Up&Coming: 22 Künstler von Morgen

Alle zwei Jahre suchen wir mittels Open Call junge Künstler*innen, die uns zwischen Ausbildung und ersten Ausstellungen auffallen. Gemeinsam mit unserem Netzwerk aus Kuratoren, Autoren und Kulturschaffenden wählten wir aus den zahlreichen Einreichungen sowie unzähligen persönlichen Empfehlungen jene Positionen aus, von denen wir überzeugt sind, dass sie an einem wichtigen Momentum ihrer Karriere stehen. Hier ein erster Einblick in unsere Auswahl. Die Reihung ist alphabetisch und hat keine Wertung. Mehr erfahren Sie in unserer Up&Coming Ausgabe!


 

A


Niko Abramidis &NE

Das Werk von Niko Abramidis &NE (*1987 München) wurde von der Münchner Galerie max goelitz bei der SPARK Art Fair in Wien vorgestellt. Der heute in München und Berlin lebenden Künstler war bereits Teil der Eröffnungsausstellung. 2020 präsentierte ihn der Galerist erstmals in einer Soloausstellung und kürzlich in einer vom Künstler gestaltete Ausstellung in der temporären Dependance der Galerie in der Münchner Brienner Straße. Niko Abramidis &NE studierte an der Akademie der Bildenden Künste München bei Julian Rosefeldt und Markus Oehlen und an der Universität der Künste Berlin bei Byung-Chul Han. Mittlerweile ist man auf Abramidis &NE international bereits aufmerksam geworden. Seine Arbeiten waren unter anderem im Kunstmuseum Bern und in der KAI 10 | Arthena Foundation in Düsseldorf ausgestellt. Niko Abramidis &NE verbindet Medien wie Objektkunst, Skulptur und Zeichnung thematisch mit ökonomischen Strukturen und Zukunftsvisionen und neuesten Technologien. In dem er mit Ausdrucksformen der Finanzökonomie arbeitet und diese mit seiner eigenen künstlerischen Formensprache und Symbolik in Dialog setzt, untersucht er zugleich ihre Mechanismen und Prozesse. In der Serie „Vision Equity Shares“, Zeichnungen, die gleichzeitig als NFTs im digitalen Raum fungieren, führt Abramidis &NE Investmentstrategie und künstlerische Produktion zusammen und entwickelt ein eigenes Wertschöpfungssystem, in dem aus Sammler Shareholder werden.

Niko Abramidis &NE, Cryptic Machine Prototype C2, 2021, Steel, pinpad, LED tubes, LCD screen and video loop, 110 x 88 x 11 cm, Courtesy of max goelitz, Copyright the artist, Photo: Dirk Tacke

B


Maximilian Bernhard

Maximilian Bernhard (*1990) schließt diesen Herbst sein Studium der Bildhauerei bei Harald Klingelhöller an der Karlsruher Akademie abschließen. Wie es dann weitergeht, weiß der gebürtige Kitzbüheler noch nicht. Seine Zukunft sieht er allerdings eher in Deutschland als in Österreich, dort habe er seine Netzwerke, sagt der Absolvent der Fachschule für Kunsthandwerk in Elbigenalp (Schnitzschule Elbigenalp). Hier hat Bernhard bald gemerkt, dass zwar das Handwerkliche ganz das seine war, das Schnitzen von Heiligenfiguren allerdings nicht. Ihn interessieren vor allem die Schnittstellen zwischen dem Grafischen und dem Skulpturalen. Seine Objekte sind zumeist in einem Gerüst aus Stahl integrierte Formen aus Keramik oder Gips. Sie entstehen in einem intuitiv prozessualen Tun und sind zugleich auch Bildträger für Spuren und Strukturen, die Bernhard mittels Holzdruck auf die Oberflächen überträgt. Diese bilden nichts Konkretes ab, in ihrer archaischen Zeichenhaftigkeit suggerieren sie allerdings vielfältige Assoziationen – egal, ob im ganz großen Format oder in handlichen „Pressstücken“.

MAXIMILIAN BERNHARD | Vimana.1, 2020, Keramik, Metall | Foto © Pietro Pellini, Courtesy by the artist


Emmanuel BORNSTEIN

Zuletzt überholte Bernard Arnault kurzzeitig sogar Jeff Bezos als reichsten Menschen der Welt. Als größter europäischer Kunstsammler erwarb er in Bornsteins aktueller Ausstellung der Galerie Crone Werke aus der Serie „Vaterfigur", um diese in einer kommenden Ausstellung in seiner Pariser Louis Vuitton Stiftung im Jardin d'Acclimatation zu integrieren.  Gerade war Emmanuel Bornstein (*1986) in seiner französischen Heimat, der Stadt Toulouse, und hat dort im Schloss Château de Laréole seine große Retrospektive „Shift“ (bis 26.09.2021) in 11 Sälen auf 2.000 Quadratmetern in einem der schönsten französischen Renaissance-Schlösser des 16. Jahrhunderts im Languedoc eröffnet. Ein großer Wurf, für den in Berlin lebenden Maler und das bereits im Alter von nur 35 Jahren. Möglich wird dies aber vor allem durch seine Vision, die er mit der Malerei verbindet und für die er seit Jahren regelmäßig bereits ab 7 Uhr morgens in seinem Neuköllner Atelier steht, um die vor seinem inneren Auge gestalteten Szenerien und Figuren Wirklichkeit werden zu lassen. Mit den Jahren wird seine Sprache in der Malerei klarer. Mit seinem Eintritt in die École nationale supérieure des Beaux-arts mit 20 Jahren (2006) begann seine akademische Ausbildung bei dem für seine Wachsbilder bekannten französischen Maler Philippe Cognée. Von ihm lernte der junge Bornstein das Spiel mit der Realität, vor allem aber die Auseinandersetzung, den menschlichen Zustand im Lichte der Beziehung eines Menschen darzustellen. Heute gilt er als einer der vielversprechendsten Vertreter der neuen Generation französischer Künstler und wird im kommenden Jahr in der Kunsthalle Rostock (ab Februar 2022) zu sehen sein.

Emmanuel Bornstein K. I, 2013 Öl auf Leinwand 200 x 150 cm Courtesy: Galerie Crone, Berlin Wien Foto: Marcus Schneider, Berlin


Madeleine BOSCHAN

Gerade verfolgt Madeleine Boschan (*1979 Braunschweig) wieder mal ein ehrgeiziges Projekt. Eine möglicherweise acht Meter hohe und vier Meter breite Stahlskulptur könnte es werden. Mit ihrem Auftraggeber, ein deutscher DAX-Konzern, werden gerade die Details abgestimmt. Man möchte die Unternehmenssammlung mit einer Großskulpturen im öffentlichen Raum verstärken.

Verwendete sie in ihrem Frühwerk noch vermehrt Materialien wie Neonröhren oder Alu-Jalousien, sind Ihre künstlerischen Arbeiten heute oft Portale, deren Formen zugleich stabil bis labil erscheinen. Ihre mitunter überlebensgroß bis monumental gefertigte Plastiken sind heute oft begehbare Skulpturen aus Metallblech, die dem Betrachter eine räumlich, künstlerische Form vermitteln und ihn an die Begrenztheit seiner eigenen Wahrnehmung erinnern. Ihre Werkgruppe der architektonisch, abstrakten Skulpturen und Zeichnungen hat die Wahl-Berlinerin zuletzt durch Materialien wie Champagnerkreide und Eitempera und mit zarter Farbigkeit aufgetragenen Pigmenten auf Schichtholz versehen.

Während die Minimal Art das zweidimensionale Bild in den Raum holte und Hybride aus Malerei und Skulptur schuf, wollte sie ihre abstrakten Setzungen ohne illusionistischen oder assoziativen Überbau verstanden wissen. Hier knüpft Boschan zwar an, aber überführt ihre Kunst in eine ganz eigene Kategorie. Nach ihrer Teilnahme an den viel beachteten Ausstellungen „31 Women“ in der Daimler Art Collection sowie zuletzt „Ganz anders gleich“ in der Galerie Crone wird der Sammler sie in der Ausstellung ihres Galeristen Bernd Kugler in Innsbruck im kommenden Jahr wiedersehen.

MADELEINE BOSCHAN, Ausstellungsansicht »Partance«, 2017 Galerie Bernd Kugler, Innsbruck Foto: Johannes Plattner


Peppi BOTTROP

Bottrops Malerei ist ein teleologischer Prozess. Diesem liegt oft eine eigene Erzählung zugrunde. Die Arbeiten des im Ruhrgebiet geborenen Bottrop (*1986) aus der gleichnamigen Stadt sind dabei voll von intrinsischer Musikalität, häufig in Kohle gemalt. In jeder Zeile steckt eine Handlung. Der performativ wirkendende Malprozess verleiht dabei dem Werk ein diagrammartiges Element, das wie eine Symphonie daherkommt. Dem Betrachter ermöglicht der Künstler so, zwischen den Kompositionslinien und der gesamten Komposition zu wechseln. Das Ambivalente in seinen Arbeiten übernimmt die Kontrolle, ebenso wie der Künstler im stetigen Abwägungsprozess ist, seine Werke direkt an die Wand zu heften oder einzurahmen, um die Ganzheit zu kontrastieren. 

Als Meisterschüler schloss Bottrop 2014 sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Albert Oehlen, Andreas Schulze und Jutta Koether ab. Sein Werk war bereits in zahlreichen bedeutenden Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Zuletzt präsentierte die Madrider Galerie Heinrich Ehrhardt den Künstler auf der ARCO sowie die Düsseldorfer Galerie Sies + Höke in „How long is forgotten". Erfolgreich waren zudem auch seine Ausstellungsbeteiligungen in „Jetzt! Junge Malerei in Deutschland", Kustmuseum Bonn, Museum Wiesbaden und Kunstsammlungen Chemnitz (2019); „Line Packers“ (mit Albert Oehlen), Marciano Art Foundation, Los Angeles (2018); „Fasi Lunari", Fondazione Carriero, Mailand (2016); und „You Are Missing A Lot Of Beautiful Shit" (mit Violet Dennison) und im Museum Quadrat, Bottrop (2014).

PEPPI BOTTROP | Sorh [Soil of reddish hue] 21, 2020 | Kohle, Graphit, Metallpigmente, Rostumwandler und Acryl auf Leinwand, Stahlrahmen 180 x 140 cm / 70 3/4 x 55 in Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf Photographer: Simon Vogel


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