im Dialog mit seinen eigenen Intentionen erfolgte zum Großteil autodidaktisch. Ausgebildet in der Klasse für Malerei an der Hochschule für angewandte Kunst, fand er damals keine Entsprechung in der wieder verstärkt in den Mittelpunkt tretenden neo-expressiven Malerei und ging konsequent einen anderen Weg. Dieser schloss die Malerei nie ganz aus, stellte sie jedoch in den Dienst seiner Objekte.


Plastische Papiere

Das Papier ist nicht nur Träger der Farbe sondern vor allem das plastische Gestaltungsmittel für den Künstler. Seine leichte Verformbarkeit nützte er ebenso wie die Möglichkeiten das Papier zu verfestigen oder es durch die Verbindung mit Wasser biegsamer und weicher zu machen. Die Oberfläche bleibt stets strukturiert. So bindet er auch den Prozesscharakter in sein Arbeiten mit ein. Vielfach verwendet Walter Weer vorhandene Materialien wie Karton, Schnüre, Seile und Papier. In den Kartonobjekten, werden herkömmliche Kartons mit Schnüren umwickelt, die anschließend in Leim getränkt werden. Durch den Trocknungsprozess verfestigt sich das Netzgerüst um den Karton, den er nun Stück für Stück zerschneidet und zum Teil auch als Fragment stehen lässt. Übrig bleibt ein Korsett aus Schnüren, das durch seinen Hohlraum auf den ehemaligen Raumkörper verweist, jedoch nun selbst zum Objekt wird. Die inhaltliche Verbindung zum Paket und zur Verpackung wird radikal eliminiert, zugunsten transparenter Konstruktionen.Walter Weer hat sich damit eine Ausgangsform geschaffen, die in vielfachen und differenzierten Variationen bis heute ihren Niederschlag findet, sowohl als Wandobjekte als auch als freistehende Körper im Raum. In einer Reihe von Objekten lässt der Künstler Teile des Kartons stehen oder durchbricht ihn an manchen Stellen. Die Risse bleiben sichtbar und verweisen so auf die Verletzbarkeit des Materials. Die Dualität zwischen einem Raumkörper und seiner Absenz bespricht in einer Reihe von Arbeiten in der Ausstellung.

Das Papier ist nicht nur Träger der Farbe sondern vor allem das plastische Gestaltungsmittel für den Künstler.#

Silvie Aigner
Walter Weer, Sokrates, 2017, 75 x 63 x 14 cm

Walter Weer, Sokrates, 2017, 75 x 63 x 14 cm

Diese Ausstellung zeigt auch Aktuelles, sprich ganz neue Werke. Das sind auf der einen Seite die Werke zu dem griechischen Mathematiker Euklid sowie andere Arbeiten, die Weers Beschäftigung mit der griechischen Philosophie und Mythologie einbezieht. Einerseits übernimmt Weer Formen, die wir schon aus früheren Arbeiten kennen, doch werden die Schnüre ersetzt durch offene und geschlossene Würfel, die er in diese äußeren Rahmenformen einsetzt. Erneut gehen Malerei und Skulptur eine Symbiose ein. Fragiliät und feste Form bilden ein interessantes Spannungsfeld, in dem sich Walter Weer auch mit seinen neuen Arbeiten bewegt.

Walter Weer spielt mit dem Verweischarakter seiner Objekte auf Bekanntes und Reales und entzieht sich jedoch zugleich jeglicher Interpretation des Abbildhaften

Silvie Aigner

Die Form als autonomes Vokabular, die sich gegen jede Vereinnahmung von außen im Sinne des Zweckhaften entzieht und auch dem konzeptuellen Diskurs? Vielleicht ist ja die Objekthaftigkeit seiner Kunst, die Lust am Formen, an der Sinnlichkeit des Materials ihr eigentlicher Grund? Dieses Spiel zwischen der Abwesenheit des plastischen Körpers und seiner raumgreifenden Wirkung ist stets ein Thema in Weers Arbeiten und Installationen.

Walter Weer, Ohne Titel, 2017, 93 x 53 x 17 cm

Walter Weer, ohne Titel, 2017, 93 x 53 x 17 cm

Das Material ist Thema. Nichts anders ist auch sichtbar: Material in Form gebracht unterworfen dem Gestaltungswillen des Künstlers. Die neuen Arbeiten des Künstlers sind von verblüffenden formalen Frische und zeigen, dass auch Künstler jenseits der 70 heute noch unmissverständlich die Gegenwartskunst prägen und aufmischen.

Galerie Ulrike Hrobsky

Grünangergasse 6, 1010 Wien
Österreich

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