Museum Gugging

NAIV? Naive Kunst aus der Sammlung Infeld

Ein winterlicher Wald vor grauem Himmel, ein Mann, der seine Hände über einer offenen Feuerstelle wärmt und ein paar friedlich schnüffelnde Schweine auf der schneebedeckten Wiese rundum sind auf einem der bemerkenswerten Bilder zu sehen, die das einstmalige Wunderkind Ivan Generalić in den 1930er-Jahren gemalt hat. Ihm ist mit seinen Arbeiten ein ganz wesentlicher Anstoß zur allgemeinen Akzeptanz der sogenannten Naiven Kunst gelungen. Die Wiener Unternehmerfamilie Infeld hat schon vor vielen Jahrzehnten begonnen dieses Kunstgenre zu sammeln. 130 ausgewählte Arbeiten sind jetzt im „museum gugging“ zu sehen.


Mit dieser Zusammenstellung der Werke ist uns eine spannende Entdeckungsreise gelungen. Erforscht wird das Wesen der Welt, ihre Ursprünglichkeit und unberührte Schönheit

Yordanka Weiss

„Eine ganz wesentliche Aufgabe für uns als Museum ist es, Fragen zu stellen“ sagt Johann Feilacher, künstlerischer Leiter des museums gugging, der gemeinsam mit der Kuratorin der Sammlung Infeld, Yordanka Weiss, diese Schau zusammengestellt hat. „Wir können mit den herausragenden Leihgaben den Begriff der naiven Malerei nachhaltig in Frage stellen und die große Bandbreite dieser hoch interessanten Kunst darstellen.“ Die Sammlung Infeld beinhaltet ein der größten Kollektion Naiver Kunst in Österreich und umfasst auch die Randbezirke dieses Genres in Richtung Art Brut, Kunst von Autodidakt*innen und Outsider Art.

Naive Kunst, Art Brut, oder Outsider Art sind die gängigsten Begriffe, die für autodidaktisches Malen von Laien, von Menschen mit psychischen Erkrankungen oder einer geistigen Beeinträchtigung, von gesellschaftlichen Außenseitern oder Unangepassten verwendet wird. Doch naiv sind deren Kunstwerke nicht notwendigerweise. Sehr oft geht es um konkrete Inhalte, um sozialkritische Botschaften, um Träume, Wünsche oder Ängste. Bildtitel wie „Blühende Stiefel“, „Der Traum der Truthähne“, „Vogelmusikanten“ oder „Fünf Grazien am Bach“ belegen die Vielfalt. Die Stilrichtungen sind ebenso divers, und die Techniken reichen von Hinterglasmalerei bis zu Holzbildhauerei.

In der Ausstellung sind einige der Hauptvertreter der Naiven Kunst aus Ex-Jugoslawien, aus Georgien, Polen, Deutschland, Frankreich und natürlich aus Maria Gugging zu sehen. Der bereits erwähnte Ivan Generalić stammt aus dem heutigen Kroatien und lässt sich zur Schule von Hlebine zählen. Bäuerliche Motive in poetischer Manier und handwerklich perfekter Umsetzung charakterisieren seine Kunst. In seiner Hinterglasmalerei verwendet er etwa schon in den 1960er-Jahren die Farben Rot, Geld oder Blau für Kühe am Hof.

Ausstellungsansicht, "naiv.? naive kunst aus der sammlung infeld", © Ivan Generalić, Foto: Ludwig Schedl

Nada Švegović-Budaj ist eine der drei weiblichen Positionen, die in der Ausstellung zu sehen ist. Sie gibt in ihren Arbeiten detailverliebt fröhliches, festliches Geschehen wieder und erinnert im Bildaufbau ein wenig an niederländische Malerei. Mijo Kovačić hingegen, der heute 8- jährige kroatische Künstler, der mit der Sammlerfamilie Infeld befreundet ist, stellt katholische Themen ins Zentrum seiner Malerei und überträgt in eindringlicher Weise, nämlich in Form seines eigenen Gesichts im Bild, das Schicksal von Jesus, der sein Kreuz trägt, in das Leben jedes einzelnen, der ebenfalls sein Kreuz zu tragen hat.

Im „Traum der Truthähne“ gelingt Franjo Klapotan ein Werk, das dem Phantastischen Realismus zugeordnet werden kann. Ein zweiköpfiger Truthahn, eine Truthenne mit nackten Beinen und eine Blumenschale, in der ein ganzes Dorf samt Kirche zu sehen sind, bevölkern sein Bild. Slavko Stolnik, von dem das Einladungssujet stammt, macht in den „Fünf Grazien am Bach“ den Einfluss einer Paris Reise in den späten 1960er-Jahren sichtbar.

Ausstellungsansicht, "naiv.? naive kunst aus der sammlung infeld", © Mijo Kovačić, Slavko Stolnik, Ivan Večenaj-Tišlarov, Foto: Ludwig Schedl

All denen gegenüber gestellt sind einige Bilder von Fritz Opitz, dem 1987 verstorbenen Gugginger Künstler. Auch er lässt sich der Naiven Kunst zuordnen. Mit Witz und Originalität sind seine Werke ein Verweis auf die österreichische Volkskunst. Seine reich ausgestalteten und verzierten Bilder beinhalten persönliche Lebensregeln und Haushaltsprüche.

„Mit dieser Zusammenstellung der Werke ist uns eine spannende Entdeckungsreise gelungen. Erforscht wird das Wesen der Welt, ihre Ursprünglichkeit und unberührte Schönheit“, freut sich Yordanka Weiss, die als Kuratorin die mehrere tausend Werke umfassende Kunstsammlung der Saitenproduzentenfamilie Infeld betreut.

Museum Gugging

Am Campus 2 ,3400Gugging
Österreich

naiv? naive kunst aus der sammlung infeld

bis 5. September 2021

Das könnte Sie auch interessieren