sommer.frische.kunst in Bad Gastein

Kunst auf 1000 Höhenmeter

Letztes Wochenende eröffnete sommer.frische.kunst in Bad Gastein mit Ausstellungen entlang der Kaiser-Wilhelm-Promenade und der Installation des Japaners Kazunori Kura in der spektakulären Kulisse von Sportgastein. „art moves mountains“ und „Mut zur Vision“, so der Slogan des seit 12 Jahren stattfindenden Kunstfestivals – und das ist gelungen. Erstmals findet heuer in den neu renovierten Räumen des Kraftwerks mit der art:badgastein eine Kunstmesse statt. Eine kleine feine und sehenswerte Salonmesse mit neun Galerien aus Deutschland.


Der Mix aus Tradition, Geschichte, imperialer Architektur und Bauikonen des Brutalismus von Gerhard Garstenauer, urbanes Hoteldesign und – seit vielen Jahren – zeitgenössische Kunst in ungewöhnlichem Ambiente macht Bad Gastein zu einer Sommerdestination für Kunstliebhaber. Andrea von Goetz ist es gemeinsam mit ihren Mitstreitern, darunter Ike und Evelyn Ikrath, Olaf Krohne und dem Tourismusverband Bad Gastein gelungen eine Plattform aufzubauen, in der sich die Kunstszene jährlich im Sommer trifft. Ein Netzwerk im informellen Rahmen, das zum Austausch und Diskurs einlädt. Neben den sehenswerten Ausstellungen entlang der Kaiser-Wilhelm-Promenade von Ulrike Theusner (Hotel Astoria), Barbara Probst (Pavillon) und Xenia Lesniewski (Ike Room) ist die erste art:badgastein ein Highlight.

art:badgastein

„Das ist meine Art Basel“, eröffnet Andrea von Goetz ihr Herzensprojekt einer Kunstmesse in Bad Gastein, an der sie schon lange arbeitet. Nun ist es gelungen, letztes Wochenende eröffnete in den sanft renovierten Räumen des denkmalgeschützten Kraftwerkhauses die erste art:badgastein. Das Designerlabel Victor Foxtrot gestaltete eine Art Lounge im Eingangsbereich und dahinter hat Silvia Jaklitsch vom Verlag für moderne Kunst einen Concept Store für die Dauer der sommer.frische.kunst eingerichtet. Neun Galerien aus Hamburg, Berlin und München präsentieren ein umfangreiches und qualitätvolles Portfolio. Zu sehen ist die art:badgastein noch bis 31. Juli 2022. Das keine österreichische Galerie dabei ist kann man kritisieren, muss man aber nicht. Für den heimischen Kunstkenner bietet sich so die erfrischende und interessante Gelegenheit künstlerische Positionen zu sehen, die von deutschen Galerien vertreten werden. Insgesamt ist die Messe ein erfreulicher und interessanter Start in die sommer.frische.badgastein, in der die Galerist:innen sich mit großem Engagement und hohem Niveau präsentieren. Man müsse diese Messe genauso ernsthaft betreiben wie eine große Messe in Basel, Turin oder Wien, meinte die Galeristin Daniela Steinfeld im Gespräch. Das dies die anderen Galerist:innen genauso sehen, dokumentiert der Rundgang. Ein gelungener Auftakt, der hoffentlich in den nächsten Tagen noch ein paar Sammler:innen animiert zu kommen und zu kaufen.  

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KRAFTWERK Art Lounge, Victor Foxtrot, Foto: PARNASS


Van Horn

Daniela Steinfeld von Van Horn in Düsseldorf brachte sensationelle Arbeiten des deutschen Künstlers Jan Albers mit nach Bad Gastein. Gut, wir sind hier nicht ganz objektiv, gestaltete Jan Albers doch im September 2018 unser Cover. Doch unbestritten zählt er zu den interessantesten Positionen der jungen deutschen Kunstgeneration, die Medien wie Malerei und Fotografie neu interpretieren. Architektonische urbane Raster, tektonische Landschaftsformationen werden in der persönlichen Wahrnehmung des Künstlers zu abstrakten Gefügen. Eindrucksvoll ist sein Umgang mit Material und Farbe, die er gekonnt nuanciert einsetzt. Mit Preisen zwischen Euro 36.000 und Euro 20.500 inkl. MwSt bewegen sich die prägnanten Reliefarbeiten des Künstlers durchaus im oberen Niveau der Messe. Neben Albers präsentiert Van Horn Werke von Sabrina Fritsch, JoanneGreenbaum und Gerold Miller.

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Van Horn: Jan Albers, dOubledawN, 2022, Foto: PARNASS


PSM Galerie

Ein Must See ist auch der Raum der Berliner PSM Galerie. Sabine Schmidt brachte Werke von Manon Awst, Daniel Lergon und Nathan Peter nach Bad Gastein. Der deutsche Künstler Daniel Lergon ist in Österreich kein Unbekannter, und wurde etwa bei der diesjährigen SPARK Art Fair von Galerie Crone gezeigt. Seine minimalistisch-abstrakten Bildkompositionen zeigen nicht nur sein Gefühl für Farbe, Gestik und Bildraum, sondern sein Interesse an naturwissenschaftlichen Phänomenen und Materialien. Eine Überraschung sind die Werke des in Minneapolis geborenen, heute in Berlin lebenden Malers Nathan Peter, dessen raffinierte Techniken zu unterschiedlichen Bildlösungen führen, die insgesamt den schmalen Grat zwischen Figuration und Abstraktion ausloten und die Tradition altmeisterlicher Stillleben in die Gegenwart fortschreiben. Dominiert wird der Raum von der Skulptur der in Nordwales lebenden Künstlerin Manon Awst. Die Galerie zeigt in Berlin noch bis 27. August eine Einzelausstellung der Künstlerin unter dem Titel „Stone´s throw“. Die Küstenlandschaft ihrer Heimat ist Basis ihre materialaffinen-konzeptuellen Arbeiten, die mit Fragen des Ökologischen ebenso verbunden sind, wie mit der Frage wie Materialien Orte und Gemeinschaften verändern. Sie sind, so Awst „soziale, politische und ökologische Marker unserer Zeit“.

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PSM Galerie: Manon Awst, Rock in Chair, 2021, Daniel Lergon, Untitled, 2022, € 15.000,- netto, Foto: PARNASS


The Fairest

Auch in Bad Gastein vertreten ist das Duo von The Fairest, eine Initiative die 2021 von Eleonora Sutter und Georgie Pope für junge, aufstrebende oder unabhängige Künstler:innen ins Leben gerufen wurde, die noch keine Galerievertretung haben und so normalerweise keinen Zugang zu Kunstmessen haben. The Fairest will mit ihren Projekten für diese Künstler:innen eine öffentliche Plattform und Sichtbarkeit auf dem Kunstmarkt schaffen. In Bad Gastein zeigen Sutter und Pope Werke von Christophe de Rohan Chabot, Jordan/Martin Hel und Sally von Rosen.

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The Fairest, Foto: PARNASS


Galerie Kuckei + Kuckei

Die 1993 von den Brüdern Ben und Hannes Kuckei in Berlin gegründete Galerie Kuckei + Kuckei zeigt die deutschen Künstler:innen Fiene Sharp, Peter K. Koch sowie Lilly Lulay, die sie im Vorjahr auch im Rahmen des Galeriefestivals Various Others auf Einladung von Galerie Klüser in München präsentiert haben. Die kritische Hinterfragung der digitalen Welt, der zunehmende Einfluss auf unsere Wahrnehmung und unser soziales Verhalten nimmt, und in der wir als Nutzer stets eine Datenspur hinterlassen, ist Thema der deutschen Fotokünstlerin. Sehenswert sind auch die geometrischen Arbeiten des Kölner Künstlers Peter K. Koch und die feinen Rasterstrukturen von Fiene Scharp.

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KUCKEI + KUCKEI, links: O.T. (Monospace) 2021, rechts: O.T ( Stabilizer 1), 2022
je € 5.400,-  inkl. MwSt.. Foto: PARNASS 


Feldbusch Wiesner Rudolph

Die 1990 in Weimar geborene Marlen Letetzki fiel schon bei der diesjährigen SPARK in Wien am Stand von Feldbusch Wiesner Rudolph auf. Kleine Arbeiten der Künstlerin zeigt die Berliner Galerie nun in Bad Gastein. Eindrücklich im Raum der Galerie sind die Ölbilder der Londoner Künstlerin GL Brierley sowie die Skulptur des Südafrikaners Wim Botha. Die sensiblen Büsten des in Kapstadt lebenden Künstlers sind aus Holz und Büchern gearbeitet und fragen nach der Identität und unserem Sein per se.

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Feldbusch Wiesner Rudolph: Wim Botha, Untitled (Witness #50) , 2021 und  GL Brierley, Untitled (Lockdown Hackney), 2020, Foto: PARNASS


Galerie Knust Kunz Gallery

Ja, der Rundgang durch die beiden Stockwerke des Kraftwerks lohnt allemal. Die Münchner Galerie Knust Kunz Gallery Editions zeigt neben einem kleinen Bild von Herbert Brandl, das allerdings ehrlich gesagt nicht zu seinen besten Arbeiten zählt, interessante Grafiken von Olaf Holzapfel sowie insgesamt einen Mix aus dem Portfolio der Galerie. Olaf Holzapfel wird am ersten Augustwochende seine große in-situ Installation in der beeindruckenden Kulisse von Sportgastein eröffnen. 

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Knust Kunz Gallery Editions: Olaf Holzapfel, Untitled, 2017, € 2.800,-, Foto: PARNASS


Galerie Nanna Preußners

Hängen bleibt man bei Galerie Nanna Preußners aus Hamburg mit Werken von Mojé Assefjah, Peter Weber und Betty Rieckmann. Die abstrakten, farbenfrohen Bilder der heute in München lebenden Iranerin Mojé Assefjah bewegen sich auch preislich auf einen durchaus erschwinglichen Niveau zwischen Euro 3.700 bis Euro 10.300 für die große Arbeit „Still-life“ von 2021 (80 x 115 cm). Die Künstlerin malt mit Eitempera, einer von wenigen Künstlern heute noch verwendete Technik, die jedoch eine besondere Fluidität und Materialität erreicht. Die Bilder so farbgewaltig sie sind, haben dennoch eine feine, nahezu lyrische Bildsprache. Ihre breiten, stets geschwungene Pinselschwünge setzt sie in dynamischer Gestik über den Bildträger, sie verdichten und überlappen sich und ergeben so eine räumliche Tiefe. Mojé Assefjah wurde 1970 in Teheran geboren und übersiedelt mit ihrer Familie 1986 nach Deutschland und studierte Malerei an der Münchner  Akademie der Bildenden Künste. 

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Galerie Nanna Preußners, Mojé Assefjah, Tondo, 2022, € 6.200,- inkl. MwSt., Foto: PARNASS


Galerie Carolyn Heinz

Wer gerne Weiches hat, wird bei Galerie Carolyn Heinz fündig. Katharina Büche, Malerin, Fotokünstlerin, Plastikerin und Objektkünstlerin verwendet für ihre Objekte gerne weiche, aus der Natur kommende Werkstoffe wie Tierfelle oder auch Pflanzen. Angreifen und kuscheln erlaubt. Zeit nehmen sollte man sich aber auch für die sensiblen und subtilen Cut Outs der Berliner Künstlerin Gabriele Basch: unregelmäßige Muster, Raster, ornamentale Strukturen, insgesamt eindrucksvolle Bildkonzeptionen. Ebenso auf die Merkliste sollte man sich als Sammler die belgische Künstlerin Gesa Lange nehmen. Neben ihren Papier- und Leinwandarbeiten, die sie mit Raster und Linien bestickt und in zahllosen Schichten mit Bleistift und Graphit bearbeitet, zeigt die heute in Hamburg lebende Lange während des Kunstfestivals auch eine Installation in der Villa Rosa Moser am Quellpark. 

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Galerie Carolyn Heinz: im Vordergrund, Katharina Büche, Strange Thing, 2022, € 3.000,-,
dahinter, Gesa Lange, Papierarbeiten, Preis zwischen Euro 1.100,-  und 1.750,-, Foto: PARNASS


Anna Jill Lüpertz

Reinschauen lohnt auch bei Anna Jill Lüpertz, wo vor allem die wunderbare Fotoarbeit von Elger Esser zu nennen ist. Klassischen Bildgattungen wie Vedute und Landschaft sind zentrale Themen des deutschen Fotokünstlers. Prägnant ist seine weitgehend monochromatische Farbgebung und seine Vorliebe für diffuse, gleichmäßige Lichtgestaltung. Zu nennen sind auch die Werke des schottisch-britischen Künstlers Robert Montgomery, der auch mit einer seiner Text-Skulpturen im Quellpark vertreten ist. Diese stehen in der Tradition der Konzeptkunst und bringen eine poetisch, lyrischer Note in den Diskurs textbasierte Kunst ein. Bekannt ist der Künstler für seine Plakatgedichte, Light Poems und "Feuergedichte". Neben affirmativen Lebensweisheiten, wie im Quellpark, thematisiert Montgomery jedoch auch Umweltthemen in seinen Texten.

 

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Anna Jill Lüpertz, Robert Montgomery, Quellpark Public Space, Foto: PARNASS

Kunst auf der Kaiser-Wilhelm-Promenade

Bis 4. September 2022 sind in den Kunsträumen auf der Kaiser-Wilhelm-Promenade mit Einzelausstellungen zu sehen. Ein Spaziergang lohnt! Alle drei Ausstellungen sind sehenswert. Beginnend mit Xenia Lesniewskis Rauminstallation „Instant Solution“ im Ike Room, der deutschen in New York lebenden Fotokünstlerin Barbara Probst im Pavillon und dem gelungenen Dialog der Berlinerin Ulrike Theusner mit den Räumen des Hotel Astoria.

HOTEL ASTORIA, Ulrike Theusner, Kunstmeile Kaiser-Wilhelm-Promenade, Bad Gastein, Foto: PARNASS

Ulrike Theusner, Hotel ASTORIA, Kaiser-Wilhelm-Promenade, Foto: PARNASS

Hotel ASTORIA, Kaiser-Wilhelm-Promenade, Foto: PARNASS

IKE ROOM, Xenia Lesniewski, Instant Solution, Ike Room, Kunstmeile Kaiser-Wilhelm-Promenade, Bad Gastein, Foto: PARNASS

IKE ROOM, Xenia Lesniewski, Instant Solution, Ike Room, Kunstmeile Kaiser-Wilhelm-Promenade, Bad Gastein, Foto: PARNASS

PAVILLON, Barbara Probst, Pavillon, Kunstmeile Kaiser-Wilhelm-Promenade, Bad Gastein, Foto: PARNASS

Barbara Probst, Pavillon, Kaiser-Wilhelm-Promenade, Bad Gastein, Foto: PARNASS

Gesa Lange, Haus Rosa Moser, Quellpark Bad Gastein, Foto: PARNASS

sommer.frische.kunst.2022, Künstler: KazunoriKura, Foto: Hannes Wichmann

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