TERRA INCOGNITA // Museum Liaunig

Museum Liaunig
Neuhaus 41, 9155 Neuhaus
Österreich
Mi – So: 10 – 18 Uhr
TERRA INCOGNITA – Kunst-Expedition in ein unbekanntes Nachbarland Tschechoslowakische Kunst zwischen 1948 und 1989 im Dialog mit der Sammlung Liaunig
bis 31. Oktober 2025
In der von Miroslav Haľák kuratierten Hauptausstellung TERRA INCOGNITA – Kunst-Expedition in ein unbekanntes Nachbarland wird Tschechoslowakische Kunst im Dialog mit Arbeiten aus der Sammlung Liaunig gezeigt. Der Kurator beschränkt sich auf die Jahre 1948 bis 1989, die die Phase der Teilung Europas darstellen, in der sich Österreich und die Tschechoslowakei in zwei unterschiedlichen Einfluss-Sphären befanden und der gegenseitige Austausch in der zuvor so organisch gewachsenen soziokulturellen Nachbarschaft radikal unterbrochen wurde.
Da sich die Parameter der Kunstentwicklung in den beiden Ländern nach ganz unterschiedlichen Kriterien formten und die Künstler:innen mit zum Teil völlig unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Herausforderungen arbeiten mussten, sich aber immer in einer historisch kompakten geographischen Sphäre befanden, ist die Ausstellung in sogenannte "Territorien" gegliedert, die der Variabilität und den individuellen Spezifika der Kunstproduktion in diesen Jahrzehnten entsprechen. Anhand der für die Postmoderne typischen Tendenzen zur Figuration, Abstraktion, Geometrisierung und Pluralisierung treffen die jeweiligen Künstler:innen aus Österreich und der Tschechoslowakei in einem inszenierten Dialog aufeinander, in dem die konkreten Phänomene, die sich in den vier Jahrzehnten des Kalten Krieges teils kontinuierlich, teils parallel, teils unterschiedlich entwickelt haben, beleuchtet werden.
Kaum ein Begriff kursiert in der Kunst der ersten Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts so sehr wie der des "Postkolonialen". Er steht im zeitgenössischen Kunstbetrieb für den notwendigen Blick über den Tellerrand der emanzipierten Kunstzentren hinaus auf die Produktion in Ländern, die lange und opferreich um ihre Unabhängigkeit gekämpft haben. Der Begriff verführt aber dazu, das Problem aus der Perspektive der fatalen Kolonialpolitik des 19. Jahrhunderts in den außereuropäischen Regionen zu sehen. Das Problem ist jedoch viel komplexer und komplizierter. Auf dem Kunstmarkt, der immer nach Trends funktioniert, werden immer wieder Produktionen übersehen oder sogar bewusst ignoriert, nur weil sie nicht dem einen oder anderen Kanon entsprechen. So wird es immer blinde Flecken auf der Kunstlandkarte geben, die als uninteressant empfunden werden. Die gegenseitige Wahrnehmung der drei Nachbarländer Österreich – Tschechien – Slowakei ist ein pars pro toto Beispiel dafür, wie eine solche Dynamik im kulturellen Austausch auf der Basis einer geopolitischen Trennung aussehen kann. Drei Jahrzehnte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und nach immer neuen Forschungs- und Institutionsprojekten zur Erkundung und Kontextualisierung der zentraleuropäischen Kunstregion bleibt das gegenseitige Bewusstsein über die jeweilige Positionierung der Kunst im Laufe des 20. Jahrhunderts sehr eingeschränkt.
Nach wie vor ist es deswegen wichtig, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich auch auf unbekanntes Terrain zu begeben, denn erst dadurch wird ein viel breiteres Bild von Parallelentwicklungen, globaler Erscheinungen, aber auch Differenzen, ästhetischen Besonderheiten und anderen künstlerischen Phänomenen in der Kultur der bewegten Nachkriegszeit in Zentraleuropa sichtbar.
Das umfangreiche Ausstellungsprojekt wurde in Zusammenarbeit mit tschechischen und slowakischen Institutionen und Privatsammlungen möglich.
In der Ausstellung sind Arbeiten der folgenden Künstler:innen zu sehen: Milan Adamčiak, Marc Adrian, Jiří Balcar, Juraj Bartusz, Mária Bartuszová, Josef Bauer, Štefan Belohradský, Jiří Bielecki, Hans Bischoffshausen, Vladimír Boudník, Hellmut Bruch, Miloslav Chlupáč, Miloslav Cicvárek, Jarmila Čihánková, Miroslav Cipár, Jiří David, Hugo Demartini, Milan Dobeš, Jiří Georg Dokoupil, Otto Eder, Libor Fára, Rudolf Fila, Stano Filko, Emil Filla, Herbert Flois, František Foltýn, Johann Fruhmann, Michal Gabriel, Roland Goeschl, Franz Grabmayr, Mira Haberernová-Trančíková, Josef Hampl, Jiří Hilmar, Rudolf Hoflehner, Wolfgang Hollegha, František Hudeček, Friedensreich Hundertwasser (Friedrich Stowasser), Josef Istler, Othmar Jaindl, Jozef Jankovič, Čestmír Janošek, Jiří John, H+H Joos (Harold Joos, Hildegard Joos), Martha Jungwirth, Zdeněk Kirchner, Alojz Klimo, Tamara Klimová, Alfred Klinkan, Eva Kmentová, Milan Knížák, Jan Koblasa, Peter Kogler, Jiří Kolář, Stanislav Kolíbal, Július Koller, Jan Kotík, Jiří Kovanda, Viera Krajcová, Radoslav Kratina, Matej Krén, Richard Kriesche, Rudolf Krivoš, Jan Kubíček, Jaroslava Kurandová, Bohdan Lacina, Aleš Lamr, Maria Lassnig, Mariane Maderna, Gottfried Mairwöger, Antonín Málek, Karel Malich, Pavel Maňka, Mikuláš Medek, Juraj Meliš, Jürgen Messensee, Anastázia Miertušová, Josef Mikl, Vladislav Mirvald, Alexander Mlynárčik, Gerhardt Moswitzer, Jiří Načeradský, Rudolf Němec, Karel Nepraš, Pavel Nešleha, Hermann Nitsch, Franz Xaver Ölzant, Peter Oriešek, Marek Ormandík, Hermann J. Painitz, Milan Paštéka, Helga Philipp, Robert Piesen, Josef Pillhofer, Peter Pongratz, Markus Prachensky, Drago j. Prelog, Hannes Priesch, Arnulf Rainer, Erwin Reiter, Franz Ringel, Michael Rittstein, Gerwald Rockenschaub, Hubert Schmalix, Christian Schwarzwald, Zbyněk Sekal, Miloš Ševčík, Agneša Sigetová, Rudolf Sikora, Natálie Šimanová, Adriena Šimotová, Paulína Skavová, Otakar Slavík, Miroslav Šnajdr st., Soshana (Susanne Schüller), Jiří Sozanský, Jakub Špaňhel, Hans Staudacher, František Štorek, Jan Švankmajer, Ján Švec, Zdeněk Sýkora, Laco Teren, Erwin Thorn, Margita Titlová-Ylovsky, Jorrit Tornquist, Miloš Urbásek, Andreas Urteil, Jiří Valenta, Jitka Válová, Aleš Veselý, Jaroslav Vožniak, Max Weiler, Hana Wichterlová, Jan Wojnar, Erwin Wurm, Jana Želibská, Kamila Ženatá und Olbram Zoubek.
Die Ausstellung wird von einem reich illustrierten Katalog begleitet.
Kurator: Miroslav Haľák
Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr





