Berlin Program for Artists (BPA) Ausstellung bei FRAGILE, Italic & Beach Office, Berlin

Berlin Program For Artists (BPA) exhibition, 2019, Ausstellungsansicht, FRAGILE, Berlin

FRAGILE | Italic | Beach Office

Leipziger Str. 61-63, 10117 Berlin
Deutschland

Künstler: Henri Chopin

Titel: Berlin Program for Artists (BPA) Ausstellung

Datum:  7. März 2019 – 20. April 2019

Fotografie: Courtesy BPA, Fragile, Italic, Beach Office and the artists

Notiz: Kuratiert von Maurin Dietrich & Anna-Lisa Scherfose (Assistenzkuratorin)

Ausstellungstext:

Ein Ritual, das seine Bedeutung bei jeder Wiederholung neu herstellt, bedarf dem produktiven Fehlen eines vorbestimmten Resultats. Für BPA (re-)manifestiert sich dieses Ritual ein Jahr lang in der Struktur jedes zweiten Montags; im Gespräch zweier Personen in dem sich Thematiken herausbilden, Fragen formuliert werden und sich Bedeutungen jedes mal neu her- und darstellen lassen. Die Arbeiten der neun teilnehmenden KünstlerInnen von BPA 2018 stehen im Zeichen dieses Rituals. Es findet seinen Abschluss in einer Ausstellung an drei benachbarten Orte, an denen jeweils drei KünstlerInnen gemeinsam ihre Arbeiten zeigen.

FRAGILE

Die Arbeit von ae73edb7@aeaeaeae.io funktioniert nicht als losgelöstes Objekt sondern als Konstellation – und als Methode um Arbeit und ihr Ergebnis zu visualisieren. Hierarchien einer Narration werden zugunsten multipler Erzählstränge aufgelöst aus denen immer neue Wirklichkeiten im Ausstellungsraum entstehen. Zwischen text- und bildbasierten Elementen entziehen sich die Arbeiten sowohl einem Objektcharakter als auch der Identifikation der Künstlerfigur selbst. Die fotografische Serie Formation von Nadine Hattom zeichnet Spuren von Orten nach, an dem sich Geographie und persönliche Geschichte überlagern. Die Fotografien zeigen die Externsteine - eine Felsformation, die zu den bekanntesten Naturdenkmälern in Deutschland zählt und deren ideologischer, religiöser oder gesellschaftlicher Nutzen bis heute mysteriös ist. Hattom setzt die Steine jeweils für Figuren in Familienportraits ein - zwei räumlich und zeitlich getrennte Kontexte überlagern sich dabei und erforschen die Gegenwart durch den Kontext der Vergangenheit. Zunächst scheint es, als würden wir die Unterseite der großformatigen Malereien von Scott Roben sehen. In ihnen ersetzen Kleidungsstücke aber auch der Abdruck bzw. die Unterseite von Sneakern die dargestellte Person. Es erscheint eine angedeutete körperliche Orientierung und ein sexueller Assoziationsrahmen, der sich den BetrachterInnen jedoch sofort wieder entzieht und neu formiert.

BEACH OFFICE

Yalda Afsah´s Film Tourneur folgt den skurrilen Abläufen eines Stierkampfes in einer schaumgefüllten Manege im Süden Frankreichs. Sie ist Schauplatz des Ausdruckes von Angst, Gesten der Provokation und endlos performter Männlichkeit. Durch Fokussierung, Verlangsamung und einer im Nachhinein künstlich erzeugten Tonebene schafft Afsah eine surreal anmutende Szenerie in der Mensch, Tier, Gewalt und Tanz ineinander zu verschwimmen scheinen. In Aliénor Dauchez Arbeit L’Ailleurs de l’autre erhalten sechs Frauen in einer matriarchalischen Zukunft ein Paket aus dem 20. Jahrhundert. Dieses enthält Ausschnitte eines ethnologischen Klangarchives, dessen Inhalt in Dauchez narrativer Videoarbeit allerdings den Protagonistinnen vorbehalten ist. Nachdem Sie den Klängen lauschen, versuchen sie ihre Bedeutung zu verstehen. Die ausgestellten Fotografien sind das Resultat dieser Beeinflussung, die wiederum von der Zukunft in die Vergangenheit geschickt wurden: Eine singende Modekollektion. Mickael Marmans kleinformatige Serie von Collagen speist sich aus gefundenen und angeeigneten Materialien die auf dem Bildträger der Leinwand zusammen kommen - auf dieser werden sie vielfach bearbeitet, übereinander gelegt und neu kombiniert.

ITALIC

Eine sanfte aber bestimmte Stimme ertönt aus dem Ausstellungsraum bis nach draußen. „You look great“ oder „you smell good“. Yuki Kishinos Installation Music for Flowers besteht aus gesprochenen Komplimenten, die sich keinem Ort zuordnen lassen. Sowohl die Identität des Sprechers als auch der Adressat sind nicht klar definiert. Sind es etwa die Arbeiten die sich hier selbst gegenseitig Komplimente aussprechen oder sind sie an die BetrachterInnen oder gar die Blumen am Boden gerichtet, die in einfachen Plastikflaschen stecken? In Cosima zu Knyphausens kleinformatigen Arbeiten wird unter Verwendung von kunsthistorischen Referenzen ein weiblicher Blick in einem von Männern dominierten kulturellen Feld (re)-konstruiert. Dabei zeichnen die Bilder ein sozio-politisches Terrain nach, in dem die Beziehung zwischen Frauen vielfach mystifiziert wurde und in enger Beziehung zur Fiktion steht. Bildgegenstand der Malereien sind Orte der Komplizenschaft und Intimität - sei es das angedeutete Interieur der Möbel Olfe Bar oder der Lesesaal einer Bibliothek. Die großformatigen Arbeiten Not so into it von Adam Kaplan erinnern an Schultafeln, öffentliche Werbeflächen oder Whiteboards in Startups. Sie bilden Materialien ab, die sich mit dem scheinbar amnesischen Reiz Neuer Medien und Trends auseinandersetzen. Die Arbeit zeichnet Strukturen von Bedeutungsproduktion und Wissensvermittlung zeitgenössischer Kunst nach und lässt die Grenzen neuer künstlerischer Trends und Fetischisierung zusammen fallen.

BPA fördert den Austausch zwischen jungen und etablierten KünstlerInnen in Berlin durch koordinierte Studio Visits und Treffen. Das Programm wurde 2016 von Angela Bulloch, Simon Denny und Willem de Rooij gegründet.

Yalda Afsah (b. 1983, Berlin, Germany) studied at the University of Arts Berlin, Burg Giebichenstein College of Art in Halle and the California Institute of the Arts. She has presented her work at various exhibitions and festivals including Locarno Film Festival, New York Film Festival, Internationale Kurzfilmtage Winterthur, Chicago International Film Festival and Neuer Berliner Kunstverein. She is the recent recipient of Karl-Schmidt-Rotluff scholarship.

Aliénor Dauchez (b. 1984, Annecy, France), studied engineering in Compiègne and fine arts in Berlin and Paris with Gregor Schneider and Giuseppe Penone. Her work has been shown in Theater Basel, Opera Reims, MC2 Grenoble, as well as Biennale Moscow, Galerie DIX9 Hélène Lacharmoise Paris, Schloss Solitude Stuttgart and Kunstverein Hildesheim.

Nadine Hattom (b. 1980, Baghdad, Iraq), now lives in Berlin, studied Photomedia at the College of Fine Arts, Sydney, Australia and has recently exhibited at the 57th Venice Biennale Iraq Pavilion, Arti et Amicitiae Amsterdam, Fotomuseum Antwerp and Marrakech Biennale 6th Edition Parallel Projects.

Adam Kaplan (b. 1987, Jerusalem, Israel) is a graduate of the Fine Arts department in Bezalel Academy, Jerusalem. He has presented his work at various exhibitions and conferences, including Berlinale Forum Expanded, CCA Tel Aviv, Salt Galata Istanbul and CPH:DOX Copenhagen. Yuki Kishino (b. 1982, Kawagoe, Japan) studied engineering, before moving abroad and living in London for several years. In 2011 he enrolled in Prof. Simon Starling’s class at Städelschule, Frankfurt am Main, and graduated from Prof. Peter Fischli’s class in 2016. He now lives in Berlin.

Cosima zu Knyphausen (b. 1988, Houston, Texas, USA) grew up in Santiago de Chile and lives in Germany since 2008. She studied Painting at Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Recent exhibitions include Sentimental Education at Galerie Conradi (Hamburg, DE), The drapes were light at stadium (Berlin, DE), Cuadros para Perú at Die Ecke (Santiago, CL) and Rundgang 50Hertz, a collaboration between 50Hertz and Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin.

Mickael Marman (b. 1983, Oslo, Norway) graduated in 2017 from Staedelschule in the class of Michael Krebber and Willem de Rooij. Previously to that he studied at the HFBK Hamburg, where he obtained his MFA. Recent exhibitions include Colleagues (SangtHippolyt, Berlin), Keeping up appearances w/ Bradley Davies (Neue Essener Kunstverein), The way things go pt 3 (Ps120, Berlin). Group Show (Rüdiger Schüttle Galerie, Munich) Blackberry (Jacky Strenz Galerie, Frankfurt am Main).

ae73edb7@aeaeaeae.io bio: www.aeaeaeae.io

Scott Roben (b. 1989, Philadelphia, USA) holds an A.B. in Visual and Environmental Studies from Harvard University (2012) and an M.F.A. from the Milton Avery Graduate School of the Arts at Bard College (2018). His writing on art has appeared in Frieze and Art in America.