Kunsthandel Kolhammer

Zu den Spezialgebieten von Kunsthandel Kolhammer zählen Wiener Jugendstil, Art Déco, Malerei und Skulptur des frühen 20. Jahrhunderts.


Begonnen haben die Söhne eines Kunsthändlerehepaares 2008 in der Restaurationswerkstätte ihres Vaters Alfred Kolhammer. 2010 eröffnen Florian und Nikolaus Kolhammer ihr Geschäftslokal in der Plankengasse im 1. Bezirk in Wien. Dank internationalen Messeauftritten in Paris, Salzburg, New York und Palm Beach reüssieren sie rasch in der internationalen Sammlerszene. Kunsthandel Kolhammer ist seither regelmäßig auf der La Biennale Paris und der Palm Beach Art, Antique & Jewelry Show vertreten. 2017 gründen sie mit Lilly Setzer und Kristian Scheed von Lilly’s Art den gemeinsamen Showroom K&L – eine für Wien seltene Zusammenarbeit zweier Kunsthandlungen.

Die Ausstellung zum 10-jährigen Jubiläum zeigte eine Reihe von Highlights. Darunter eine Büste aus getriebenem Messing mit Kupfer aus der Werkstätte Hagenauer und ein komplettes Silber-Teeservice von Josef Hoffmann, Wiener Werkstätte von 1919. Hoffmann gilt als einer der wichtigsten Entwerfer der Wiener Werkstätte. Seine Kaffee- und Teeservices genießen unter Sammlern und in Museen bis heute einen besonderen Stellenwert.

Sein unverkennbarer Stil und die perfekte kunsthandwerkliche Ausführung der Handwerker der Wiener Werkstätte zeigen sich gerade bei diesen Kunstwerken, die aus mehreren Teilen bestehen, besonders eindrucksvoll

Florian Kolhammer

 

Es wurde 1918 entworfen, 1919 ausgeführt und kommt aus spanischem Privatbesitz. „In dieser Zeit waren Edelmetalle und Luxusgüter wie Elfenbein bereits sehr rar. Laut Auskunft des MAK wurden von diesem Service nur zwei Stück hergestellt, eines 1918 und ein zweites 1920. Im MAK befinden sich auch die Entwurfszeichnung und ein Originalfoto aus der Zeit. Die Verarbeitung ist, wie gewohnt, nahezu perfekt. Das Elfenbein ist unbeschädigt und das Silber wurde wunderschön bearbeitet. Zusätzlich ist unser Set vollkommen komplett.“

Informationen über Preise, Transparenz und kunsthistorische Expertise beziehungsweise Aufarbeitung der einzelnen Objekte sind Florian und Nikolaus Kolhammer wichtig. So ermöglichen viele der Objekte ein Eintauchen in eine Geschichte, verbirgt sich hinter dem einen oder anderen Designstück eine besondere Biografie.

Josef Hofmann | Fünfteiliges Silber-Teeservice, Wiener Werkstätte 1918/1919 | Fotos: beide: © Florian und Nikolaus Kolhammer

Etwa der Schreibtisch mit Sessel von Bruno Paul, Vereinigte Werkstätten München um 1907, aus Birke und ebonisierter Birne. Rein ästhetisch schon ein Prachtstück, hat dieses Ensemble auch eine interessante Provenienz, befand es sich doch im Besitz der ersten deutschen Frauenärztin, Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen (1872–1955). Auf einem zeitgenössischen Foto aus den 1920er-Jahren ist der Schreibtisch in ihrer Berliner Wohnung beziehungsweise in der Praxis deutlich zu erkennen.

Courtesy Kunsthandel Kolhammer

Ebenso war in der Jubiläumsausstellung eine besondere Vase aus der Manufaktur Johann Loetz Witwe zu sehen. Sie besticht durch ihre organische und kompakte Form, eine raffinierte Überfangtechnik und ein besonders koloriertes und stark irisierendes Glas. Irisdekor zählt zu den Höhepunkten der Glaskunst des Jugendstils. Vor allem die vom Münchner Bildhauer und Maler Franz Hofstötter entworfenen Kollektionen für die Pariser Weltausstellung stellten die Glashütte auf eine Stufe mit Louis Comfort Tiffany, Gallé oder Daum. Die Vase entspricht in den Abmessungen (35 Zentimeter × 12 Zentimeter) exakt dem Musterschnitt (Weltausstellungsdekor PG 384 Franz Hofstötter um 1900) der in der Neuauflage des Buches „Lötz 1900 – Die Glasfabrik Lötz auf der Pariser Weltausstellung 1900“ von Ernst Ploil und Toby Sharp, erschienen 2017 zu finden ist. Ebendort fehlte die Abbildung der ausgeführten Vase. Der Fund gelang nun den Brüdern Kolhammer.

„Dieser Dekor wurde mit ziemlicher Sicherheit von den Designern der Fabrik geschaffen, um Tiffany (dem damaligen Hauptkonkurrenten der Lötz-Fabrik) in Paris zu imitieren oder direkt mit Tiffany zu konkurrieren.“ Mit Erfolg, so gewann die böhmische Glashütte aus Klostermühle nicht nur den Hauptpreis in Paris, sondern in der Folge auch Preise in St. Louis und Chicago und konnte sich international positionieren.

Unter den präsentierten Gemälden sind vor allem „Die Nacht“, 1924, von Wilhelm Dachauer zu nennen und Ferdinand Brunners großformatige Landschaft „Zypressen“ rund um das Castel Gandolfo. Während Werke von Brunner – allerdings selten in diesem Format – im österreichischen Kunsthandel durchaus präsent sind, so sind die symbolistischen Arbeiten Dachauers selten anzutreffen. Der Oberösterreicher Dachauer war ein wichtiger Vertreter des österreichischen Symbolismus. Er studierte an der Wiener Akademie und unterrichtete dort als Professor von 1927 bis 1945. „Die Nacht“ gilt als eines seiner Hauptwerke. Es wurde bei der 80. Ausstellung der Wiener Secession im Herbst 1924 präsentiert und belegte im Katalog die erste Bildtafel. Von dieser Ausstellung ist auf dem Leinwandrahmen auch das originale Ausstellungsetikett erhalten geblieben. Brunners Bild von 1898 zeigt die idyllische Gegend rund um die Sommerresidenz der Päpste in der Nähe von Rom, die der Maler 1896/97 besuchte. Mit der Komposition des Bildes beweist der damals erst 28-jährige Maler seine Meisterschaft.

Johann Loetz-Witwe | Vase mit Weltausstellungsdekor PG 384, Franz Hofstötter um 1900

Kunsthandel Kolhammer

Dorotheergasse 13, 1010 Wien
Österreich

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