Museum der Moderne Salzburg (Rupertinum)

Die Theaterfotografin Ruth Walz

Ruth Walz (*1941) hat als Theaterfotografin Geschichte geschrieben. Mit ihren Bildausschnitten verleiht sie der flüchtigen Kunst Ewigkeit. Eine Ausstellung im Salzburger Rupertinum zeigt nun ihr eindrucksvolles Lebenswerk.  


Ruth Walz hat das Theater in seiner besten Zeit mit der Kamera begleitet. Viele Jahre dokumentierte sie die Inszenierungen der Berliner Schaubühne. Ihre langjährige Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Klaus Michael Grüber, Peter Stein, Luc Bondy, Robert Wilson, Peter Sellars oder Pierre Audi ist legendär. Seit 1991 ist sie auch regelmäßig als Theaterfotografin für die Salzburger Festspiele tätig. Interviews gibt sie eigentlich nie, lieber steht sie hinter der Kamera. Für PARNASS hat Ruth Walz eine Ausnahme gemacht.

PARNASS: Ihre Fotografien besitzen einen klar erkennbaren Fingerabdruck. Dank Ihres Spürsinns für den „entscheidenden Augenblick“ sind über die Jahre eindringliche Porträts bedeutender Sänger und Schauspieler entstanden. Was aber unterscheidet eigentlich die Theaterfotografie von der „normalen“ Fotokunst?

Ruth Walz: Der Unterschied ist vor allem, dass man die Kunst von jemand anderem fotografiert. Ich beobachte, was Regisseure, Bühnenbildner oder Kostümbildner auf die Bühne gezaubert haben, und versuche, das so schön wie möglich ins Bild zu setzen. Darin sehe ich jedenfalls meinen Job.

Ruth Walz, Markella Hatziano als Judith und Robert Hale als Blaubart in Herzog Blaubarts Burg von Béla Bartók, Salzburger Festspiele, 1995, Silbergelatineabzug auf Barytpapier, © Ruth Walz

Ruth Walz, Bruno Ganz und Botho Strauß, Subiaco, 1976, Silbergelatineabzug auf Barytpapier, © Ruth Walz

Ruth Walz, Vorhang zu Denn alle Lust will Ewigkeit, Residenzhof, Salzburger Festspiele 1999, chromogener Abzug, © Ruth Walz

RUTH WALZ | »Ein Sommernachtstraum« von William Shakespeare, Salzburger Festspiele 1996, chromogener Abzug | © Ruth Walz

P: Ihre Bilder erfassen die Gesichter der Akteure, wie wir sie selbst kaum gesehen haben. Berühmt sind beispielsweise Ihre Aufnahmen von „Prometheus gefesselt“ (1986) mit Bruno Ganz in der Titelrolle oder von Jessye Norman in Schönbergs „Erwartung“ bei den Salzburger Festspielen (1995). Erleichtert die per se visuelle Ausrichtung von Theater- und Operninszenierungen das Entstehen solcher Schnappschüsse?

RW: Vielleicht, aber ich suche sehr, sehr oft neue Blickwinkel. Natürlich nehme ich auch die Totale auf, damit man die Raumerzählung, also das Bühnenbild sieht. Doch in erster Linie geht es mir darum, Konstellationen von Schauspielern zu finden, die nicht unbedingt frontal und mittig auf einem Bild sind. Mein Ziel ist immer das Dazwischen zu übertragen.

P: Heißt das, Sie besuchen auch die Proben?

RW: Ich gehe immer auf Proben! Denn dort begreife ich vielleicht, was die Intention der Regisseure ist und wo ich stehen muss, um die Aufführung am besten wiedergeben zu können. Während der Probe gehe ich leise im Zuschauerraum hin und her und versuche zum Beispiel über den Kopf eines Schauspielers hinweg einen anderen, mit dem er gerade interagiert, zu erwischen. Oft sind die Reaktionen spannender als die direkten Aktionen. Einfach das abzufotografieren, was man vom Zuschauerraum aus sieht, wäre mir zu langweilig. Das heißt nicht, dass die Inszenierungen nicht spannend sind. Aber ich erzähle mit meinen Fotografien meine eigene Geschichte, meine eigenen Blickwinkel auf die Handlung. Und die finde ich auf den Proben.

Weiter lesen Sie in unserer PARNASS Sommerausgabe.

Museum der Moderne Salzburg - Rupertinum

Wiener Philharmoniker Gasse 9, 5020 Salzburg
Österreich

bis 12. November 2023

zur Website

Das könnte Sie auch interessieren