Johanna Strobel in der Städtischen Galerie Cordonhaus Cham

Johanna Strobel, Augenbricks, ceramics, variable sizes, 2019

Städtische Galerie Cordonhaus Cham

Propsteistraße 46, 93413 Cham
Deutschland

KünstlerIn: Johanna Strobel

Titel: ON HOLD ON

Datum: 6. Juli 2019 – 11. August 2019

Fotografie: Dominik Bindl

Ausstellungstext:

Für ihre erste umfangreiche Einzelausstellung ON HOLD ON in der Städtischen Galerie Cordonhaus Cham hat Johanna Strobel die Räume transformiert. Wo Fenster waren eröffnen nun Gucklöcher ungewohnte Perspektiven auf Satellitenschüsseln, Zerrspiegel oder einen Zeigefinger, der auf den Betrachter zurückverweist. Trompe l’oeil Wandgemälde von Türen schaffen die vollkommene Illusion von weiteren Räumen.

Johanna Strobel arbeitet mit dem Raum, nicht gegen ihn. Ihre Terrakotta-Multiples nehmen direkt Bezug auf den Terrakotta-Fußboden des Renaissancegebäudes, es ist wie als würde der Boden selbst die Skulpturen hervorbringen. Das Terrakotta oder Ziegelstein-Motiv findet sich in anderer Form auch auf den Kissenbezügen der Museumshocker oder dem Vorhang durch den, wie durch die Wand, einer der Räume betreten wird.

Johanna Strobel erforscht durch ihre eigene idiosynkratrische Logik, wie Gegenstände als von Subjekten beobachtete und wahrgenommene Dinge Bedeutung erlangen - allgemein und persönlich - und wie wir Bedeutungen schaffen und nach einer Agenda suchen, selbst aus einer starken Ambiguität oder einer inhaltlichen Illusion heraus. In ihren seriellen Malereien und Skulpturen tauchen immer wieder dieselben Motive auf. Sie entstammen einem Fundus wiederkehrender Objekte und Wörter, die sich kontinuierlich in Johanna Strobels Arbeiten wiederfinden und die sie als Vokabeln, Zeichen oder Symbole innerhalb ihres Systems von Arbeit zu Arbeit manipuliert und neu interpretiert. Objekte werden nicht nur durch ihren Zustand und ihre Attribute definiert, sondern auch durch ihre Beziehungen zu einander. Objekte können also wie Wörter eine Syntax haben und gelesen werden. Johanna Strobel’s Spiel mit Objekten- als-Wörter und ihr Verwenden außerhalb der herkömmlichen und strukturierten Weise, verstärkt die Bedeutung, kehrt sie um und generiert neue Zusammenhänge.

Das präzise und vielschichtige, eingängige und durchdachte Verwirrspiel der Ausstellung oszilliert zwischen Suggestion und Transparenz. Eine verführerische oder dekorative Ästhetik, ein Diagramm, eine geometrische Struktur oder eine scheinbar zugrundeliegende mathematische Formel ist wie ein Kartentrick. Narrationen schaffen Vertrautheit im Fremden. Humor wird wahrgenommen, wenn zwei verschiedene Referenzbilder kollidieren und die Inkongruenz zwischen einem Konzept und dem damit verbundenen Objekt erkennbar wird. Ein unvorhergesehener Perspektivwechsel, häufig zu einer trivialeren Sichtweise, findet statt und ermöglicht Einblick in eine unerwartete Verbindung.

Johanna Strobel graduierte in Informationswissenschaft, Mathematik und Kunsterziehung bevor sie Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München studierte und ihr Studium als Meisterschülerin von Gregor Hildebrandt abschloss. Sie ist derzeit MFA-Kandidatin am Hunter College in New York City.