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HONGKONG KUNSTMETROPOLE ZWISCHEN GLAMOUR UND GLOBALISIERUNG

AI WEIWEI, Law of the Journey,

Hongkong ist eine Stadt der Gegensätze, chinesisch geprägt auf der Seite Kowloons, noch kolonial westlich beeiflusst auf der Hauptinsel, im Business District, den Shopping Malls und entlang der Bay. Die Megacity mit über sieben Millionen Einwohnern ist nicht nur Finanz- und Handelszentrum,sondern auch mehr und mehr als boomendes Kunstzentrum bekannt.


ART BASEL HONG KONG

Sie ist das jüngste Mitglied der Art Basel-Familie und auf dem besten Weg, „die“ wichtigste Adresse für Sammler und High-End-Kunstinteressierte zu werden. In Basel selbst soll es bereits Befürchtungen geben, dass Hongkong der Muttermesse die Führungsposition streitig machen könnte. In diesem Jahr war die Art Basel Hong Kong, die bereits zum sechsten Mal stattfand und 80.000 Besucher aus aller Welt anzog, eine Messe der Superlative. Schon zum Messestart gab es Verkäufe im zweistelligen Millionenbereich (de Kooning erbrachte beispielsweise 35 Millionen Dollar bei Lévi Gorvy). Dies hatte Signalwirkung, danach ging es Schlag auf Schlag. Auch David Zwirner war in dieser Liga erfolgreich (Verkaufsstart unter anderem mit zwei Werken von Luc Tuymans für drei Millionen Dollar), aber auch bei Thaddaeus Ropac summierten sich die Verkäufe zu einer langen Liste. Sie reichte von Baselitz und Salle bis zu Gilbert & George. Ganz oben: Tony Cragg, für dessen Skulptur Ropac mit 750.000 Dollar einen neuen Spitzenpreis erzielen konnte. Auch Ursula Krinzinger hat den asiatischen Markt schon längst für sich entdeckt. Bereits das achte Mal war die Galerie in Hongkong und zog eine positive Bilanz. Für viele der am Stand vertretenen Künstler wie Brigitte Kowanz oder Eva Schlegel konnte sie Verkäufe tätigen. „Wir proftieren noch von der Messe in Shanghai im letzten November und von unseren seit Jahren gut gepflegten Beziehungen zu chinesischen und asiatischen Sammlern“, hieß es bei Gesprächen auf dem Messestand.

Neu auf der Art Basel auch immersive Kunstwerke, zum Beispiel am Stand des taiwanesischen Technikpartnersder Messe, HTC VIVE, die erste VR-Arbeit von Marina Abramovic, „Rising“, eine Arbeit zum Klimawandel und Anish Kapoors „Into Yourself,Fall“. Wird Hongkong zur neuen Drehscheibe für zeitgenössische Kunst auf einem immer globaleren Markt?

Tony Cragg, Justine, 2015, Stainless steel, ca. 1400 kg, 260 x 98 x 110 cm (102,36 x 38,58 x 43,31 in) Version 2, (TC 1149), ©Tony Cragg/DACS, London 2018. Photo: Michael Richter

Tony Cragg, Justine, 2015, Stainless steel, ca. 1400 kg, 260 x 98 x 110 cm (102,36 x 38,58 x 43,31 in) Version 2, (TC 1149), ©Tony Cragg/DACS, London 2018. Photo: Michael Richter

Die Messe hat eine Reichweite, die weit über China hinausgeht, wir haben es hier mit Sammlern aus den verschiedensten Regionen zu tun – aus Thailand, Malaysia, Singapur und sogar Australien. Es ist ganz klar, dies ist ein Termin, den niemand verpassen will. Die Art Basel Hong Kong ist die Power-Messe für die gesamte asiatisch-pazifische Region.“

Thaddaeus Ropac

ART CENTRAL

Noch ist die Art Basel Hong Kong vor allem eine Plattform für europäische und amerikanische Galeristen, um westliche Kunst im asiatischen Markt zu platzieren. Zunehmend entwickel sich die Messe aber auch für Newcomer und die Blue-Chip-Galerien Asiens zur internationalen Drehscheibe und lässt Shanghai oder Singapur weit hinter sich. 2015 gründeten Tim Etchells, Sandy Angus und Will Ramsay mit Charles Ross eine zweite Messe in unmittelbarer Nachbarschaft
zur Art Basel Hong Kong: die ART CENTRAL. Keine Mini-Art-Basel, sondern eine Plattform für die aufstrebende Kunstszene, die sich mit europäischen und amerikanischen Galerien in Austausch bringen möchten. 102 Galerien waren in diesem Jahr vertreten, davon 30 Newcomer. Rund 75 Prozent der Galerien kamen aus der asiatisch-pazifischen Region. Unter den wenigen europäischen Ausstellern fallen die Stände der Galerie Forsblom (Helsinki), Anita Beckers (Darmstadt) und Christa Schübbe (Düsseldorf ) auf. Die Wiener Galerie Lukas Feichtner präsentierte sich bereits zum vierten Mal auf der ART CENTRAL und zeigte ein hervorragendes österreichisches Programm, mit Xenia Hausner, Richard Kaplenig, Hannes Mlenek und Herrmann Nitsch. Nitsch wird in diesem Jahr durch  Vermittlung der Galerie in Jakarta eine Museumsausstellung bekommen.

ART CENTRAL Hong Kong, Galerie Feichtner  ©  Galerie Feichtner

ART CENTRAL Hong Kong, Galerie Feichtner  ©  Galerie Feichtner

HONGKONGS GALERIENSZENE

Schon heute wird ein Fünftel des weltweiten Kunstumsatzes in China getätigt. Ein Highlight der Messewoche war die Eröffnung des neuen, 24-stöckigen Galerie- und Lifestyle-Gebäudes H Queen’s. Entwickelt wurde der Turm von dem Architekten, Sammler und Künstler William Lim und seinem Büro CL3 Architects. Inzwischen haben bereits sieben der weltweit führenden Galerien dort ihre neuen Räume bezogen – die Monatsmieten sollen bei 200.000 HKD liegen.

Neu in Hongkong ist die Galerie David Zwirner, die Wolfgang Tillmans erste Ausstellung in Hongkong ausrichtete. Hauser & Wirth gelang mit dem amerikanischen Maler Mark Bradford eine Punktlandung. Die Pace Gallery zeigte Yoshitomo Nara, während eine der führenden Galeristinnen Asiens, Pearl Lam, mit Glasobjekten des Italieners Arcangelo Sassolino eine europäische Position vorstellte. Zu den spannendsten Galerien in Hongkong zählt auch ORA ORA, die mit den Arbeiten des chinesischen Künstlers Xiao Xu einen Einblick in die zeitgenössische Tuschmalerei gab. Sicher eine der meistdiskutierten Arbeiten stellte Ai Weiwei bei Tang Contemporary aus: ein den großen Raum sprengendes, vollbesetztes, aufblasbares Flüchtlingsboot aus schwarzem PVC. Nur wenige Minuten entfernt findet man Axel Vervoordts Galerie. Um die Ecke steht Hongkongs erstes Galeriehaus, das Pedder Building, unter anderem mit Hanart TZ, Gagosian und Simon Lee. Wer junge zeitgenössische asiatische Kunst sucht, dem sei der South Island Cultural District empfohlen. Daneben existieren auch alternative Räume, wie das 1996 von  Künstlern gegründete Kunstzentrum Para Site.

M+ M+ BAUSTELLE IM WEST KOWLOON CULTURAL DISTRICT Courtesy by West Kowloon Cultural District AuthorityIM WEST KOWLOON CULTURAL DISTRICT

M+ BAUSTELLE IM WEST KOWLOON CULTURAL DISTRICT Courtesy by West Kowloon Cultural District Authority

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