3/2012 - Sammlungen

03/12

Editorial

Sammlung

Die Vernetzung von Kunst und Wirtschaft hat verschiedene Facetten angenommen und ist ein fixer Bestandteil für viele Unternehmen geworden. Die Grundeinstellung eines Unternehmens, geht ja immer von der Führungsebene aus und so ist es nicht selbstverständlich, wenn bei einem Wechsel an der Spitze das kulturelle Engagement erhalten bleibt und weiter geführt wird. 
So geschehen bei der EVN - Sammlung, die 1995 begonnen hat, Kunst an zu kaufen. Von Anfang an wurde ein fachkundiger Beirat bestimmt, der Ankaufsvorschläge unterbreitet und die Vorstände der EVN mit für sie fremder Kunst konfrontiert. Spannungsreiche Diskussionen sind durchaus gewünscht und die Auseinandersetzung mit der Kunstsammlung als Kommunikationsbasis bei den Mitarbeitern waren nur am Anfang irritierend. Somit fungiert die EVN sowohl als Sponsor als auch als Kunstvermittler.
Wir haben sieben weitere beispielgebende Sammlungen herausgegriffen, die alle an einem Strang der Partnerschaft von Kunst und Wirtschaft ziehen, jeder vertritt dabei sein eigenes Modell. Die "Kontakt Kunstsammlung der Erste Group und ERSTE Stiftung" hat sich auf die Kunst von Ost- Zentral- und Südeuropa spezialisiert unter Einbeziehung von Film und Video. Aufgrund fehlender vernetzungs- und produktions fördernder Strukturen in diesen Ländern sind es die Ausstellungen der Erste Group, die dort als Nachrichten-, Informations- und Kommunikationsträger fungieren. Auch hier wird die inhaltliche Ausrichtung von einen internationalen Kunstbeirat bestimmt.
Die Oesterreichische Nationalbank hat schon in den 80er-Jahren angefangen österreichische Malerei der Zwischenkriegszeit zu sammeln. Heute ist die zeitgenössische Kunst dazu gekommen und wird laufend ergänzt. Die angekauften Werke hängen in den Büros und Gängen und sind in Puplikationen dokumentiert.
Die größte Privatsammlung von Deutschland besitzt Ingvild Goetz. Die gelernte Werbekauffrau zeigt zweimal im Jahr einen Teil ihrer 4.500 Werke in einer Ausstellung in ihrem Privatmuseum und verleiht innerhalb eines Jahres um die 300 Werke aus ihrer Sammlung an bedeutende Museen in der Welt. Ihren persönlichen Einsatz konfrontiert sie mit den neuesten Entwicklungen am Kunstmarkt und einer vorbildhaften Bestandspflege.
Wenn ein Sammler auch ein engagiertes Verhältnis zur zeitgenössischen Architektur hat, dann entsteht ein spektakulärer Museumsbau wie im Kärntner Neuhaus, wo Herbert W. Liaunig seine Privatsammlung öffentlich zugänglich gemacht hat. Was sich jetzt als Sammlung österreichischer Kunst ab 1950 präsentiert, zeigt seinen persönlichen Zugang, der ständig Neuerwerbungen miteinbezieht. 
Herbert W. Liaunig hat schon lange davor gesammelt und besitzt in seinem Schloss in Neuhaus eine wunderbare Sammlung an Barockgläsern, Miniaturen und eine atemberaubende Bibliothek. Sein wissender Zugang ist groß und auch deshalb faszinierend, weil es verschiedene Ebenen miteinbezieht.
Den Wiener Anwalt und Sammler Ernst Ploil haben wir schon einmal als Wissenden unter Wissenden betitelt. Diesmal haben wir ihn mit Fragen des Psychologen und Psychotherapeuten Diethard Leopold konfrontiert. Es kam ein interessantes Gespräch heraus, das nicht nur auf einzelne Kunstwerke eingeht sondern auch auf den psychologischen Hintergrund des Sammlers. Als Sammler und Förderer zeitgenössischer Kunst sieht sich Hans Peter Haselsteiner, der privates Engagement ebenso wichtig hält wie öffentliche Förderung. Der Strabag-Chef strebt kein Museum an, sondern ist überzeugt, dass die Kunst heute für seine Mitarbeiter eine Bereicherung darstellt. 
Für Immobilienunternehmer und Kunstliebhaber Martin Lenikus führte die Unterstützung junger Künstler letztendlich zu seiner Sammlung.

Interessante Lesestunden wünscht Ihnen
Charlotte Kreuzmayr

AutorInnen

Mitarbeiter dieser Ausgabe: Konstantin Adamopoulos, Mag. Silvie Aigner, Prof. Peter Back-Vega, Daghild Bartels, Silvia von Bennigsen, Univ. Prof. Dr. Mag. Matthias Boeckl, Anna Brenken, Sabrina-Victoria Deisinger, Dr. Herbert Giese, Mag. Daniela Gregori, Dr. Brigitte Huck, Dr. Marianne Hussl-Hörmann, Birgit Kilp, Dr. Elisabeth Krimbacher, David Komary, Mag. Olga Kronsteiner, Dr. Claudia Lehner-Jobst, Dr. Diethard Leopold, Mag. Clarissa Mayer-Heinisch, Dr. Ernst Ploil, Dr. Maria Rennhofer, Dr. Edith Schlocker, Dr. Johanna Schwanberg, Mag. Karla Starecek, Mag. Florian Steininger, Paulina Szmydke, Dr. Florian Weiland Pollerberg, Gudrun Weinzierl, Dr. Hanne Weskott, Franz Zoglauer.