Einladung zum Mitlachen in der Taxispalais Kunsthalle, Tirol

Foto: Rose Rosen, Hillarious, 2010 (filmstill)

Es wird viel gelacht in Nina Tabassomis Ausstellung „Lachen“, mit der die Leiterin der Kunsthalle Tirol im Innsbrucker Taxispalais, nach „Lieben“ und „Sex“ ihre 2018 gestartete Ausstellungstrilogie komplettiert. Wobei bei den Arbeiten der fünf Künstler das Lachen bisweilen im Hals stecken bleibt.


Allein schon Roee Rosens Video „Hilarious“, das in der Hofhalle zu sehen ist, lohnt einen Besuch der Ausstellung. Als letztes Kapitel einer von Kunsthallen-Leiterin Nina Tabassomi kuratierten Trilogie, in der es nach „Lieben“ und „Sex“ nun um das „Lachen“ geht. Also um eine jener Alltagspraktiken, denen laut Ausstellungsmacherin ein „utopisches Moment“ innewohnt. Um Phänomene, in denen es um psychische ebenso wie physische und soziale Grenzsituationen geht. Wobei gerade das Lachen bisweilen grenzgängerisch daherkommt, lustvoll genauso wie verstörend sein kann, im besten Fall ansteckend ist.

Antonia Baehr, Könntest Du bitte einen Tag lang lachen?, 2007, Ausstellungsansicht LACHEN, TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol, 2019, DV-Video, 44:51 Min. | Courtesy die Künstlerin | Foto: Günter Kresser

Antonia Baehr, Könntest Du bitte einen Tag lang lachen?, 2007, Ausstellungsansicht LACHEN, TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol, 2019, DV-Video, 44:51 Min. | Courtesy die Künstlerin | Foto: Günter Kresser

Nicht immer zum Lachen ist dem Besucher der Schau allerdings zumute, obwohl hier viel gelacht wird. Besonders in den Arbeiten der deutschen Performerin und Medienkünstlerin Antonia Baehr, die bereits im Foyer auf das Thema einstimmt. Mit einer „Lachkomposition“, deren Ausführende die Künstlerin selbst sowie einige ihrer Familienmitglieder sind. Was so suggestiv ist, dass es schwer ist, hier nicht mitzulachen.

Das Lachen als akustisches und körperliches Phänomen zu untersuchen, hat sich bei Baehr zu einem regelrechten Forschungsprojekt ausgewachsen. Ein Teil davon war ein Workshop für „gute Lacherinnen und Lacher“, deren Aufgabe es war, das ihnen vorgespielte Lachen einer Lacherin nachzulachen. Die Ergebnisse wurden gefilmt, montiert zu einem vielstimmigen, gesamtkörperlich ausgreifenden Lach–Chor. An die Wand vis-à-vis hat Baehr dagegen eine Reihe ganz unterschiedlich notierter „Lach-Partituren“ gepinnt. Grafisch schöne Anleitungen zum Lachen, die zum Schmunzeln anregen.

In Baehrs fast 45 Minuten langem Video „Könntest Du bitte einen Tag lang lachen?“ von 2007 wird es dagegen anstrengend. Für die lachende Performerin – die Künstlerin selbst – genauso wie die, die ihr dabei zuschauen. Beim Zähneputzen, Geschirrabwaschen, Einschlafen oder Radfahren –Tätigkeiten, bei denen das Lachen einmal mehr, dann wieder weniger gut oder gar nicht funktioniert. Echtes Lachen wird da oft zu künstlich gemachtem, kippt immer wieder in ein armseliges Wimmern, das eher zum Weinen animiert bzw. Fluchtinstinkte in Gang setzt.

Wobei gerade das Lachen bisweilen grenzgängerisch daherkommt, lustvoll genauso wie verstörend sein kann, im besten Fall ansteckend ist.

Edith Schlocker

Leichter macht es da Stefan Klampfer mit seinen auf Tischunterseiten gedruckten hundeartigen Zwitterwesen oder den Schnecken, Bären und Hunden, die in ausstellungsartigen Settings Besucher mimen. Die Wirklichkeit wird hier auf vergnügliche Art und Weise dekonstruiert, etwa wenn Tiere zu lachen scheinen, obwohl uns die Wissenschaft sagt, dass das Lachen ein Privileg der Gattung Menschen ist.

Sophia Mairer, Ohne Titel, Ohne Titel und Ananas, 2019 | Ausstellungsansicht LACHEN, TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol, 2019 In Auftrag gegeben von TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol für LACHEN Courtesy die Künstlerin Foto: Günter Kresser

Sophia Mairer, Ohne Titel, Ohne Titel und Ananas, 2019 | Ausstellungsansicht LACHEN, TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol, 2019 In Auftrag gegeben von TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol für LACHEN Courtesy die Künstlerin Foto: Günter Kresser

Bei den Arbeiten von Sophia Mairer und Iman Issa tut sich der Besucher dagegen sehr schwer, was diese mit Lachen im weitesten Sinn zu tun haben sollen. Geht es in den formal reduzierten skulpturalen Objekten der Ägypterin Issa doch um sehr ernsthafte „Heritage Studies“, um ein Hieven von Zeugnissen der Vergangenheit in einen zeitgenössischen Kontext. Was es da zu lachen geben sollte, bleibt auch bei den Malereien der Tirolerin Sophie Mairer ein Rätsel, die eindeutig sexuell konnotierte Früchtchen und Fedrig-Blütiges an Stangen „tanzen“ lässt. Eine Arbeit, die wohl besser in den Ausstellungsteil „Sex“ gepasst hätte. Im Gegensatz zu ihrem auf einen schmalen Papierstreifen gemalten „Medusa effect“, den die Künstlerin in einem Fensterrahmen eingenistet hat. Ein lachendes Medusa-Gesicht zitierend, das Mairer in einem Kapitell des barocken Taxispalais gefunden hat. Die Krux dabei ist, dass der „normale“ Ausstellungsbesucher weder das Original noch das Zitat wahrnehmen wird.

Um zum Anfang zurückzukehren: Zum Video des israelischen Konzeptkünstlers Roee Rosen. In dem viel gelacht wird, wenn auch meist über Ereignisse, die alles andere als lustig sind. Über 9/11 genauso wie über die Shoa, dem Umgang der Israeli mit den Palästinensern, Alltagssexismen, magische Fische und „Gefilter Fisch“. Serviert von einer wunderbaren weiblichen Comedian vor Live-Publikum. Mit dem fast therapeutischen Effekt, lachend nicht an der Wirklichkeit zu verzweifeln.

TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol

Maria-Theresien-Straße 45, 6020 Innsbruck
Österreich

bis 15. März 2020

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