Die Kunsthistorikerin Ziba Ardalan im Interview

Parasol unit: Interview mit Ziba Ardalan

Los Carpinteros, Supra Terram, Installationsansicht Parasol unit, London, 2015 | Foto: Jack Hems, Courtesy of Parasol unit foundation for contemporary art

2004 gründete die Kunsthistorikerin Ziba Ardalan die gemeinnützige Stiftung für zeitgenössische Kunst „Parasol“. Mit der zugehörigen, international bekannten „Parasol unit“ hat Londons Publikum durch das Engagement Ardalans ein Ausstellungshaus gewonnen, das an internationalen Karrieren von Künstlern wie Rana Begum, Michaël Borremans, Julian Charrière und Yang Fudong nicht unbeteiligt ist. PARNASS sprach mit Ziba Ardalan, die mit nur zwei Ausnahmen alle der letzten 54 Ausstellungen der Non-Profit Organisation kuratiert hat.


P: Sie haben Parasol unit als Treffpunkt gegründet und bieten nicht nur eine Ausstellungsfläche sondern etwa auch eine Vielzahl von Bildungsprojekten an.

ZA: Parasol unit könnte als „Treffpunkt" betrachtet werden, aber vor allem ist es ein Ort für „kuratorische Exzellenz". Die Beurteilung, die wir in den letzten 15 Jahren für die bisherigen 54 Ausstellungen erhalten haben, die wir der Öffentlichkeit angeboten haben, scheint das zu bestätigen. Ausstellungen, künstlerische Projekte und umfassende Publikationen sind für das Bestehen der Stiftung von zentraler Bedeutung.

Einige Jahre nach der Gründung der Stiftung im Jahr 2004, begannen wir mit Vermittlungsprogrammen für Erwachsene und Familien mit kleinen Kindern. Dies erwies sich als sehr erfolgreich. Insbesondere bei unseren Kinder- und Familienaktivitäten haben wir Wartelisten. Ich habe keine besondere Agenda für die Parasol unit über das hinaus, was wir bereits schaffen. Um ehrlich zu sein, ist es auch schwer, mit einem kleinen Team recht junger Leute. Vergessen Sie nicht, dass wir eine private Stiftung mit begrenzten Mitteln sind und das wir soviele Projekte realisieren, ist fast ein Wunder. Daher danke ich jeder Unterstützung, die wir erhalten.

Ein anderer Aspekt der Stiftung, über den normalerweise nicht gesprochen wird, ist die Schulung der Mitarbeiter. In den letzten fünfzehn Jahren hatte ich das Glück, zahlreiche Mitarbeiter auszubilden. Das ist sehr befriedigend, denn junge Menschen sind unsere Zukunft.

P: Dennoch denken Sie auch den Ausstellungsraum immer weiter. In den letzten Jahren haben Sie auch Außenarbeiten in Auftrag gegeben – gibt es ähnliche Pläne für 2019?

ZA: Für mehrere Jahre haben wir jeden Winter ein Kunstwerk für unseren Außenbereich in Auftrag gegeben, eine Serie mit dem Titel „Parasolstice“ – in der ein Künstler eingeladen wurde, ein Werk zu schaffen, das sich mit dem Phänomen Licht befasst. In der Vergangenheit haben wir auch unsere Komfortzone verlassen und organisierten jeden Sommer an verschiedenen Plätzen der Stadt eine Performance im Freien.

Sechs Jahre lang haben wir jeden September drei Absolventen einer Londoner Kunstschule einen „Exposure Award“ verliehen, der eine kleine Ausstellung in unserem Veranstaltungsraum der Stiftung enthielt. Es ist eine gute Idee, diese Programme ab und an zu unterbrechen, damit es nicht zur Gewohnheit wird. Wir nehmen vielleich einige von ihnen wieder auf, aber im Moment sind wir mit unserem Projekt „The Spark Is You“, das in Venedig und London stattfindet so beschäftigt.

Ziba Ardalan | Foto: Jake Gavin

Ziba Ardalan | Foto: Jake Gavin

P: Warum haben Sie sich dazu entschlossen eine Ausstellung in Venedig und London durchzuführen und wo werden die Unterschiede in den beiden Episoden liegen?

ZA: Venedig und London waren traditionell Weltstädte. Venedig hatte eine Geschichte der Offenheit gegenüber dem Osten, die für das West-Ost-Gefälle wichtig war. Und im Mai 2019 ist es einfach eine entscheidende Kunstplattform. Ich freue mich sehr, den Dialog zwischen den beiden Städten zu erzeugen.

Los Carpinteros, Supra Terram, Installationsansicht Parasol unit, London, 2015 | Foto: Jack Hems, Courtesy of Parasol unit foundation for contemporary art

Los Carpinteros, Supra Terram, Installationsansicht Parasol unit, London, 2015 | Foto: Jack Hems, Courtesy of Parasol unit foundation for contemporary art

„The Spark Is You: Parasol unit in Venice” bringt mehrere Generationen iranischer Künstler zusammen. Sie sind zwischen 40 und 80 Jahre alt, sodass der Dialog zwischen verschiedenen Generationen und auch zwischen Künstlern, die im Iran und im Ausland leben, stattfindet. Trotz allem gibt es zwischen diesen Künstlern ein gemeinsames kulturelles Erbe. Für die Ausstellung „Nine Iranian Artists in London: The Spark Is You“ in London versammeln wir neun iranische Künstler.

Moment sind wir mit unserem Projekt „The Spark Is You“, das in Venedig und London stattfindet so beschäftigt.

Ziba Ardalan

Hier wird der Schwerpunkt auf die Darstellung jüngerer iranischer Künstler gelegt, und es gibt einen besonderen Austausch zwischen ihren Werken, unabhängig davon, ob sie im Iran oder derzeit im Ausland leben. Die Idee war, Künstler auszuwählen, deren Werke sich nicht in irdischen Themen verwickeln, sondern darüber hinausschauen, so wie die Persische Poesie.


Das vollständige Interview lesen Sie in unserem aktuellen PARNASS.

Zur Ausgabe

Conservatorio di Musica Benedetto Marcello di Venezia

Sestiere di S. Marco, 2810, 30124 Venezia
VE
Italien

The spark is you
Parasol Unit

Venedig

9. Mai bis 23. November 2019

London

23. Mai bis 30. August

 

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