Chambres d'amis #4 im Salon Seliger

 Nina Rike Springer, Wasserfalte, 2016, C-Print, Ed. 3+IIAP, 210x150 cm

Mit Chambres d´amis hat Seliger, Spezialist für maßgefertigte Möbel aus eigener Produktion gemeinsam mit artplex art consulting ein Ausstellungsreihe etabliert, die jeweils Arbeiten von drei in Österreich lebenden Künstlern präsentiert. Chambres d´amis #4 stellt drei Künstlerinnen vor: Joanna Gleich, Sophie Dvořák und Nina Rike Springer. Auf ganz unterschiedliche Weise vollführen sie einen individuellen, künstlerischen Balanceakt in der Auseinandersetzung mit unserer Gegenwart, dessen Ergebnisse in vielerlei Hinsicht spannend sind.


Mit dem französische Ausdruck für Gästezimmer signalisiert der Titel bereits ein Spezifikum dieser Ausstellungsreihe, die eben nicht in den geschützten Räumlichkeiten einer Galerie oder eines Museums, sondern im Ambiente eines Geschäfts gezeigt wird, das auf hochwertiges Interior-Design spezialisiert ist. Schauplatz sind demnach die einzelnen Einrichtungsensembles, die durch ihre sorgfältige Gestaltung die Atmosphäre von privaten Räumen besitzen, in denen die teilnehmenden Künstlerinnen stellvertretend mit ihren Werken jeweils „zu Gast“ sind. Abgesehen davon versteht sich der Ausstellungstitel auch als Referenz an jene berühmte, gleichnamige Schau von 1986 des belgischen Ausstellungsmachers und Leiters der Documenta IX, Jan Hoet, die ihre Kunstwerke nicht im Museum sondern in rund 60 Privatwohnungen in ganz Gent präsentierte. 


Joanna Gleich

Geboren wurde Joanna Gleich 1959 in Kluczbork in Polen, 1979 machte sie ihren Abschluss am Lyzeum der bildenden Künste in Opole und studierte 1979 bis 1983 Philologie an der Universität Wien. 1985 begann sie ihr Studium der Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Wolfgang Hollegha, das sie 1990 abschloss. 1985/86 nahm sie an der Salzburger Sommerakademie (Klasse der Malerei bei Josef Mikl und Klasse für Glasfenster bei Georg Meistermann) teil. 1994 Studienaufenthalt in New York, 1998 erfolgte die Auszeichnung mit dem Strabag-Kunstförderungspreis. 2001 bis 2011 leitete sie die Klasse für Malerei an der Sommerakademie in Lienz in Osttirol und war 2007/08 Dozentin an der Akademie Geras, seit 2014 ist sie Dozentin an der Kunstakademie Bad Reichenhall.

„Zu Beginn meiner künstlerischen Tätigkeit stand die Arbeit nach der Natur sowie die Beschäftigung mit alten und neuen Meistern im Vordergrund, doch nach und nach entschied ich mich für die Sprache der reinen Malerei“, so Joanna Gleich. „Ich hatte den Eindruck, dass sich der Gegenstand der unmittelbaren Lesbarkeit des Bildes widersetzt, da er durch die ihm anhaftende Bedeutung und den daraus resultierenden Assoziationen sozusagen einer anderen Grammatik gehorcht. Meine Malerei ist zwar kein Spiegelbild der Wirklichkeit, bleibt jedoch mit ihr in vielfacher Hinsicht verflochten“.

Mit breiten, dynamischen Strichen lotet sie die Möglichkeiten abstrakter Malerei an der Grenze zur Gegenständlichkeit neu aus und malt Bilder in denen sie mit unterschiedlichen Farbkombinationen und Gesten experimentiert. Stets ist der Pinselauftrag schwungvoll und dynamisch und wird von der Künstlerin geschickt und spannungsvoll mit großen Farbflächen im Bild kombiniert. „Die Farben und ihre Mischungen, Abtönungen schaffen in den Bildern von Gleich ein lyrisch-dramatisches Farbtheater, aber als absolute Bilderwelten“, schrieb der Kunsthistoriker Dieter Schrage, 1992 über die Werke der Künstlerin.

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 Joanna Gleich, Ohne Titel, 2018, Öl/Papier, 96 x 66 cm

 Joanna Gleich, Ohne Titel, 2018, Öl/Papier, 96 x 66 cm


Sophie Dvořák

Die 1978 in Wien geborene Künstlerin, studierte 2004 bis 2008 an der Akademie der bildenden Künste in Wien und der Glasgow School of Art, Schottland sowie 2004/05 an der Schule für künstlerische Photographie Friedl Kubelka, Wien. Sie wurde unter anderem mit dem Theodor Körner Preis ausgezeichnet, erhielt das StartStipendium und zuletzt den Förderungspreis der Stadt Wien. Stipendien sowie Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland wie USA, Korea, Niederlande, Deutschland prägten ihren bisherigen künstlerischen Werdegang.

„Ein großer Teil ihres künstlerischen Arbeitsfeldes ist das Archiv. Subjektive Rechercheprozesse und die Auseinandersetzung mit System- und Ordnungsprinzipien und damit verbunden Ein- und Ausschlussverfahren bilden den Ausgangspunkt vieler ihrer Arbeiten. Dvořák befragt vorgefundenes Ausgangsmaterial inhaltlich wie formal, zerlegt standardisierte Bildwelten und baut an abstrakt-fiktiven Abbildungen von Welt(en) und Wissen, die man als Interpretationen von Geschichte und räumlicher Beziehungen bezeichnen könnte“, schriebt Salon Wien über die Künstlerin. Mit Hilfe einer Pinzettenschere, jenem für ihre künstlerische Praxis so essentiellen Werkzeug, entnimmt Dvořák Artefakte aus zwei verschiedenen Quellen und fügt sie auf engstem Raum zueinander.

Sophie Dvořák, The Triad (Archaeology of the Future), 2014, Collage auf Papier, 29,7x42 cm (40x50 cm)

Sophie Dvořák, The Triad (Archaeology of the Future), 2014, Collage auf Papier, 29,7 x 42 cm (40 x 50 cm)

„Sophie Dvořák ist Sammlerin und Reisende. Systematisch sammelt sie Bilder, Bücher und Fundstücke; diese Artefakte und Fragmente trägt sie zusammen, kategorisiert, archiviert, re-archiviert und präsentiert sie mit einer fast archäologischen Methodik. Sie beschreibt dies als „subjektiven Rechercheprozess“. Ausgangsmaterialien werden inhaltlich wie formal befragt und in Relation zu der vorherigen Funktion und Bedeutung gesetzt. Dabei interessiert sich die Künstlerin abstrakt für Zusammenstellungen und ästhetische Ordnungen, die sie im Zuge ihrer Arbeit entwirft und in Bezug zum medialen Hintergrund des Materials stellt. Über Neuordnung, Interpretation und Abstraktion wird dieses Material be- bzw. verarbeitet.

Es entstehen Werke die zwischen der Präzision ihrer Arbeitsweise einerseits und dem intuitiven Prozess andererseits ein komplexes Gleichgewicht halten. [...] Übereinstimmend mit den bereits zum Markenzeichen für Dvořáks Arbeitsweise gewordenen rhizomatischen Panoptika, erhalten wir Einblicke in Welten, wo Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart ineinander verwoben sind“, so die Autorin Melissa Lumbroso über die Künstlerin. Als Weiterführung ihrer jahrelangen Beschäftigung mit Atlanten und Landkarten entwickelte Dvořák Objekte, in denen das kartographische Material in die Dreidimensionalität erweitert wird. Die Landkarte in der die Realität mittels Linien dargestellt wird, wird wieder zu einer dreidimensionalen, haptisch erfahrbaren Landschaft.

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Sophie Dvořák, War of the Utopian Worlds. part V. (Archaeology of the Future), 2013, Collage auf Museumskarton, 50 x 50 cm

Sophie Dvořák, War of the Utopian Worlds. part V. (Archaeology of the Future), 2013, Collage auf Museumskarton, 50 x 50 cm


Nina Rike Springer

Nina Rike Springer wurde 1976 in Klagenfurt geboren. Sie studierte künstlerische Fotografie an der Universität für angewandte Kunst in Wien und an der Bauhaus-Universität in Weimar. 2011 wurde die Künstlerin mit dem Bank Austria Kunstpreis Kärnten ausgezeichnet, 2012 erhielt sie das Staatsstipendium für bildende Kunst, Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur und 2016 den „outstanding artist award", für Künstlerische Fotografie. Die Video- und Fotoarbeiten der Wiener Künstlerin entstehen an der Schnittstelle von Performance, Fotografie und bewegtem Bild. Sie arbeitet mit einem Zeichensystem aus Figuren und Posen, die aus alltäglichen Verrichtungen abgeleitet sind.

Oft setzt sie den eigenen Körper als Ausgangspunkt dieses abstrakten Systems in Bezug zu Gegenständen, die von ihr erprobt, verwendet, animiert werden. Humorvoll thematisiert Nina Rike Springer so den Konflikt zwischen verschiedensten menschlichen Befindlichkeiten und den technischen Zwängen unserer bis ins Letzte durchorganisierten Gesellschaft. Ein klarer Bildaufbau, der sich an der Formensprache von Bauhaus und Konstruktivismus orientiert, aber auch Humor und die Dynamik sind charakteristisch für ihre Fotoarbeiten. "Meine Figuren haben den Wunsch und Drang, die Bilder zu ordnen“, so die Künstlerin. Tatsächlich sind diese Bildräume bevölkert von Figuren, die, angetan mit androgynen unifarbenen Phantasieoutfits, ungemein geschäftig wirken. Sie folgen absurden Choreografien, führen Verrenkungen aus, gehorchen geheimen Bewegungscodes.

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 Nina Rike Springer, Manöver, 2014, C-Print, Ed. 3+IIAP, 100x100 cm

 Nina Rike Springer, Manöver, 2014, C-Print, Ed. 3+IIAP, 100x100 cm

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