Die Sammlung Sigg

Sigg Collection | Foto: Karl Heinz Hug

Der Schweizer Kunstsammler und Mäzen Uli Sigg bewegt sich als Manager, Wirtschaftsjournalist, Berater und zeitweiliger Botschafter seit etwa 40 Jahren in China. Sein Wissen und Verständnis für diese Kultur haben ihn dazu bewogen, eine einzigartige Sammlung chinesischer zeitgenössischer Kunst anzulegen. Eine kleine Auswahl davon ist derzeit im MAK zu sehen.


Eine Viertelstunde von Luzern entfernt, dort, wo die urbane Besiedlung in eine malerisch-hügelige Landschaft übergeht, wo prachtvolle Bauernhöfe von ihren Kuh- und Pferdeherden umgeben sind und wo diverse Vogelarten ihren Weg in den Süden unterbrechen, hier liegt der idyllische Mauensee und in seiner Mitte eine kleine Insel, auf der Uli und Rita Sigg zu Hause sind.

Meine Sammlung erzählt die Storyline der chinesischen Kunst seit den 1970er-Jahren

Uli Sigg, Kunstsammler

Ein Ansitz der österreichischen Habsburger ist es einst gewesen, bevor seine wechselvolle Geschichte zum heutigen Zustand des Schlosses Mauensee geführt hat. Ein stolzes Herrenhaus, ein gepflegter Park und handverlesene, beeindruckende Kunstwerke springen dem Besucher ins Auge. Ai Wei Wei, ein Freund des Hausherrn, ist hier mit der Marmorinstallation „60 Türen“ vertreten, eine riesige Stahlskulptur scheint gerade am Ufer gelandet und eine übergroße Mao-Jacke aus Aluminium gegossen zu sein. Das sind nur einige der Arbeiten, die den Spaziergang rund ums Haus so anregend machen.

Uli Sigg begleitet uns persönlich und erzählt, wie alles kam. Als junger Offizier hatte er mit seiner Kompanie in den späten 1960er-Jahren den Übungsauftrag zur Landnahme des Schlosses Mauensee erhalten und schon damals war er begeistert von dem Anwesen. Als es dann etliche Jahrzehnte später zum Verkauf stand, schlug Sigg zu. Das Haus war in desolatem Zustand, doch davon ist heute nichts mehr zu erahnen.

Die große Eingangstür führt in eine holzgetäfelte Halle. Kunst, wohin das Auge blickt. Am Fensterbrett eine Keramik, an den Wänden Ölbilder, da und dort Skulpturen aus Holz, aus Stein, aus Wachs, aus Silikon, und zu jeder der Arbeiten kann Uli Sigg eine Geschichte erzählen. Tian Wei, der in seinen Arbeiten die Erfahrungen mit chinesischer Kalligrafie und dem amerikanischen Abstrakten Expressionismus verbindet, Chen Ke, die Künstlerin, die in beinahe jedem ihrer comicartigen Gemälde ein stupsnasiges Mädchen vorkommen lässt, Shi Jinsong, der im Bereich der Plastik arbeitet und eine breite Palette traditioneller Techniken einsetzt, oder Li Shan, der Künstler, der sich der konsequenten Beobachtung, Erforschung und Reflexion der Gentechnologie, des menschlichen und tierischen Lebens und Wesens durch künstlerische Produktion annähert – sie alle und viele, viele mehr kennt Uli Sigg persönlich, er besucht sie in ihren Ateliers, kauft ihre Arbeiten und fördert sie auf vielfältige Weise.

Wang Jin, Wang, 2007, Garten Schloss Mauensee | Foto: Karl-Heinz Hug

Wang Jin, Wang, 2007, Garten Schloss Mauensee | Foto: Karl-Heinz Hug

„Meine Sammlung erzählt die Storyline der chinesischen Kunst seit den 1970er-Jahren“ sagt Uli Sigg. Das offizielle China hatte in den 1980er-Jahren, als Sigg von der Firma Schindler nach China geschickt worden war, um dort das allererste Joint Venture zwischen einem westlichen und einem chinesischen Unternehmen einzufädeln, die zeitgenössischen heimischen Künstler noch gar nicht zu sammeln begonnen. Sigg hat sich diese „frei gewählte Mission“, wie er augenzwinkernd sagt, auferlegt und begonnen, systematisch vorzugehen. Was ihn damals wie heute beeindruckt, kann er klar benennen: Die meisten chinesischen Künstler haben eine solide akademische Ausbildung, wobei ihre handwerklichen Fähigkeiten ganz besonders gefördert werden. Und wenn dann „gute Ideen mit exzellenter Technik umgesetzt werden, ist das Produkt meist faszinierend“, sagt der Sammler.


Mehr über die Sammlung Sigg und die Ausstellung 'Chinese Whispers' lesen Sie im PARNASS 1/2019

Zur Ausgabe

Museum für angewandte Kunst

Ausstellungshalle
Stubenring 5
1010 Wien
Österreich

CHINESE WHISPERS. Neue Kunst aus der Sigg Collection

bis 26. Mai 2019

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