Die EXILE Galerie verlegt ihren Standort von Berlin in Österreichs Hauptstadt

Neuzugang unter den Wiener Galerien

Christian Siekmeier | Foto: Keith McEvoy

Mit der Ausstellung "A Return to Sweetness" eröffnet die EXILE Galerie nach 10 Jahren in Berlin diese Woche ihre neuen Räume in Wien. PARNASS bat Galeriedirektor Christian Siekmeier zum Gespräch.


PARNASS: Diese Woche eröffnen Sie am neuen Standort in einem der zentralen Wiener Galerienviertel und schließen damit ihre Galerie in Berlin. Wie kam es zu dieser Entscheidung? Warum gerade Wien?

Christian Siekmeier: Per Definition, hat sich EXILE schon immer durch eine notwendige Mobilität ausgezeichnet. Seit Gründung 2008 in Berlin, ist EXILE innerhalb Berlins viermal umgezogen und hat auch Projekte unter anderem in New York oder vor kurzem in Palermo für die Manifesta verwirklicht.
Bei jedem Umzug handelte es sich dann um das Ergebnis einer kritischen Hinterfragung der eigenen Situation. Dabei ist es das gemeinsame Ziel aller Beteiligten, niemals die Wachsamkeit zur Veränderung zu verlieren. Der jeweils neugewählte Ort wird zum expliziten Bestandteil der Galerie und verlangt sich in und mit diesem zurechtzufinden, egal ob dieser eine Garage, eine leerstehendes Büro oder eine Wohnung ist.
Dieser Grundgedanke wird auch in Wien fortgeführt. Durch Zufall fand ich diesen ungewöhnlichen neuen Raum in Wien. Dieser stand viele Jahre leer, hat eine interessante Geschichte und fordert von allen Teilnehmern eine spezifische kreative Auseinandersetzung. Dieser neue Ort in Wien ist aber auch eine Rückkehr zu den Anfängen von EXILE und eine bewusste Abkehr vom traditionellen 'White Cube' Modell.

P: Was erwarten Sie sich von der Stadt und wie beurteilen Sie den Kunststandort Wien?

CS: Ich glaube, dass kleinere Kunstszenen oft eine nachhaltigere Form von Gemeinschaft und Zusammenhalt hervorbringen können. Der Kreis der an der Kunstwelt beteiligten ist kleiner als zum Beispiel in Berlin, dies ergibt aber auch die Möglichkeit sich intensiver miteinander, mit der Kunst als auch mit dem Standort auseinanderzusetzen. Eine Erwartungshaltung habe ich nicht, sondern freue mich auf die kommenden Begegnungen in Wien.

Wien hat sich in den vergangenen Jahren zu einem interessanten, auch global relevanten Kunststandort entwickelt.

Christian Siekmeier
Pakui Hardware, A Return to Sweetness, 2018, Installation view, EXILE, Vienna

Pakui Hardware, A Return to Sweetness, 2018, Ausstellungsansicht, EXILE, Wien

P: Zeitgenössische Kunst in Wien. Welche Schlagworte fallen Ihnen dazu ein?

CS: Für mich hat sich Wien in den vergangenen Jahren zu einem interessanten, auch global relevanten Kunststandort entwickelt. Gleichzeitig stellt uns die politische Situation, nicht nur in Österreich, verschärft vor neue Herausforderungen. Gemeinsam mit Maria Ines Plaza Lazo und den Künstlern und Künstlerinnen möchten wir versuchen, hierzu einen Beitrag zu leisten.

P: Für die Eröffnungsausstellung entschieden Sie sich für das Künstlerduo Pakui Hardware aus Litauen. Inwiefern ist diese Ausstellung repräsentativ für Ihr Programm?

CS: EXILE definiert sich nicht durch ein eingeschriebenes ästhetisches oder konzeptuelles Programm beziehungsweise einen Leitfaden. Vielmehr zeigt EXILE verschiedenste Positionen, oftmals auch verschiedene Generationen und versucht Dialoge herzustellen. Die Ausstellung von Pakui Hardware ist insoweit programmatisch, als dass die Künstler in ihren Arbeiten kapital-konsumistische Produktionszwänge hinterfragen.

P: Was zeichnet das Künstlerduo aus? Und wie wird die Ausstellung ausfallen?

CS: Die Ausstellung von Pakui Hardware ist betitelt "A Return two Sweetness". Der Titel an sich ist auch eine Ankündigung beziehungsweise ein Verständnis einer Notwendigkeit von Zusammenhalt, Dialog und reflexivem, kritischem Diskurs. Die Ausstellung bezieht sich auch explizit auf den neuen Raum, auf dessen sehr spezielle Erscheinung und Vorgeschichte. Die Kunstwerke interagieren mit diesem, fügen sich organisch ineinander und lassen diesen erneut atmen.

EXILE zeigt verschiedenste Positionen

Christian Siekmeier

 

Pakui Hardware, Untitled, 2018, Installation view, Baltic Triennial 13: Give Up the Ghost, Contemporary Art Center, Vilnius

Pakui Hardware, Untitled, 2018, Installation view, Baltic Triennial 13: Give Up the Ghost, Contemporary Art Center, Vilnius

P: Welches Resümee ziehen Sie nach 10 Jahren Galeriebetrieb in Berlin? Ist der große Hype vorbei?

CS: Es geht uns nie um Hype, sondern um Inhalt. Vielleicht ist ja dies die Herausforderung in einer vom Mainstream und Großkapital absorbierten Kunstpraxis und Kunsthandel? Ich sehe in Städten wie Berlin, wie auch bereits anderweitig mehrfach erwähnt, verschiedene kontraproduktive Aspekte. Es ist kein Geheimnis, dass diesen Sommer fünf Galerien geschlossen haben oder aus Berlin weggegangen sind. Daher denke ich, dass es für Berlin wichtig ist, sich den Problemen aller Akteure zuzuwenden und auf diese im Rahmen einer lokalen Gemeinschaft zu reagieren. Etablierte, festgefahrene Strukturen, Ausschlussmechanismen und Statusdenken helfen nicht, eine immer fragilere Kunstwelt weiterhin nachhaltig zu fördern. Nur durch dynamische lokale und internationale Netzwerke können wir Zusammenhalt, Dialog und Common Ground gemeinsam weiterentwickeln.

EXILE

Elisabethstr 24, 1010 Wien
Österreich

A Return to Sweetness
Pakui Hardware

13. September bis 3. November 2018
Vernissage: 14. September, 19 Uhr

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