Camera Austria

Fotoräume ausgestellt im Fotoraum: Mladen Bizumic und Sophie Thun

Mladen Bizumic / Sophie Thun: Interiors of Photography Camera Austria 2019 Foto: Markus Krottendorfer

Es ist kein geringerer Rauminhalt als die „Innenräume der Fotografie“ die Sophie Thun und Mladen Bizumic aktuell in der Camera Austria abhandeln. Das künstlerische Zwiegespräch gelingt in gedeckten, scheinbar zurückhaltenden Tönen mit entlarvenden, umso direkteren Gesten.


Der fotografische Apparat zum einen und zum anderen das fotografierende und das fotografierte Subjekt sind die zentralen Achsen der von Reinhard Braun kuratierten Ausstellung „Interiors of Photography“, die noch bis 25. August 2019 in Graz zu sehen ist. Die beiden in Wien lebenden Künstler verbindet am ersten Blick bloß das Medium: die Fotografie. Am zweiten ist es der Metadiskurs über eben diese, ein zweiter Blick hinter die Mechanik ebenso auf die Lesarten des Fotografischen. Bildmachung im wortwörtlichen wie im metaphorischen Sinn. Während Thun sich wiederholt mit der Konstruktion des Selbst im Abbild auseinandersetzt und sowohl Techniken als auch Ästhetik der Selbstdarstellung ad absurdum stilisiert, befasst sich Mladen Bizumic bereits seit einigen Jahren mit der Geschichte von Kodak. Jenem Unternehmen, das einst die Kamera in alle Haushalte der Erde bringen wollte und dann 2012, geschwächt davon, den Sprung ins Digitale verabsäumt zu haben, jedoch Konkurs anmelden musste.

... in den USA sprach man von einem „Kodakmoment“, wenn ein privates Ereignis als wichtig genug empfunden wurde, um für die Nachwelt aufgezeichnet zu werden.

Reinhard Braun

So schreibt Reinhard Braun im Text zur Ausstellung: „1880 von George Eastman gegründet, hat Kodak das kollektive visuelle Gedächtnis seitdem maßgeblich beeinflusst, in den USA sprach man von einem „Kodakmoment“, wenn ein privates Ereignis als wichtig genug empfunden wurde, um für die Nachwelt aufgezeichnet zu werden. 1976 erlangte Kodak einen Marktanteil von 90% im Bereich der Fotofilme in den USA.“ Ein rasanter Aufstieg, ein harter Fall. Mladen Bizumic dreht in seinen Arbeiten um den Moment des Verschwindens von Kodak. Mit nostalgisch gefilterten Verweisen – den collagierten Filmverpackungen etwa, oder im Haushaltsalltag längst vergessenen Negativstreifen. Bizumic arbeitet analog und mit Kodak-Material. Seine Großformate reihen sich zwischen das Bekannte und das Fremde und spielen mit der Ästhetik Benutzernaher Fotografie.

Nah am alltäglichen Fotohabitus bewegt sich auch Sophie Thun. Während Mladen Bizumic sich 2017 mit den strukturellen Unterschieden der Unternehmen Kodak und Instagram auseinandersetzte – erstere unterhielt 140.000 Angestellte während Instagram mit 13 Mitarbeitern eine vermutlich größere Reichweite erzeugte. Nimmt sich Thun ästhetischer und soziologischer Phänomene im Umgang mit dem Ich in der Fotobildwelt von heute an. Die Künstlerin macht sichtbar wie Wahrnehmung von Körpern in der Montage des gezeigten konstruiert wird.

Sophie Thun, Altstadt, 11.03.2019, ST, 2019, aus der Serie: After Hours, 2019. Courtesy: Sophie Tappeiner, Wien

Sophie Thun, Altstadt, 11.03.2019, ST, 2019, aus der Serie: After Hours, 2019.
Courtesy: Sophie Tappeiner, Wien

In der 2019 entstandenen Serie „After Hours“ ist es der eigene, nackte Körper den sie durch zweifach Abbildung, analog montiert, miteinander in Relation setzt. „In gewisser Weise führt uns Thun vor Augen, dass das Fotografische ein außerordentliches (jedoch nicht zufälliges) Interesse am weiblichen Körper, am Fleisch des weiblichen Körpers hat“, schreibt Reinhard Braun. Thuns direkter Blick wirkt auffordernd die eigenen gedanklichen Bezüge, die die Bilder ob erlernter Lesarten anzufachen vermögen, zu redigieren und umzulenken. Wie bereits in der Galerie Sophie Tappeiner ist auch die Ausstellung in der Camera Austria von raumgreifenden Fotoinstallationen gerahmt die dialogisch mit den Werken Bizumics interagieren.

Überraschend stehen die beiden Positionen auch in der Ausstellungsgestaltung in keinem Widerspruch. Sensibel gehängt entsteht im Raum ein assoziativer Gedankenaustausch, bei dem ein Werk dem anderen mehr Sockel ist, als es ihm Boden nimmt. Bei allen Unterschieden dominiert doch das suchend analytische, ruhig fragende gemeinsame Experiment die Fotografie über ihre gerahmte Repräsentation hinaus zu untersuchen.

Camera Austria

Lendkai 1, 8020 Graz
Österreich

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