Verjüngungskur für die Tefaf

Messestand Wienerroither & Kohlbacher Fine Arts | Courtesy Wienerroither & Kohlbacher Fine Arts

Es hat sich einiges getan, auf der Tefaf. Die Mutter aller Kunstmessen, wie die führende Messe für Kunst und Antiquitäten gerne genannt wird, die vor allem auf alte Kunst in musealer Qualität spezialisiert war, befindet sich in einem Veränderungsprozess.


Sparten wie Antiquitäten, Alte Meister und auch Kunsthandwerk verlieren immer mehr Marktanteile. Um langfristig überleben zu können braucht es eine Verjüngungskur. Und das spürt und sieht man. Seit dem Vorjahr hat sich viel verändert. Neuerdings müssen sich die Händler jedes Jahr neu bewerben. Die Standgarantie gibt es nicht mehr. Das sorgt für mehr Konkurrenz und damit mehr Qualität. Unter vorgehaltener Hand sagt ein Händler, dass auf diese Weise manche Aussteller, die beim Programm qualitativ nicht mehr mithalten konnten ihren Platz räumen mussten.

„Von selbst wären sie sicher nicht gegangen“, so der Händler, der nicht genannt werden wollte. Dafür gibt es 40 Neuaussteller. Die Anzahl wurde aber nicht aufgestockt. Stark zugelegt hat die Sparte Moderne, die auch die zeitgenössischen Galerien umfasst und 14 Neuzugänge verzeichnet. Insgesamt stellt die Sektion 57 der insgesamt 279 Aussteller. Diesmal ist es der Tefaf auch gelungen führende Namen bei den zeitgenössischen Galerien zu akquirieren, wie die Galerie Gmurzynska, Simon Lee, Hetzler, Fergus McCaffrey, Pace und Sprüth Magers.

Wobei sowohl Pace als auch Gmurzynska bei einem früheren Verjüngungsversuch der Tefaf vor mehr als zehn Jahren schon einmal einen Versuch gestartet haben. Heuer sind sie zurückgekehrt, nicht zuletzt, weil sie sich jetzt in guter Gesellschaft befinden. Doch der Austausch von 40 Ausstellern hat auch für Unmut gesorgt. Schließlich ist die Tefaf eine Messe, die von den Händlern selbst betrieben wird.

Manch langjähriger Aussteller, der plötzlich ohne Vorwarnung nicht mehr zugelassen wurde, ist brüskiert. „Wir müssen uns vielleicht eine andere Lösung überlegen, dass Händler nicht von einem Jahr auf das nächste ohne Vorwarnung rausgeworfen werden können“, hat Michael Beck von der Deutschen Galerie Beck & Eggeling, selbst langjähriger Aussteller und Mitglied in einem Thinktank zur Weiterentwicklung der Tefaf, Verständnis für die Verärgerung. Für viele Händler ist die Tefaf einer der wichtigsten Umsatzbringer im Jahr.


Moderne Präsentation

Bei einem ersten Rundgang fällt auf, dass sich auch bei den Ständen einiges verändert hat. So ist die Sparte Tribal Art zu Design gewandert und insgesamt kommen die Standpräsentationen moderner daher. Man könnte sagen, es findet eine gegenseitige Annährung statt. Die Aussteller der zeitgenössischen Kunst setzen auf Klassiker oder auf Kunst, die traditionellen Sammlern gefallen könnte. Die Händler der alten Kunst präsentieren ihre Ware in modernem Kontext.

Gleich ganz dem digitalen Zeitalter hat sich der Londoner Antiquar David Crouch verschrieben, der zu seinem alten Stadtplan von Paris eine Virtual Reality-Brille am Stand hat, mit der man über die Stadt fliegen kann. Die Karte bietet er für 35.000 Euro an, die VR-App gibt es als Draufgabe. Viele der Tribal Art und auch Antikenhändler haben ihre Ware modern inszeniert, wie beispielsweise das Kopffragment aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. am Stand von Cahn. Preislich liegt es bei 330.000 Euro.

Umgekehrt widmet die Pace Gallery ihren ganzen Stand Piet Mondrian. Die 18 Gemälde und Zeichnungen stammen aus der persönlichen Sammlung des Händlers und engem Freund Mondrians, Sidney Janis. Zu den Höhepunkten gehört „Reclining Nude“ von 1910, das zu einem entscheidenden Zeitpunkt in der Karriere des Künstlers entstanden ist und für 5,5 Millionen Dollar angeboten wird.

Die Galerie Sprüth Magers präsentiert mit Rosemarie Trockel eine der Grandes Dames der zeitgenössischen Kunst und trifft mit der Soloshow ihrer Keramikskulpturen auch den Zeitgeist mehr Kunst von Frauen zu zeigen. Eine Arbeit aus der Ausstellung „Birthmark“ wurde an einen Privatsammler verkauft. Die Arbeiten kosten zwischen 80.000 und 480.000 Euro. Auch die Galerie Gmurzynska setzt auf frühe Moderne zwischen abstrakter und figurativer Malerei. Im Mittelpunkt steht Fernand Légers Werk „Nature Morte au Compas“ von 1929, das 4,5 Millionen Dollar kostet. Gmurzynska konnte mit dem Stand reüssieren, ging doch ein Werk von El Lissitzky mit dem Titel „Selbstporträt (Der Konstrukteur)“ noch am ersten Wochenende an einen privaten Käufer.

Egon Schiele, Sinnende, 1913 | 450.000 EUR | Courtesy Wienerroither & Kohlbacher Fine Arts

Egon Schiele, Sinnende, 1913 | 450.000 EUR | Courtesy Wienerroither & Kohlbacher Fine Arts

Manch langjähriger Aussteller, der plötzlich ohne Vorwarnung nicht mehr zugelassen wurde, ist brüskiert.

Fergus McCaffrey hat sich für das Tefaf-Debüt den Künstler Barry X Ball ausgesucht, der Skulpturen nach klassischen Vorbildern am Computer generiert und mit Hilfe von Fräsrobotern anfertigt. Beim Eingang liegt ein „Schlafender Hermaphrodit“ nach dem Vorbild einer römischen Skulptur, zu haben für 1,9 Millionen Dollar. Als Höhepunkt gilt das Werk „Purity“, das sich an Antoni Corradinis „La Purita“ orientiert. Obwohl die modernen Skulpturen im direkten Vergleich mit den klassischen alten, die hier in hoher Qualität zu finden sind doch etwas platt wirken, scheint es beim Publikum angekommen zu sein, denn die Galerie meldet mehrere Verkäufe.


Die österreichischen Kunsthändler

Österreich ist auf der Tefaf mit vier Händlern vertreten. Der Fotospezialist Johannes Faber ist heuer nicht dabei. Die auf Alte Meister spezialisierte Galerie Sanct Lucas präsentiert an der Außenwand prominent eine unvollendete Atelieransicht von Léon Matthieu Cochereau, die für 120.000 Euro angeboten wird. In der Sektion „Modern“ ist Thomas Salis angesiedelt, der einen Querschnitt seines Galerienprogramms zeigt, darunter Arbeiten von Max Pechstein, Pierre Bonnard und Lucio Fontana, dessen Keramik „Battaglia“ von 1947 Salis am Vernissagetag bereits verkauft hat.

Jugendstilspezialist Wolfgang Bauer von Bel Etage hat ebenfalls einiges verkauft, darunter eine von Erna Kopriva entworfene Tischleuchte, ausgeführt von der Wiener Werkstätte, um 1902, die an eine wichtige in Berlin ansässige Privatsammlung ging, drei Hängeleuchten von Koloman Moser, die für 20.000 Euro nach London gingen sowie eine Wiener Vitrine aus gebogener Buche und Schichtholz, gefertigt von J. & J. Kohn, die ein russischer Privatsammler kaufte. Bauer beobachtet, dass zuletzt mehr russische Sammler auf Jugendstil aufmerksam wurden. „Sie kaufen, um sich damit einzurichten. Das haben wir sonst kaum noch. Sie schicken mir sogar Bilder von ihren Einrichtungen“, freut sich Bauer. In der Ecke des Standes steht der Hingucker: ein Jazz-Quartett von Hagenauer, das er für 350.000 Euro anbietet. „Eigentlich gehört das in ein Museum, aber bisher habe ich nur private Interessenten.“

Über prominentes Interesse freuen sich auch die Kunsthändler Wienerroither & Kohlbacher (W&K). So interessiert sich laut Alois Wienerroither das Chicago Art Institute für Alfred Kubin, dem W&K eine ganze Wand gewidmet hat. Ronald Lauder, der schon mehr als einmal bei W&K gekauft hat, spitzt auf eine Klimt-Arbeit und ein wichtiger griechischer Sammler hat einen Schmidt-Rottluff im Auge. Das Topobjekt gleich an der Vorderwand der Koje ist von Joan Miró und wird für 1,4 Millionen Euro angeboten.

Joan Miró, Femme et oiseau/Frau mit Vogel, 1963 | 1.400.000 EUR | Courtesy Wienerroither & Kohlbacher Fine Arts

Joan Miró, Femme et oiseau/Frau mit Vogel, 1963 | 1.400.000 EUR | Courtesy Wienerroither & Kohlbacher Fine Arts

Beck & Eggeling, die auch in Wien eine Niederlassung haben, feiern heuer 25-jähriges Jubiläum der Galerie und zeigen einen Querschnitt aus dem Programm mit deutschen Expressionisten wie Emil Nolde, von dem während meines Besuchs am Stand ein Werk den Besitzer wechselte, Ernst Ludwig Kirchner und August Macke, Arbeiten der Gruppe Zero, darunter ein großformatiges Nagelbild von Günther Uecker. Anselm Kiefers „Jakobs Traum“ hängt für 440.000 Euro prominent an einer Wand und Magdalena Abakanowicz „Diptère“ von 1967 gibt es für 285.000 Euro.

Generell wurde an den Preview- und Vernissagetagen viel verkauft. Die Stimmung beschrieben die Händler als gut. Was nimmt man als Besucher von der Verjüngung der Tefaf mit? Es wird zum Eldorado für Cross Over-Käufer.

TEFAF Maastricht

Forum 100, 6220 NE Maastricht
Niederlande

Noch bis 24. März

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