Bruno Gambone. Von den Träumen eines Pioniers

Bruno Gambone, Ausstellungsansicht 'It takes two to make a thing go right' kuratiert von Amir Shariat, 2018

Seine Kunstwerke erscheinen ihm vor ihrer Entstehung im Schlaf – quasi wie Eingebungen. Bruno Gambone sieht das Ergebnis bereits fix und fertig im Kopf: „I dream it“, erklärt er lakonisch. Und er träumte bereits eine ganze Menge.


So entstanden unter anderem zahlreiche Keramiken, überlebensgroße Tierskulpturen aus Stahl und dreidimensionale Leinwände. Gambones Arbeiten offenbaren eine hochkomplexe Persönlichkeit, die von einem ständigen Bedürfnis nach Experiment und dem Bewusstsein für das Potenzial des Materials getrieben ist.

Bruno Gambone ist heute besonders für seine Keramiken bekannt – mindestens so interessant ist jedoch auch seine "strukturelle Malerei", die bis 1972 entstand und bislang eher unbeachtet blieb. "Tatsächlich handelte es sich um geometrische Malerei, die nicht so sehr aus Ebenen, sondern aus Volumen besteht", so der Künstler. Trug er anfangs noch Farbe in mehreren Schichten auf, überzog Gambone bald darauf geometrische Holzformen mit Leinwand und schuf so immer stärkere Reliefs.

Bereits in seiner Kindheit widmete sich Bruno Gambone (*1936 Vietri sul Mare, Salerno, Italien) der Töpferei und sammelte Erfahrungen in der florentinischen Werkstatt seines Vaters Guido, einem bekannten italienischen Töpfermeister des 20. Jahrhunderts. Nach einiger Zeit begann er auch in anderen Bereichen zu experimentieren, arbeitete etwa mit Textilien und an Gemälden auf Leinwand. Gambone führte seine künstlerischen Aktivitäten parallel zueinander fort und bald trat in seinem Werk eine wie er es beschreibt "wahrnehmende, immaterielle Geometrie" anstelle der durch seinen Vater geprägten, klassischen "Geometrie der Form" – die "Idee" wurde zum Mittelpunkt.

In den frühen 1960er-Jahren ließ sich Gambone in New York nieder und fand rasch Anschluss in künstlerischen Avantgardistenkreisen. So traf er unter anderen auf Robert Rauschenberg, Louise Nevelson, Frank Stella, Roy Lichtenstein und Andy Warhol, zu denen teils enge Freundschaften entstanden und deren Werk mitunter prägend für seine weitere künstlerische Entwicklung wurde.

Bruno Gambone, Ausstellungsansicht 'It takes two to make a thing go right' kuratiert von Amir Shariat, 2018

Bruno Gambone, Ausstellungsansicht 'It takes two to make a thing go right' kuratiert von Amir Shariat, 2018

Durch das schrittweise Hinzufügen von Dreidimensionalität entwickelte sich Gambones Malerei zunehmend in Richtung Skulptur anstelle flacher Malerei. 1967 erhielt der Künstler seine erste große Einzelausstellung in der Galleria del Cenobio in Mailand – kuratiert von niemand geringerem als Germano Celant, der über den Künstler damals schrieb: "Der von Gambone entdeckte Raum will von all der sogenannten ‚Magie‘ Abstand nehmen, welche die Partizipation des Betrachters erstickt. Er erscheint als ein Raum, der genutzt und belebt werden kann. Dabei geht es dem Künstler nicht darum, menschliches Verhalten zu lenken, sondern ausgehend von der spontanen Reaktion des Publikums dem Raum Orientierung zu geben und ihn mit Leben zu erfüllen. " Kurz darauf lud Celant, der damals den Begriff "Arte Povera" prägte, Gambone ein, an der heute legendären Ausstellung "Arte Povera & Azioni Povere" im Jahre 1968 an der Amalfi Küste teilzunehmen.

In den frühen 1960er-Jahren ließ sich Gambone in New York nieder und fand rasch Anschluss in künstlerischen Avantgardistenkreisen.

Angelika Seebacher

 

Ebenfalls 1968 brach Gambone seine Zelte in New York ab und kehrte nach Italien zurück. In Mailand kam es zu einem intensiven Austausch mit Künstlern wie Enrico Castellani, Lucio Fontana, Agostino Bonalumi, Gianni Colombo und Paolo Scheggi. Konfrontiert mit dem Tod seines Vaters und einiger weiterer Vertrauter, übersiedelte Gambone ein Jahr später wieder nach Florenz und widmete sich ab diesem Zeitpunkt fast ausschließlich der Töpferei.

Die Malerei ließ er hinter sich, was dazu führte, dass seine Bilder der Öffentlichkeit nun fast vierzig Jahre verborgen blieben. Einige Beispiele seiner für die damalige Zeit bahnbrechenden, dreidimensionalen Leinwände waren zuletzt in Wien in der von Amir Shariat kuratierten Schau "It Takes Two" zu sehen. Die Ausstellung in einem ehemaligen Fabriksgebäude im 3. Bezirk zeigte eine völlig neue, bis dato so gut wie unbekannte Seite des Künstlers – und einen weiteren seiner faszinierenden, Realität gewordenen Träume.

Baumgasse 42/7

Baumgasse 42/7, 1030 Wien
Österreich

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