They came, saw and sang: Gilbert & George

Gilbert & George, BEARDWISE, 2016, Mixed media, 254 x 377 cm

Die Galerie Thaddaeus Ropac zeigt eine von den Künstlern Gilbert & George getroffene Auswahl der in den vergangenen zwei Jahren geschaffenen Werke. Eine "Welt der Paranoia" inmitten des Ausstellungsparcours rund um die Salzburger Festspiele. 


"Wir sind lebende Skulpturen", spulen Gilbert & George ihr eingespieltes Wording ab. Aktuell präsentieren sie die Serie "THE BEARD PICTURES" in der Salzburger Halle der Galerie Thaddaeus Ropac und zu diesem Anlass wurde am letzten Juli Wochenende zum Künstlergespräch und anschließendem Book Signing gebeten.

Schon skurril wie die zwei Herren in ihren Tweed Anzügen ruhig und gerade nebeneinandersitzen. Sie wirken als würden sie auf die erste Frage von Hildegund Amanshauser und Séamus Kealy warten. Doch eigentlich warteten sie geduldig die erste Gelegenheit der Antwort ab. Damit startet die "Gilbert & George Show". Gedichte und Gesang inklusive.

Sie polarisieren. Sind die Bad Boys der Kunstwelt, weil sie sich politisch konservativ einordnen und den Brexit befürworten. Sind aber auch die netten älteren Herren von nebenan denen man nicht böse sein kann.

Gilbert (*1943 St. Martin in Thurn, Dolomiten, Italien) und George (*1942 Devon, England) lernten sich 1967 in der Bildhauereiklasse der St. Martin’s School of Art in London kennen. Sie erzählen in Salzburg davon, dass sie Außenseiter waren, sich dann aber gefunden haben und damit auch zum Künstlerdasein. Denn es war erst schwer für sie sich ohne eigenes Studio als Künstler zu sehen und kommunizieren. Doch gegenseitig bestärkten sie sich – man kann auch auf der Straße gehen und Künstler sein. Alles kann Kunst sein. Die lebende Skulptur war geboren – zwei Personen, aber zusammen sind sie ein Künstler.

We are confronted by everything that is in front of us. Not by art, we are not interested in art. We are only interested in life that is in front of us.

Gilbert & George

Ein Künstler der das Leben abbilden und das Publikum nicht durch elitäre Hochkultur abschrecken, sondern ihm vielmehr auf einer Ebene begegnen will. Kunst ist, so die beiden, eine Chance dem Morgen zu begegnen, es mitzuformulieren, es vielleicht gar zu ändern. Wobei sie auch betonen wie gut das heute zu ihnen ist, zu uns allen, eigentlich – "utopia is here now", verkünden sie. Auf Warholeske Art ist das irgendwie betörend, auf gesellschaftspolitisch-kritische Personen wirkt es aber auch großzügig naiv – eine Provokation? Gewiss ein Spiel auch mit Erwartungshaltungen die wir an die "linke Kunstwelt" stellen und die die beiden humorvoll negieren. Bis zu einem Punkt wo man nicht weiß wo das Spiel zum Ernst wird.

Gilbert & George, BEARDBABY BEARDBABY, 2016, Mixed media, 151 x 127 cm

Gilbert & George, BEARDBABY BEARDBABY, 2016, Mixed media, 151 x 127 cm

Auf den großen Wandarbeiten zeigen sich Gilbert & George diesmal mit Bärten in allen Variationen. Die Serie tourt bereits seit 2017, wo man in Paris startete, dann ging es weiter nach London, New York, Brüssel und Neapel, Salzburg ist nun der letzte Ausstellungsort. Auch hier, in diesen neuen Gitterarbeiten im bekannten Kaleidoskop Stil ist ein demokratischer Geist inne – früher hat man als Bartträger keinen Job bekommen, heute kann man ohne Vollbart in keiner Cocktailbar arbeiten, scherzen die beiden.

When we create the pictures, we create them with our heads, our souls, and our sex. There always has to be the three life forces that go into each picture.

Gilbert & George

Zweites wichtiges Element der Serie – Stacheldrahtzäune. Zäune durch die die Bärte hindurchwachsen, Zäune mit Schwachstellen und Rissen die das zuerst gesetzte Motiv der Grenze wieder aufheben. Als sie jung waren hatten Zäune dieser Art landwirtschaftlichen Bezug, nun bedeutet so ein Zaun ja längst anderes, erklären sie. Früher oder später muss jeder von uns in der einen oder anderen Situation durch das Loch im Zaun huschen, so die zwei in jeder Geste abgestimmten Künstler.

Gilbert & George, BEARD CROSS, 2016, Mixed media, 226 x 317 cm

Gilbert & George, BEARD CROSS, 2016, Mixed media, 226 x 317 cm

"THE BEARD PICTURES" sind gewaltsam, unheimlich, grotesk, schaurig und wirr.

Michael Bracewell

Der britische Schriftsteller und Kulturkritiker Michael Bracewell, der mit Gilbert & George zusammengearbeitet hat, sagt über die Ausstellung:" 'THE BEARD PICTURES' sind gewaltsam, unheimlich, grotesk, schaurig und wirr. Sie zeigen eine Welt der Paranoia, der Zerstörung und des Wahns wie aus einem Traum. Ihre befremdlich verstörenden Farben und unheimlichen, verwahrlosten, absurden Landschaften konfrontieren den Betrachter mit schonungsloser Aggression. Es wird eine um den Verstand gebrachte Welt dargestellt, in der kein Spielraum für Verhandlung mehr existiert."

Das Leben zwischen Insider und Outsider ist für Gilbert & George eine große Imagekampagne. Aber auch Überzeugung. Viele Sager ihres Auftritts wiederholen Zitate längst geschriebener Artikel (zum Beispiel "We have no friends" oder "We eat in the same restaurant everyday") und viele ikonografische Ideen kennt man längst. Kult sind Gilbert & George trotzdem. Weil sie schrullig daran festhalten was sie in den 1970ern erfunden haben. Und weil das damals einfach großartig war.

Galerie Thaddaeus Ropac - Halle

Vilniusstraße 13, 5020 Salzburg
Österreich

Gilbert & George

THE BEARD  PICTURES

Bis 5. Oktober 2018

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