Grażyna Kulczyk: Slow Art in Susch

Grażyna Kulczyk © Anush Abrar

Grażyna Kulczyk ist eine international anerkannte Expertin für Osteuropäische und Russische Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts sowie für neue Formen von „Art & Business“- Entwicklungen, wie sie das bereits im polnischen Projekt der Alten Brauerei (Stary Browar) in Posen vorführte, das ein vielschichtiges Kunst- und Begegnungszentrum darstellt. Am 2. Jänner eröffnete Sie ihr Privatmuseum in Susch. Ein Gespräch mit Nana Pernod.


Nana Pernod: Ihre Beziehung mit Kunst hat ihren Anfang während Ihres Rechtsstudiums in Posen (Polen) genommen, als sich ihr Freundeskreis aus Künstlern und Kunsthistorikern zusammensetzte. Hatten Sie damals schon eine Vermutung, dass Kunst zu Ihrer lebenslangen Leidenschaft würde?

Grazyna Kulczyk: Ich wusste immer schon, dass ich keine Künstlerin werden würde … im Grunde genommen war meine Rebellion nicht mit künstlerischem Talent verbunden. Dafür hatte ich bereits während meines Rechtsstudiums die Begabung, eine künstlerische Initiative anzustoßen, zu organisieren und zu unterstützen. Mit Künstlern und Kuratoren Umgang zu pflegen wurde Ende der 1960er-Jahre von meiner Mutter, einer Zahnärztin, und meinem Vater, einem Piloten der Royal Air Force, gerade noch toleriert. Um einen alten britischen Militärwitz zu zitieren: Was muss die Tochter eines britischen Generals tun, um ihren Vater zu enttäuschen? Einen australischen Kapitän heiraten. Das war in meinem Fall eine enge Beziehung zu einem jungen Kurator, der mir die Möglichkeit gab, in die intellektuellen und künstlerischen Kreise von Polen einzutauchen. Um zurück zu Ihrer Frage zu kommen: In jenen Zeiten konnte sich niemand den Lebenslauf vorstellen, den ich einschlug. Es war die Zeit der Kubakrise und der Krieg war im Alltag noch immer präsent. Es war eine Zeit kleiner oder keiner Träume. Jetzt, wenn ich zurückschaue, denke ich, dass das, was geschah, eigentlich fast unmöglich war. Mit meinen gegenwärtigen Träumen habe ich die Ambition, eine echte Veränderung in der globalen Museumslandschaft und dem Paradigma privater Institutionen auszulösen.

NP: Wie begegnen Sie Kunst im Allgemeinen?

GK: Ich suche nach nicht offensichtlichen Fragen, auf die dann gänzlich unerwartete Antworten folgen. Derselbe Ansatz half mir, dem in der Unternehmerwelt gängigen Einwand „Das ist unmöglich“ zu begegnen.

NP: Glauben Sie, dass in der Kunst deren Wahrnehmung und Ansatz sowie Ausführung und Inhalt vom Geschlecht des Kunstschaffenden abhängten?

GK: Geht man von der Freud’schen Sublimation aus: Ja, die Kunst ist voll von gender- und geschlechtsspezifischen Themen, und dies auf jedem erdenklichen Niveau. Man kann annehmen, dass die Wahrnehmung dadurch stark verzerrt wird. Irgendwann werden wir vielleicht an dem Punkt ankommen, an dem viele soziale und psychologische Barrieren wegfallen und es nur noch subtile Spuren von Genderdifferenzen in Kultur und Wissenschaft geben wird.

Grażyna Kulczyk © Anush Abrar

Grażyna Kulczyk © Anush Abrar


Das vollständige Interview lesen Sie im PARNASS 1/2019.

Zur Ausgabe

Muzeum Susch

Surpunt 78, 7542 Susch
Schweiz

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