Max Hollein wird Direktor des Metropolitan Museum New York

Max Hollein

Max Hollein wird neuer Direktor des Metropolitan Museum. Der Österreicher wechselt im Sommer von San Francisco zum größten Kunstmuseum der USA nach New York. 2017 beschrieb Max Hollein exklusiv für die zweite PARNASS Ausgabe in der Rubrik "Director's Cut" sein Lieblingswerk aus der Sammlung des Fine Arts Museums of San Francisco in dem er nun nur noch wenige Monate tätig sein wird. Lesen Sie hier nun nochmals den Text der Max Holleins Leidenschaft für seinen Beruf, sein tiefes Fachwissen sowie seinen Mut zur kritischen Reflexion wiederspiegelt.


Frederic Edwin Church, RAINY SEASON IN THE TROPICS, 1866  Courtesy The Fine Arts Museums of San Francisco

Dieses epische Landschaftsgemälde ist kein reales Naturschauspiel, sondern ein Konstrukt, ein Amalgam aus unterschiedlichen Eindrücken und Inhalten. Die ausufernden Dimensionen des dramatischen Bildes untermauern seine Funktion als spektakuläres Panorama und präsentieren eine Landschaftscollage, die Elemente der Anden in Ecuador genauso beinhaltet wie den jamaikanischen Regenwald. Die wilde Natur in all ihrer Ungezähmtheit wird erhöht, ja sogar domestiziert durch einen der spektakulärsten Regenbogen der Kunstgeschichte als Sinnbild einer höheren Ordnung. Das Bild ist eine Synthese, und gerade die Harmonie, die es suggeriert, sorgt für Aufregung – auch schon beim zeitgenössischen Betrachter: Die einen feierten die Virtuosität des Künstlers, die anderen stießen sich an der Berechenbarkeit der Mittel.

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Reaktion bei der Präsentation des Bildes in New York


Frederic Edwin Church folgte nicht nur mit seinen Bildthemen, sondern auch mit seinen eigenen Exkursionen den Wegen Alexander von Humboldts. Penibel auf dessen Spuren wanderte der berühmte amerikanische Künstler und Amateurnaturforscher durch Südamerika – so wie es auch Charles Darwin gemacht hatte, dessen Schriften Church bewegten, aber nicht rundum überzeugen konnten. „Rainy Season in the Tropics“ ist nicht nur eines der wichtigsten Gemälde der amerikanischen Kunst des 19. Jahrhunderts und ein Starstück der Sammlung der Fine Arts Museums of San Francisco, sondern auch ein theatralisches Symbolbild für den amerikanischen Optimismus – und den Glauben an eine höher geordnete und ordnende göttliche Macht. Church versucht seine religiöse Überzeugung mit den wissenschaftlichen Entdeckungen der Zeit in Einklang und logische Übereinstimmung zu bringen.

Landschaftsmalerei als allerhöchste Gattung

In der nordamerikanischen Kunst des ­­19. Jahrhunderts, der die Ikonografie und die tradierten Sujets der religiösen Malerei fehlten, war es die Landschaftsmalerei, die als allerhöchste Gattung die tragenden Themen der Zeit reflektierte und an großen Naturpanoramen ablesbar machte. Ein großes Manko, gerade auch in aktuellen Zeiten, wo es um ein neues Verständnis der amerikanischen Denkweisen und Haltungen geht, ist, dass in europäischen Museen nahezu keine amerikanische Kunst des 19. Jahrhunderts zu sehen ist. Der aktionsreiche abstrakte Expressionismus eines Jackson Pollock oder die melancholische Form des Mark Rothko sind dem europäischen Museumsbesucher wohl vertraut und die Pop Art natürlich allgegenwärtig, aber um Nordamerika wirklich zu verstehen, um die kulturellen Codes, Sehnsüchte und Manifeste des Landes, seiner Geschichte und seiner Einwohner wirklich durchdringen zu können, muss man anderes gesehen haben. Während das amerikanische Museumspublikum in den großen US-amerikanischen Museen die gesamte europäische Kunstgeschichte präsentiert bekommt, ist das umgekehrt nicht so. Das ist ein Defizit – und umso mehr gilt es sich auch der amerikanischen Kunstgeschichte der früheren Zeit zu widmen, um Amerika gestern und heute verstehen zu können. Dieses Bild in der Sammlung der Fine Arts Museums of San Francisco ist ein Paradebeispiel dafür.

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