Museum St. Peter an der Sperr

Ernst Fuchs

Realität, Glaube, Imagination. Diese Begriffe beschreiben nur allzu gut das vielseitige künstlerische Werk jenes Ausnahmekünstlers. Geboren 1930 in Wien, überlebte der junge Ernst Fuchs als Sohn einer Katholikin und eines Juden das Regime der Nationalsozialisten.


Mit Künstlerkollegen wie Arik Brauer, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden gründete er in seiner Zeit an der Akademie der Bildenden Künste die sogenannte „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“, die mit einer Vielzahl an Ausstellungen internationale Reputation erlangte. Während Ernst Fuchs in seinem Frühwerk stets bestrebt war, das aktuelle Zeitgeschehen – vor allem die Kriegsjahre – auf seine eigene Weise künstlerisch festzuhalten, setzte er sich Zeit seines Lebens vor allem auch mit Themen aus der jüdischen und christlichen Ikonografie, sowie mit klassisch-mythologischen Thematiken auseinander.

Am Anfang steht ein Selbstporträt wie ein Spiegelbild.

Lorian Gärtner

„Am Anfang steht ein Selbstporträt wie ein Spiegelbild. Den Blick in die Zukunft gerichtet und doch in der Gegenwart verankert. Jeder Strich erzählt die Empfindung eines Jungen, der mit den Abgründen der Existenz an sich konfrontiert worden ist. Mit einer Zeit, die sich dem Überleben verschrieben hat, dem Durchhalten und dem Wiederaufbau. Weit entfernt von der Schönheit und der Opulenz, die einmal das Leben des Ernst Fuchs definieren werden. Denn dieses Leben wird die glanzvolle Bühne einer rauschhaften Inszenierung darstellen. Später. In den folgenden Jahrzehnten. Eine Welt, die sich der Traditionen vergangener Epochen bedient, um der Gegenwart zurückzugeben, was zwei Weltkriege nachhaltig erschüttert haben. Den Glauben an die Menschheit und das Geheimnis der Schönheit. Verborgen in der Inspiration eines einmaligen Talentes, zwischen göttlichen Mythen und religiösen Motiven, entfaltet sich darum das künstlerische Schicksal in verschwenderischer Vollendung und wird bis zum Schluss für Bewunderung und Erstaunen sorgen. Dem Selbstporträt zu Beginn ist diese Entwicklung noch nicht zu entnehmen. Zu müde blicken die Augen, die den Untergang Europas bezeugen können; zu tief scheinen sich die Falten der Resignation in die verwelkte Haut einer verblühten Identität eingegraben zu haben. Und doch ist das Selbstporträt, diese flüchtige Zeichnung auf weißem Papier, nichts anderes als der erste große Triumph eines noch jungen Künstlergenies. Die Erkenntnis, dass in diesem Fall die Vorstellungskraft alle gegebenen Grenzen überwinden wird; dass, entgegen den später so häufig formulierten Urteile, die Eitelkeit nicht als Triebkraft seiner Kunst zu verstehen ist; und dass die Wahrheit trotz des Phantastischen nicht einen einzigen Augenblick lang verleugnet werden kann. Denn dieses Porträt beschreibt die Quintessenz des Menschlichen, das Resümee eines Lebens, im Alter von gerade einmal 15 Jahren.“ (Lorian Gärtner, 2022)

Lohengrin © Nikolaus Neureiter

Stets an der künstlerischen Schwelle zum Surrealismus, malte er in seiner „Feuerfuchs“-Phase der 1970er und 80er Jahre vor allem in Öl-Eitempera-Mischtechnik und mit kräftig-grellem Kolorit. Exklusiv zeigt die Ausstellung in Wiener Neustadt auch die letzten Werke des Ernst Fuchs aus den Jahren 2013 bis 2015, die sogenannten „Prophetenköpfe“, in welchen der Künstler thematisch an sein religiöses Frühwerk – farblich jedoch an seine Feuerfuchs-Periode – anknüpft.

ein Schicksal, das zwischen Rassenwahn und Verfolgung seinen Anfang genommen hat

Lorian Gärtner

„Mit den Prophetenköpfen greift Ernst Fuchs das Werk seiner Kindheit noch einmal auf. Blickt zurück auf ein Schicksal, das zwischen Rassenwahn und Verfolgung seinen Anfang genommen hat, damals, zwischen Krieg und Frieden, Hunger und Verlust; das aber später den Mangel überwinden konnte, die Abgründe und die Brüche, die das Leben zu allen Zeiten immer bereitgehalten hat und später seinen vielleicht schönsten Ausdruck im Triumph der Villa in Wien, den sakralen Exzessen in Klagenfurt und St. Veit und der unermesslichen Fülle an Kunstwerken gefunden hat. Es die Vollendung des Seins, die Vollkommenheit einer Schöpfung, die sich nie verbiegen ließ, die sich selbst die ganze Zeit nur treu geblieben ist, und die bereit war, jede Form der Durchschnittlichkeit zugunsten der siegreichen Schönheit für immer aufzugeben. Dass dieses Vermächtnis mit großen Opfern verbunden war, davon künden die müden Augen der Prophetenköpfe. Doch sind sie nachsichtig mit dem, was zuvor entstanden ist, verzweifeln nicht mehr, wie vielleicht noch Jahrzehnte früher das Selbstporträt des 15- jährigen Ernst Fuchs suggerieren möchte. Nein, hier weiß der Schöpfer um den Wert des Erschaffenen und weiß, dass die Erinnerung an diese fantastische Welt noch lange nicht erlöschen wird.“ (Lorian Gärtner, 2022)

Ernst Fuchs, Feuerprophet, 2013 © Easy-Resize.com

Die Ausstellung zeigt eine Retrospektive des künstlerischen Lebens des Meisters des Phantastischen Realismus. Schlüsselwerke aus seiner Jugend, der Studienzeit in Wien, der Feuerfuchs- und der Spätphase sowie ausgewählte Plastiken und Kunsthandwerksgegenstände geben einen breitgefächerten Überblick über das Leben und Schaffen von Ernst Fuchs.

Museum St. Peter an der Sperr

Johannes von Nepomuk-Platz 1, 2700 Wiener Neustadt
Österreich

Ernst Fuchs

16. Juni – 2. Oktober 2022

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