Imran Qureshi im Gespräch

Imran Qureshi: Schönheit contra Gewalt

© Imran Qureshi, Galerie Thaddaeus Ropac, Paris Pantin, May 2019. Photo: Charles Duprat.

Imran Qureshi (*1972) gilt als wichtiger Vertreter der Kunstszene Pakistans. Ausgebildet in der Miniaturmalerei der Moghul-Tradition des 16. Jahrhunderts, entwickelte er Praktiken durch die er traditionelle Motive, abstrakte Malerei, performative Installation und Reflexionen über die Beziehung der muslimischen Welt zum Westen in einen subtilen politischen Diskurs spannt. Bis 27. Juli 2019 sind Arbeiten von Imran Quereshi in der Galerie Thaddaeus Ropac in Paris Pantin zu sehen.


Ursula Maria Probst: In Ihrem Werk haben Sie eine spezielle Kraft entwickelt, die mit vorschnellen Kategorisierungen und Grenzziehungen bricht und sich den Herausforderungen unserer gegenwärtigen, globalisierten Welt stellt. Weshalb entschieden Sie sich für Kunst?

Imran Qureshi: Ich war immer sehr kreativ, habe gezeichnet, gemalt und gefundenes Material zu Objekten recycelt. Das hat mir Spaß gemacht, an etwas anderem war ich nicht interessiert. Ich war der erste in unserer Familie der Kunst studierte. Damals war es üblich, Medizin oder Ingenieur-Technologien zu studieren. Mein jüngerer Bruder Faisal Qureshi kam später auch auf die Kunstschule. Er ist Schauspieler und Regisseur, arbeitet in der TV-Media Branche und ist sehr bekannt in Pakistan.

UMP: Heute unterrichten Sie selbst in Lahore am National College of Arts (NCA) und ermutigen Studierende traditionelle Techniken durch gegenwärtige Konzepte neu zu besetzen. Ihre Frau Aisha Khalid ist eine erfolgreiche Malerin. Sie sind international viel auf Biennalen unterwegs. Ihre in-situ Installationen wie „Blessings Upon the Land of My Love“ (Shargjah Biennale 2011) brennen sich als „Blutlandschaft“ in das Gedächtnis ein. Dafür haben Sie im Innenhof eines ehemaligen Krankenhauses blutrote Farbe verschüttet.

IQ: Für die Projektentwicklung reise ich vor Ort und erarbeite ein in-situ Konzept in dem ein intensiver Dialog zur Architektur und Geschichte des Raumes oder zur Umgebung zum Ausdruck gelangt. Zu den aktuellen site spezifischen Installationen zählen „Idea of Landscape“, Lahore Biennale, 2018, „Morning and Night Sang A Duet Together for a Long Moment“, Abu Dhabi Art - Al Ain oder „Out of blue“, National Cathedral Washington DC. Jeder dieser Orte zeigt spezifische Charakteristiken, die mich im Prozess der Planung und Umsetzung stark inspirierten.

© Imran Qureshi, Galerie Thaddaeus Ropac, Paris Pantin, May 2019. Photo: Charles Duprat.

© Imran Qureshi, Galerie Thaddaeus Ropac, Paris Pantin, May 2019. Photo: Charles Duprat.

UMP: Gewalt ist ein wiederkehrendes Thema in Ihren Arbeiten.

IQ: Die ersten Serien entstanden infolge eines Schocks, den ein Selbstmordattentat in Lahore in mir auslöste, von dem ich ein Video sah. Ich war völlig verstört und es ging mir nicht mir aus dem Kopf. Nachts im Studio begann ich, meinen Körper mit roter Farbe zu beschmieren. Es geht um die Frage, warum es Gewalt in unserem Leben gibt, um Hoffnung, das Leben selbst und die Schönheit von Gewalt. Das sind gegensätzliche Dinge. Täglich steigt die Gewalt. Überall in der Welt sind wir derzeit mit einer harten Realität konfrontiert. Die Titel einiger der Arbeiten stammen aus den Gedichten des pakistanischen Dichters Faiz Ahmed Faiz.

Das Publikum kann seiner eigenen visuellen Meditation nachgehen.

Imran Qureshi

 

Performance by © Imran Qureshi, Galerie Thaddaeus Ropac, Paris Pantin, May 2019. Photo: Charles Duprat.

Performance by © Imran Qureshi, Galerie Thaddaeus Ropac, Paris Pantin, May 2019. Photo: Charles Duprat.

UMP: In Ihrer aktuellen Ausstellung „The Seeming Endless Path of Memory“ in der Galerie Ropac in Paris sprengen Sie die Grenzen der Malerei und arbeiten mit dem Maßstab des Raumes.

IQ: Die Galerie Ropac hat in Paris eine Lagerhalle zum Ausstellungsraum umfunktioniert. Dementsprechend groß sind die räumlichen Dimensionen. Es gab da Soloausstellungen von Anselm Kiefer und Tony Craigg. Andere Künstler scheuten sich vor der Größe der Halle. Ich mag es, mich Herausforderungen zu stellen. Zur Eröffnung machte ich eine Performance.

UMP: Die skulpturale, dreidimensionale Körperlichkeit der Performance wirkt raumgreifend.

IQ: Wenn ich in meinem Studio in Lahore arbeite, bedecke ich den Boden zum Schutz mit einer durchsichtigen Plastikfolie. Ich arbeite horizontal, es gibt viele rote Farbspritzer auf den Leinwänden. Einige davon gelangen auf das Plastik. Vieles in meiner Arbeit ist über Emotionen und es kommen sehr starke Energien und Gesten zum Ausdruck, die sich auf organische, unbewusste Weise auf der Plastikfolie sammeln. Ich habe die Folie nach Paris gebracht. Die Schichten von Emotionen, die sich auf der Plastikfolie befinden, zeichnen fragile Strukturen, die roten Farbkleckser wirken wie Wunden. Ich verbinde es mit meinem Körper. Das Publikum kann seiner eigenen visuellen Meditation nachgehen.

UMP: Es geht also darum, eine eigene Sicht zu entwickeln.

IQ: Während meiner Studienzeit betrieb ich mit Freunden Comedy Performances und Marionetten- und Straßentheater auf dem Campus. Dabei ging es um soziale Fragestellungen, um das Rauchverbot, Umweltbelastungen und die globale Erwärmung. Der Akt der Performance ist für mich sehr wichtig.

Galerie Thaddaeus Ropac - Pantin

69 Avenue du Général Leclerc, 93500 Pantin
Frankreich

IMRAN QURESHI. THE SEEMING ENDLESS PATH OF MEMORY

bis 27. Juli 2019

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