Leopold Museum

Franz Hagenauer

Der österreichische Bildhauer und Designer Franz Hagenauer zählt mit seiner radikal reduzierten Formensprache zu den wichtigsten Vertretern der Moderne. Sein vielseitiges Werk ist eine Synthese aus Bildhauerei und Kunstgewerbe. Das Leopold Museum widmet in Kooperation mit dem MAK dem Künstler nun eine umfassende Retrospektive.


Sinnlich, sachlich, schön. So könnte man die Arbeiten von Franz Hagenauer knapp zusammenfassen. Mit seinen aus Messing- und Kupferblech getriebenen Köpfen, Büsten und Figuren avancierte Hagenauer zu einem radikalen Mitgestalter der österreichischen Moderne. In seinem Werk vereint sich Abstraktion und Figuration auf einzigartige Weise. Anleihen übernimmt Hagenauer von der Neoklassik, der Neuen Sachlichkeit und dem Art déco. Die Kunst wurde dem 1906 in Wien geborenen Bildhauer in die Wiege gelegt. Sein Vater Carl Hagenauer gründete 1898 die renommierte Hagenauer Werkstatt. Angesiedelt im 7. Wiener Gemeindebezirk spezialisierte sich der Betrieb auf Metall- und Bronzearbeiten im historistischen, später im floralen und geometrischen Jugendstil. Der Bezirk Neubau war um die Jahrhundertwende Adresse für Handwerksbetriebe wie Auböck, Bergmann oder die Wiener Werkstätte, wo Hagenauer im Sommer als Jugendlicher unter Dagobert Peche jobbte.

Außergewöhnliche Gestaltungsgabe

Mit Leihgaben aus der weltgrößten Franz-Hagenauer-Sammlung der Familie Breinsberg, dem Leopold Museum, dem MAK sowie aus Privatsammlungen werden in der Schau sämtliche Schaffensperioden beleuchtet. „Der Wunsch, Franz Hagenauer eine Personale zu widmen, ist fast so alt wie das Leopold Museum, hat doch dieser wichtige Protagonist der österreichischen Moderne einen fixen Platz in unserer Sammlung“, so Kurator Ivan Ristić. Mit knapp 180 Exponaten ist es die bisher umfassendste Retrospektive zu Hagenauer. Neben Skulpturen und kunstgewerblichen Objekten werden Entwürfe und historisches Fotomaterial präsentiert. Zu sehen ist unter anderem ein Kopf mit Locken von 1929 mit unterschiedlichen Gesichtshälften und simultaner Wirkung. Einst in der Sammlung des Pop-Art Künstlers Andy Warhol, kam das Objekt nach Wien zurück und ist heute im Besitz der Leopold Privatsammlung.

Ausstellungsansicht "Franz Hagenauer" © Leopold Museum, Wien | Foto: Lisa Rastl

Radikale Reduktion

Nach einer anfänglich neoklassizistischen, von Wilhelm Lehmbruck inspirierten Frühphase fand Hagenauer unter dem Einfluss der internationalen Moderne zu einer abstrahierten und stark vereinfachten Formensprache. Auslandsaufenthalte in Paris, Berlin und Rom intensivierten Hagenauers gestalterische Auffassung, die sich in der radikalen Reduktion zeigte. Mit Constantin Brâncuși teilte er sein Faible für kurvige und ovoide Formen; mit Amedeo Modigliani und Giorgio de Chirico das Motiv der Gesichtslosen. Bereits als Student war Hagenauer auf der zukunftsweisenden „Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes“ in Paris 1925 vertreten, später auf der „Triennale“ in Mailand 1930 und auf der Biennale in Venedig 1934. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits im familiären Betrieb eingebunden. Er ist „auch und vor allem im Kontext der Werkstätte Hagenauer zu betrachten. Gegenseitiges Inspirieren und Ideenaustausch mit dem Bruder Karl waren Alltagspraxis, was auch für Franzʼ Tätigkeit in der Werkstätte nach Karls Tod im Jahr 1956 von Bedeutung war“, wie Kurator Ivan Ristić erläutert.

Ausstellungsansicht "Franz Hagenauer" © Leopold Museum, Wien | Foto: Lisa Rastl

Hagenauers künstlerische Erfüllung lag dabei weniger in der Produktion von Gebrauchs- und Dekorationsgegenständen als vielmehr in der ästhetischen Arbeit als Bildhauer. Für ihn war dies jedoch kein Widerspruch. Mit seinem zeitlosen Design verhalf er dem Traditionsunternehmen in der Zwischen- und Nachkriegszeit zu Weltruf.

FRANZ HAGENAUER | Torso, 1929, Stabiles Kupferblech, getrieben, gehämmert und patiniert, 88,5 × 37 cm, Privatbesitz | © Auktionshaus im Kinsky GmbH, Wien

FRANZ HAGENAUER | Paar, 1936, Alpaka, getrieben, poliert, 39,5 × 27 × 25 cm, Sammlung Breinsberg | Foto: Christian Schindler, Pixelstorm | © Caja Hagenauer, Wien

FRANZ HAGENAUER, Turnerin im Handstand, um 1960 Messing getrieben, 132 × 33,7 × 27 cm, Sammlung Breinsberg, Foto: Christian Schindler, Pixelstorm © Caja Hagenauer, Wien

FRANZ HUBMANN, Franz Hagenauer, 1981 © Foto: Franz Hubmann/Imagno/picturedesk.com 

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