Globale Kunst: Cory Arcangel ist uns auf die Schliche gekommen

Cory Arcangel, VERTICALS, 2019, Ausstellungsansicht, Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg © Cory Arcangel. Photo: Ulrich Ghezzi | Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac

„Globale Faszinationen“ faszinieren ihn. Wie etwa, dass Teenager überall auf der Welt mit den mehr oder weniger gleichen Klamotten herumlaufen und dass in sich in so gut wie jeder Wohnung ein IKEA Tisch findet. Wie hervorragend sich diese Alltagsstrukturen als Bildtableau wie Inhalt eignen weiß er am besten: Cory Arcangel mischt zum sechsten Mal die Villa Kast auf.


Egal ob Cory Arcangel die letzten 15 Jahre in New York City lebte oder nun im beschaulichen Stavanger in Norwegen, so unterschiedlich scheinen die Umstände nicht. Dort und da benützt man iPhone wie Baby-Phone, trägt Badeschlapfen designt von großen Pop-Ikonen und hält sich am täglichen „coffee“ beziehungsweiße „kaffe“ aufrecht. Mit „Verticals“ stellt der 1978 in Buffalo geborene Cory Arcangel ironische Segmente unserer Alltagsästhetik ins Display. Reduziert auf wesentliche Verweise kommentiert er clean und straight unsere Leichtigkeit des Seins und ist dabei nur in den Zwischentönen kritisch. So kann man in der Villa Kast mit einem Lächeln auf die Irrwege unseres Zeitgeistes schauen.


Global Fast Fashion

Die Scanner Paintings, zum ersten Mal umfassend präsentiert, bilden einen Kern der kohärenten Soloausstellung und sind auch ihr Titelgeber. Gedruckt auf IKEA Tischplatten collagiert Arcangel geläufige Brands von Freizeithosen. Durch seine Überlagerungen und Beschneidungen geschehen Verfremdungen der Marken, die Allgegenwärtigkeit ihrer lassen sie uns aber dennoch problemfrei zuordnen. So spielt der Künstler auf unser kollektives Gedächtnis in Konsumfragen an.

Cory Arcangel selbst eröffnete übrigens im September 2018 den ersten Flagship Store seiner 2014 gegründeten Software- und Merchandise Firma. Unter dem Namen „Arcangel Surfware“ werden Dinge, die man zum Surfen im Internet braucht – darunter T-Shirts, Jogginghosen, Bettwäsche und iPhone-Hüllen – angeboten.

Cory Arcangel, VERTICALS, 2019, Ausstellungsansicht, Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg © Cory Arcangel. Photo: Ulrich Ghezzi | Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac

Cory Arcangel, VERTICALS, 2019, Ausstellungsansicht, Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg © Cory Arcangel. Photo: Ulrich Ghezzi | Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac


Big Brother is Watching us

Phänomene zu kontextualisieren liegt dem Künstler. Verweise auch auf die Kunstgeschichte mag Cory Arcangel. So nehmen zwei weitere ausgestellte Arbeiten den direkten Vergleich mit Nam June Paiks „TV-Buddha“ auf. „The Original“ und „Season 6“ sind Videos die in Echtzeit mithilfe von Baby-Phones erstellt werden. Die Devices überwachen eine von Kanye West designte Sandale sowie eine gehypte Kappe und Sonnenbrille auf einem Kunststoffkopf. Somit werden nicht ihre Besitzer, sondern die Objekte selbst durchleuchtet, bewacht, dokumentiert.

Arcangel gilt als Pionier der technologiebasierten Kunst. Typisch für seinen Einsatz von Computerspielästhetik und rohem Software Material steht die gezeigte Arbeit „Dunk“. Dabei handelt es sich um eine Laseranimation abstrahiert aus einem Basketball Computerspiel. Dunking bezeichnet laut Duden „einen Korbwurf, bei dem der Werfer so hoch springt, dass er den Ball kraftvoll direkt von oben in den Korb werfen kann“. In dieser dem Teamgeist widersprüchlichen Lösung erkennt Cory Arcangel die aktuelle politische Haltung Amerikas, in der Stärke und Größe über Logik und Fair Play siegen.

Es ist ein sehr klassisch-eleganter Raum, also wollte ich die Art von Show machen, für die der Raum gebaut wurde

Cory Arcangel

Während Arcangel in der Vergangenheit oft mit seinen Musikperformances aufzeigte, fällt die aktuelle Zusammenstellung eher ruhig aus. Vor allem eine Serie von Papierarbeiten überrascht. Sieben Blätter zeigen dreifach konzentrierten Espresso auf das Papier getropft Spuren ziehen. Ein fast schon biografisches Moment in dem sich beinahe jeder Betrachter wiederfinden kann. Überraschte es den Künstler doch bei seinem Umzug nach Norwegen dort eine ausgewachsene Kaffeekultur vorzufinden. Anders kann eben doch sehr ähnlich sein. Dass wir alle nach ähnlichen Mustern funktionieren bringt aber vor allem eine Arbeit selbstironisch auf den Punkt.

„Es ist ein Schabernack (a „practical joke“)“, lacht Cory Arcangel bei der Vernissage seiner Ausstellung befragt zum Werk „Sonic attack“. Ein ganzer Raum ist der Soundskulptur gewidmet, die aus nichts weiter besteht als dem klassischen iPhone Nachrichten Piepston der beim Betreten des Raumen erklingt. Der folgende automatisierte Griff in die Hosentasche bringt dann doch noch ein performatives Element in die sonst klassisch gehängte Ausstellung.

Galerie Thaddaeus Ropac Villa Kast

Mirabellplatz 2, 5020 Salzburg
Österreich

Cory Arcangel - VERTICALS

bis 16. März

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