Kunstraum Dornbirn

Claudia Comte | The Sea of Darkness

Der Kunstraum Dornbirn zeigt die Ausstellung "The Sea of Darkness" von Claudia Comte bis 28. Februar 2021. 


Zum Jahreswechsel 2019 / 2020 präsentierte das Castello di Rivoli Museo d’Arte Contemporanea die erste institutionelle Ausstellung der Schweizer Künstlerin  Claudia Comte (* 1983 Grancy). Ausgehend von der Wahrnehmung und Beobachtung der Natur entwickelte sie eine raumbezogenen Installation, die sich über mehrere Ausstellungsräume zog. Als Betrachter stand man buchstäblich mitten in den Arbeiten der Künstlerin. Die Wände waren überzogen mit Farben und Linien die Muster, Wellen und Ornamenhaftes formten. Der Bezug zur Natur erschloss sich nicht sofort, im Vordergrund stand eine abstrakte Gestik. Doch die Muster verkörperten die Welt aus der Perspektive der Formen. Comte transformierte die Oberfläche in optische Sequenzen und verwendet ein grafisches Design mit einer digitalen Ästhetik. Die Untersuchung brisanter aktueller Themen wie Klimawandel, Ökologie oder die Erderwärmung sind beständige Anliegen im Werk von Claudia Comte. Doch repräsentiert ihre Werk stets auch Fragen der Form, und des Materials und umfasst neben den raumgreifenden Installationen auch Skulpturen und Malerei und multimediale Werke.

Installationsansicht „The Sea of Darkness“ Claudia Comte, Kunstraum Dornbirn 2020, Foto © Gunnar Meier

Comte lange als Shooting Star der Schweizer Kunstszene gehandelt, ist längt zu einer international gefragten Künstlerin geworden. Geboren und aufgewachsen ist sie in Grancy, einer kleinen Stadt in der Nähe von Lausanne am Fuße des Mont Tendre, einem der höchsten Gipfel im Juragebirge. Das Sandsteingebirge, der Wald und die „non-anthropocentric data” dieser Naturlandschaft gehören zur prägenden Erinnerung ihrer Kindheit.  

Ihr Anliegen, die Fragilität der Natur unseren Umgang mit ihren Ressourcen, die Formen der Landschaft kombiniert sie oft mit geometrischen Strukturen, mit deren Hilfe sie den Raum definiert und für die Besucher erfahrbar macht. Im Kunstraum Dornbirn wird der exakte geometrische Raster durch 40 Holzsockel beschrieben, die eine Art Welle formen, die sich an der Decke des Kunstraum formal wiederholt. So entsteht ein prägnanter Dialog mit der Architektur des Kunstraums. Die Präzision ihrer Arbeit steht dabei in einem bewussten Kontrast zur rohen Oberfläche des Kunstraums.

Auf die Sockel platzierte Comte 40 Steinskulpturen  – 40 Getränkedosen aus Marmor. Jede anders in der Form, doch exakte, vergrößerte Nachahmungen von realen Getränkedosen aus den verschiedensten Ländern. Ihre Formen sind unterschiedlich doch bereits auch ohne Farbe und Aufschrift zum wiedererkennbaren Markenzeichen geworden. Ihre Wege, die allzu oft nicht im Recycling, sondern als zusammenquetschte Dose, achtlos weggeworfen, in der Natur oder in der urbanen Landschaft endet, jedoch ähnlich. Die Dosen wurden von der Künstlerin deformiert, gescannt und aus Carrara-Marmor gefräst. Das aufwendige Finish erfolgt durch die Künstlerin in traditioneller Bildhauermanier. Mit der Deckeninstallation verschränkt Comte die Skulpturen zeitlich wie inhaltlich mit den 1950er-Jahren. Damals begann der kommerzielle Siegeszug der Dosen um die Welt, die heute allgegenwärtig sind. 1951 erschien das Buch der Meeresbiologin Rachel Carson „The Sea Around Us“ das rasch weltweite Beachtung fand. Textpassagen davon zitiert Claudia Comte in dem weißen Segel, dass die Halle des Kunstraum Dornbirn überspannt.

Die inhaltliche Konnotation ist unmissverständlich und bereits im Titel impliziert. Einmal mehr ist Comtes künstlerische Ikonographie, in der Natur verankert. „The Sea of Darkness“ konfrontiert uns mit der Unterwasserwelt, mit der unendlichen Weite des Meeres, das noch weitgehend unerforscht ist. Bevor wir jedoch einen Bruchteil seines Geheimnisses, seiner wundersamen Lebewesen verstehen, haben wir einen Großteil davon bereits durch unsere Ignoranz zerstört. Neben den Plastik sind es auch die Getränkedosen, die Metallteile, die wir in unfassbar großen Mengen und mit Energieaufwand produzieren und achtlos wegwerfen. Der Kunstraum Dornbirn ist alleine durch seine Architektur und das rohe Display ein besonderer Ausstellungsort, in dem Künstler und Künstlerinnen ebenso viele Möglichkeiten wie Herausforderungen finden mit diesem Raum umzugehen. Claudia Comte ist dies auf das Beste gelungen und sie präsentiert den Besucher eine formal wie inhaltlich überzeugende Ausstellung.

Installationsansicht „The Sea of Darkness“ Claudia Comte, Kunstraum Dornbirn 2020, Foto © Gunnar Meier

Installationsansicht „The Sea of Darkness“ Claudia Comte, Kunstraum Dornbirn 2020, Foto © Gunnar Meier

Kunstraum Dornbirn

Jahngasse 9,6850Dornbirn
Österreich

Das könnte Sie auch interessieren