3/2013 - Künstlerrefugien

03/13

Editorial

Künstleroasen

Wir kennen die Werke vieler Künstler, haben über sie gelesen oder von ihnen gehört. Aber wie sieht das Umfeld aus, von dem sie sich inspirieren lassen? Wohin ziehen sie sich zurück, wenn sie wirklich arbeiten und kreativ werden? Wir konnten dieses Thema diesmal variiert angehen und auch internationale Künstler miteinbeziehen.

Vor kurzem wurde in New York Donald Judds Atelier und auch Hauptwohnsitz, den er bis zu seinem Tod im Jahr 1994 benützt hat, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Aber wer kennt sein Lebenswerk in Texas? Als einer der bedeutendsten Vertreter der Minimal-Art entwickelte er in akribischer Vorarbeit mit Entwurfs- und Werkzeichnungen seine Raumkonzepte. Das Markenzeichen des US-Amerikaners wurden geometrische Formen, die er in verschiedenen Materialien realisierte. In Marfa, Texas schuf er auf einem Areal von 140 Hektar eine Oase für Kunstschaffende – einen Platz für sich und Arbeiten seiner Künstlerfreunde. Silvia von Bennigsen besuchte das El Dorado am Ende von Amerika.

Ein ganz anderes Ateliergelände suchte sich der deutsche Künstler Anselm Reyle, der mit Neonfarben und glänzenden Folien arbeitet. Ein ehemaliger Industriebezirk mit viel Wasser und Grünfläche im ehemaligen Ostberlin gelegen, scheint als verfallene Ruine das geeignete Areal für Reyles Künstleranwesen zu sein.

Passend für dieses Thema fand ich auch das seit 2010 laufende Projekt „Artist in Residence“ der Galerie Krinzinger in Westungarn. Umgeben von Weinbergen fanden sich ehemalige Gebäudetrakte, die renoviert und für Wohn- und Studiozwecke nutzbar gemacht wurden. In einer Art Künstlerkolonie arbeiten ausgewählte KünstlerInnen, deren Werke nach ein paar Wochen in einer gemeinschaftlichen Ausstellung vor Ort präsentiert werden.
Auch die Praterateliers passen in dieses Genre, die als Ausstellungspavillons für die Weltausstellung 1873 errichtet wurden. Heute unterstehen sie dem Verantwortungsbereich des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. Leer stehende Ateliers wurden kürzlich neu vergeben. Wir haben einige Künstler besucht und nach ihren Erfahrungen gefragt.

Dann fuhren wir ins südlichste Burgenland und nördlichste Waldviertel. Im nördlichen Pfaffenschlag wurden wir herzlich von Franz Xaver Ölzant begrüßt. Beeindruckende Granitformen beherrschen die Landschaft und den weitläufigen Künstlergarten. Im Atelierhaus und in der Scheune gruppieren sich Ölzants Objekte der letzten Jahrzehnte, wobei der Stein nur eines der Materialien ist, in denen sich Ölzant verwirklicht.

Mit Walter Schmögners Refugium an der Grenze zu Ungarn und Slowenien tauchten wir ein in die Welt der Insekten und Treppen. Die malerische Gegend war schon in den 80er-Jahren von vielen Künstlern bevölkert, die sich im „Club an der Grenze“ formierten. Heute ist es dort ruhig geworden – das ehemalige Wirtshaus im Nebenort gibt es auch nicht mehr. Die Landschaft aber und Schmögners Atelierräume bieten genug Rückzug für seine Inspirationen.

Viel Lesevergnügen wünscht Ihnen
Charlotte Kreuzmayr

AutorInnen

Mitarbeiter dieser Ausgabe: Mag. Silvie Aigner, Mag. Carl Aigner, Christa Armann, Silvia von Bennigsen, Anna Brenken, Mag. Sophie Cieslar, Sabrina-Victoria Deisinger BA, Dr. Sabina Fliri, Dr. Herbert Giese, Mag. Daniela Gregori, Peter Grubmüller, Dr. Marianne Hussl-Hörmann, Dr. Johannes Jetschgo, Linda Klösel, Dr. Johann Kräftner, Mag. Olga Kronsteiner, Dr. Claudia Lehner-Jobst, Mag. Clarissa Mayer-Heinisch, Mag. Ursula Maria Probst, Dr. Maria Rennhofer, Dr. Edith Schlocker, Dr. Andrea Schurian, Mag. Karla Starecek, Dr. Elisabeth Voggeneder, Gudrun Weinzierl, Dr. Hanne Weskott, Franz Zoglauer