Kunsthaus Lempertz Köln | zahlreiche bemerkenswerte Spitzenstücke

Am 28./29./30. Mai veranstaltet Lempertz in Köln seine Auktionen Schmuck, Kunstgewerbe und Alte Kunst mit zahlreichen bemerkenswerten Spitzenstücken. Am 29. Mai wird zudem der zweite Teil der bedeutenden Mörser aus der Sammlung Schwarzach versteigert. Am 19. und 20. Juni werden die Photographie u. a. mit einer außerordentlichen Sammlung „Rom in frühen Photographien. Werke aus einer hochbedeutenden europäischen Privatsammlung“ und mit weiteren sehr bedeutenden Spitzenstücken die Zeitgenössische und Moderne Kunst folgen. Den Abschluss der Saison bildet die Asiatische Kunst am 27. Juni.


 

Mit schnellen, sicheren Pinselstrichen sind die Elemente der felsigen Landschaft angelegt: Die Stadt zur rechten mit der Steinbrücke und dem Fluss; der kleine Laubbaum zur linken, unter dem ein Paar rastet; in der Ferne die Silhouette einer Mühle; dazu der dunkle wolkenverhangene Himmel. Hinter einem hohen Felsen bricht sich das Licht der Sonne zwischen den dunklen Wolken Bahn und tauchen die Gebäude des Dorfes in grelles Licht. Tom van der Molen vergleicht das vorliegende Gemälde mit zwei Landschaften Govaert Flincks, dem Schüler Rembrandts: Eine Landschaft im Musée du Louvre, die 1637 datiert ist, sowie einer weiteren Landschaft, die sich bis zu ihrem Raub im Isabella Stewart Gardner Museum in Boston befand. Nicht nur diese beiden Gemälde zeugen davon, dass Goevart Flinck als Landschaftsmaler tätig war; Inventare der Zeit führen Landschaften von ihm auf. Van der Molen weist darauf hin, dass dabei Govaert Flinck, womöglich seinen alten Lehrer beeinflusst hat, sind doch Rembrandts Landschaften später datiert.

Lot 2042, Nr. 397 755, Govaert Flinck, Landschaft mit Steinbrücke ,Öl auf Holz, 26,4 x 46,5 cm, Courtesy Kunsthaus Lempertz Köln

Schätzpreis / Estimate: € 120.000 – 130.000,-

Zu diesem Gemälde schreibt Tom van der Molen: „Die vorliegende 'Landschaft mit Steinbrücke' kann aus stilistischen Gründen ebenfalls dem Meister zugeschrieben werden. Wegen seines dramatischen Lichteffekts steht es dem Bostoner Werk näher als jenem im Louvre, scheint aber dennoch wegen der Anordnung der Figuren, welche die Landschaft bevölkern, mehr mit diesem späteren Werk übereinzustimmen. Daher muss dieses Gemälde ebenfalls um 1639 datiert werden.“

Die vorliegende 'Landschaft mit Steinbrücke' kann aus stilistischen Gründen ebenfalls dem Meister zugeschrieben werden. Wegen seines dramatischen Lichteffekts steht es dem Bostoner Werk näher als jenem im Louvre, scheint aber dennoch wegen der Anordnung der Figuren, welche die Landschaft bevölkern, mehr mit diesem späteren Werk übereinzustimmen

Tom van der Molen

Das Ende der Rosenzeit ist der Beginn seiner Studien für eines seiner wichtigsten Werke: "Les Demoiselles d'Avignon" (1907), das einen Wendepunkt in seinem Oeuvre darstellt. Unsere große Zeichnung kann als einer der ersten Schritte auf dem Weg zu diesem Meisterwerk interpretiert werden. Sie diente unmittelbar als Vorarbeit für das gleichnamige Gemälde. Es ist bezeichnend, dass die Begegnung zwischen zwei Frauen, die während der Blauen Periode noch eine starke soziale und moralische Botschaft besaß, in Gósol in die reine Addition zweier Frauen verwandelt wird. Schließlich stellt dies eine der frühesten großen vorkubistischen Formvarianten dar. In diesem Zusammenhang verliert die Gegenüberstellung der Frauen zunehmend ihren narrativen Inhalt - sie wird zu einer Art Spiegelung, die den Multiperspektivismus der Körper auf einem Blatt erfassen muss. Selten kommt eine so wichtige Zeichnung des jungen Pablo Picasso auf den Markt.

Nr. 398 857 Pablo Picasso. Deux femmes nues se tenant. 1906. Graphitzeichnung, teils gewischt, auf Papier, 63,5 x 46,3 cm. WVZ: Cervos 875. Prov.: Galerie Louise Leiris, Paris Courtesy Kunsthaus Lempertz

Schätzpreis / Estimate: € 400.000 – 500.000,-

Die überwältigende Mehrzahl der Werke Maria Lassnigs sind Selbstporträts. Sie wählt die Erforschung des eigenen Körpers und seiner stetig wechselnden Empfindungen als das maßgebliche künstlerische Thema, da es ihr im wahrsten Sinne am nächsten ist - mehr als jedes andere Sujet der Außenwelt je sein könnte. Ihr Beweggrund ist kein Narzissmus, sondern im Gegenteil eine schonungslose Selbsterforschung. Ohne Scheu vor intimen Entblößungen und ohne Rücksicht auf Ästhetik widmet sie sich einer intensiven Verinnerlichung, um das Körperbewusstsein, das ihr als außergewöhnlich sensibler Mensch besonders präsent ist, ungefiltert abbilden zu können. Realismus und Abstraktion gehen dabei fließend ineinander über, ihr Körper wird verkürzt, verzerrt, fragmentiert oder verschmilzt mit anderen Personen, Tieren oder Gegenständen.

Die Bildfindung geschieht nicht absichtsvoll, sondern ergibt sich als Ausdruck ihres jeweils aktuellen Empfindens. „Ich trete gleichsam nackt vor die Leinwand, ohne Absicht, ohne Planung, ohne Modell, ohne Fotografie, und lasse es entstehen. Doch habe ich einen Ausgangspunkt, der aus der Erkenntnis entstand, dass das einzig mir wirklich Reale meine Gefühle sind, die sich innerhalb des Körpergehäuses abspielen: physiologischer Natur, Druckgefühl beim Sitzen und Liegen, Spannungs- und räumliche Ausdehnungsgefühle - ziemlich schwierig darstellbare Dinge“, so beschreibt die Künstlerin selbst ihren Schaffensprozess (Maria Lassnig, zit. nach: Ausst.Kat. Maria Lassnig, Museum moderner Kunst/Museum des 20. Jahrhunderts Wien u.a., Wien 1985, S.79).

Der Tod ist eine Sphinx.

Das daraus entstehende Motiv ist daher auch für den Betrachter nie restlos zu entschlüsseln, denn einzig die Künstlerin selbst weiß um die persönlichen Umstände, die es hervorbrachten. „Der Tod ist eine Sphinx“ zeigt Lassnig als Mischwesen zwischen Mensch und Tier in der klassischen Liegeposition einer Sphinx, den Kopf auf einen Totenschädel reduziert, zwischen den Löwentatzen eine Fackel als Symbol von Leben und Tod.

Nr. 398 761 Maria Lassnig. Der Tod ist eine Sphinx. 1985. Öl auf Leinwand, 100 x 115 cm Courtesy Kunsthaus Lempertz Köln

Schätzpreis / Estimate: € 180.000 – 200.000,-

Joannis Avramidis widmet sein gesamtes künstlerisches Schaffen der idealen, allseits gültigen menschlichen Figur mit vollkommenen Proportionen. Im Einklang mit seiner griechischen Herkunft geht er von den Vorbildern der griechischen Antike aus: der Konstruktion der menschlichen Gestalt aus streng symmetrischen, archaischen Grundlagen, die in den perfekt durchproportionierten Körper klassischer Statuen mündeten.

Avramidis gelangt durch intensive Anschauung und Zeichnungen nach der Natur, aber auch in den Antikensammlungen von Museen gegen Ende der 1950er Jahre zu seinem eigenen mathematischen Konstruktionsschema der menschlichen Figur - gleichsam das Zeichen eines Menschen, nicht in individueller Gestalt oder in Bewegung, sondern in vollkommener Statik und hermetischer, allseitiger Geschlossenheit.

Meine Idealvorstellung ist, dass ich meine Arbeit auch in einer anderen Zeit hätte machen können, etwa in der Frührenaissance oder in der antiken Archaik.

Joannis Avramidis

Dabei sieht sich der Künstler selbst in der jahrtausendalten Tradition klassischer Bildhauerkunst: „Ich habe das Wunschbild, dass meine Arbeit so wenig wie möglich zeitabhängig ist. Meine Idealvorstellung ist, dass ich meine Arbeit auch in einer anderen Zeit hätte machen können, etwa in der Frührenaissance oder in der antiken Archaik.“ (Joannis Avramidis, zit. nach: Ausst.Kat. Joannis Avramidis, Leopold Museum Wien, Köln 2017, S.215). Neben den Einzelfiguren gestaltet Avramidis nach seinem Konstruktionsschema auch Figurengruppen. Sie verweisen, gemäß seines aus der Antike entlehnten Idealbildes, auf das griechische Prinzip der „Polis“, also des Stadtstaates als selbstständige Einheit und Gemeinschaft freier Individuen. Dementsprechend konstruiert er Figuren, die als Individuen, aber in einer dicht gedrängten Gruppe auf einer gemeinsamen Basis stehen. Die räumliche Dichte suggeriert gemeinschaftlichen Austausch, die gleiche Kopfhöhe drückt die Gleichberechtigung aller aus. Die Figurengruppen versinnbildlichen somit ein humanistisches Konzept, das nichts von seiner Aktualität einbüßt.

Lot 12 Nr. 398 248 Joannis Avramidis Vierfigurengruppe. 1959/1960 Bronze mit grau-grüner Patina, H 85,5 cm. Guss einer Auflage von insgesamt 5 Bronzen Courtesy Kunsthaus Lempertz Köln

Schätzpreis / Estimate: € 60.000 – 80.000,-


Mehr Infos zu den kommenden Auktionen und Schätzpreisen finden Sie auf der Website des Kunsthauses Lempertz.

Lempertz

Neumarkt 3, 50667 Köln
Deutschland

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