4/2010 - Skulptur

04/10

Editorial - Skulptur

Sie finden sich als skulpturale Darstellung im Schrein, als Dekoration, Freiplastik oder als Schmuck von Säulen. Die Rede ist von Heiligen und ihren Attributen in der Romanik und Gotik, die zumeist auch auf das entsprechende Martyrium Bezug nehmen und um das sich vielfach eine Legende rankt. Skulpturengruppen aus der Barockzeit erzählen mit ihren Attributen auch eine lebendige Geschichte. Werner Telesko hat sich darauf spezialisiert und gibt in seinem Artikel anschauliche Beispiele, die vielleicht ein Anstoß sind, sich
wieder einmal näher mit dieser Materie auseinander zu setzen.
Ähnlich spannend gestaltet sich das Phänomen des Bildhauerentwurfs, dem Kurt Rossacher verfallen war. Die sogenannten Bozzetti aus seiner Sammlung bilden den Grundstock des heutigen Salzburger Barockmuseums. Die jetzige Leiterin, Regina Kaltenbrunner, vermittelt hier einige Beispiele der Entwurfsstadien.
Der Name Schwanthaler ist nicht nur in Oberösterreich ein Begriff. Von dieser Bildhauerfamilie haben wir Thomas Schwanthaler herausgegriffen, der durch seine Darstellung der Gottesmutter und den pausbäckigen Kindern eine unverwechselbare "Handschrift" hinterlassen hat. Lothar Schultes, Direktor des Schlossmuseeums in Linz, berichtet über Schwanthalers Bedeutung in der Kunst.
Ein ganz anderes Thema beleuchtet Johann Kräftner in seinem Artikel "Weiß oder Bunt". Viele Werke verloren im Laufe der Zeit – auch durch Unkenntnis der Restauratoren – deren farbige Fassung. Der Kefermarkter Altar in Oberösterreich oder das Parlament in Wien sind zwei Beispiele, die das dokumentieren. Heute kann man in den Museen bereits nachvollziehen, dass die Bauwerke der Griechen und Römer farbig bemalt waren. Der sogenannte "Polychromiestreit" steht nach wie vor zur Diskussion.
Wie man die besten Künstler seiner Zeit zur eitlen Selbstdarstellung nutzt, zeigt das Grabmahl von Kaiser Maximilian I. in der Innsbrucker Hofkirche, dessen ehrgeiziges Projekt er selbst nicht mehr erlebt hat. Aus heutiger Sicht ist das Maximiliansgrab das Ergebnis eines tragischen Scheiterns, wie Edith Schlocker in ihrem Artikel ausführt.
Nicht unerwähnt bleiben sollten in diesem Zusammenhang zahlreiche Gartenskulpturen, die Ende des 17. Jahrhunderts von aristokratischen Familien in Auftrag gegeben wurden. Namen wie Giovanni Giuliani, Lorenzo Mattilli und Raphael Donner waren die Meister, die für die damaligen Fürstenhäuser tätig waren. Johann Kräftner beschreibt deren Bedeutung für die noch vorhandenen Schlossparkanlagen mit den Problemen des Steinmaterials.
Dieser kleine Ausflug in die Vergangenheit wird hoffentlich auch Sie interressieren.
Der Kunstmarkt für Skulpturen ist klein und im Topniveau überschaubar.
Ulrich Hofstätter (Hofgalerie) erzählt zum Beispiel von internationalen zeitgenössischen Künstlern, die sich mit alter Kunst bester Qualität auskennen und so den Bogen von Alt zum Zeitgenössischen spannen. Das Interesse beschränkt sich jedoch auf den internationalen Markt. Auf höchstem Niveau und ohne Rücksicht auf Marktströmungen ist laut Hofstätter der Kunstmarkt auf dem Sektor der Skulptur immer gefragt, wenn die Parameter der Qualität stimmen.

Viel Lesevergnügen wünscht Ihnen
Charlotte Kreuzmayr

AutorInnen

Mitarbeiter Heft 4/2010: Annette Ahrens, Mag.a Silvie Aigner, Prof. Peter Back-Vega, Daghild Bartels, Silvia von Bennigsen, Anna Brenken, Mag.a Sophie Cieslar, Dr. Herbert Giese, Mag.a Daniela Gregori, Bettina Hoyos, Dr. Marianne Hussl-Hörmann, Dr.
Johannes Jetschgo, Dr. Regina Kaltenbrunner, Birgit Kilp, Dr. Johann Kräftner, Mag.a Elisabeth Krimbacher, Mag.a Susanne Längle, Dr. Claudia Lehner-Jobst, Mag.a Clarissa Mayer-Heinisch, Dominikus Müller, Dr. Maria Rennhofer, Nikolaus Schauerhuber, Nina Schedlmayer, Dr. Edith Schlocker, Dr. Lothar Schultes, Dr. Johanna Schwanberg, Dr. René Spitz, Mag.a Karla Starecek, Mag. Florian Steininger, Dr. Werner Telesko, Mag. Peter C. Vogel, Gudrun Weinzierl, Dr. Hanne Weskott, Franz Zoglauer, Dr. Margit Zuckriegl.