Galerie Bernd Kugler

Burggraben 6 / II (Hörtnaglpassage), 6020 Innsbruck
Österreich

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Dienstag - Freitag, 13 - 18 Uhr

Samstag 10 - 12.30 Uhr

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Die Formen beginnen zu tanzen

Der Titel seiner jüngsten Werkreihe gibt Rätsel auf. Was ist gemeint? Die Stadt Paris oder die gleichnamige mythologische Figur? Kommt darin seine Freude über das Cité-Stipendium in Paris zum Ausdruck, das Holger Endres 2020 antreten wird, oder seine Begeisterung für den antiken Stoff?

Für das Verständnis seiner Arbeit ist die Antwort unwesentlich. Vielmehr spiegelt die Doppelbödigkeit des Titels den Spielraum wider, in dem sich seine Malerei bewegt: von konkret bis spirituell. Sie verzichtet auf jede Inhaltlichkeit, thematisiert allein die Bedingungen ihrer Herstellung, öffnet zugleich aber auch Denkräume, die assoziativ funktionieren. Die neuen Arbeiten erweisen sich als logische Weiterentwicklung seiner bisherigen Werkreihen, die ihren Ursprung in seinen schwarz-weißen Streifenbildern haben. Auch die aktuellen Bilder sind das Ergebnis einer Mischung aus planvollem Vorgehen, Intuition und Zufall. Zentral für die neue Reihe ‚Paris‘ ist das Motiv des Halbkreises. Es taucht zum ersten Mal in der Serie ‚Miami Beach‘ auf. Hier bilden, die Halbkreise noch eine festgefügte Formation, die das obere Drittel der Bildfläche einnimmt. Wie auf einer imaginären Linie stehen jeweils sechs davon auf ihrer flachen Seite nebeneinander aufgereiht. Schwarze und weiße Formen wechseln sich ab. Von dem ehemaligen Streifenmotiv bleibt nur jeweils ein dünner Rahmen links und rechts stehen, welche die Fläche dazwischen als Leerraum definiert. Diese Rahmung findet ihre Fortführung in den neuen Arbeiten. Sie läuft hier nun rundherum und ist farbig angelegt, dadurch erhält sie eine ganz neue Funktion: die Bildfläche wird zu einer Art Bühne, auf der das Motiv des Halbkreises ein Eigenleben entwickelt. Holger Endres hält Anzahl und Farbe bei, dreht die Halbkreise aber einmal um die eigene Achse, sodass die flache Seite oben liegt. Auf diese Weise entfalten sie eine völlig neue Wirkung. Sie scheinen auf den monochromen Farbflächen zu schweben oder zu segeln. Was spielerisch daherkommt, ist das Resultat eines genauen Austarierens, das keinen Fehler verzeiht und Vertrauen in die eigene Entscheidung verlangt. Wie auch in den vorherigen Serien wird die konzeptuelle Strenge durch handwerkliche Spuren aufgebrochen, die sie zu einer individuellen Malerei machen. Der Arbeitsprozess von Endres ist geprägt von Konzentration und körperlichem Einsatz. Diese Energie überträgt sich auf Raum und Betrachter und verändert ihn.

Darüber hinaus geht Holger Endres mit seinen aktuellen Arbeiten in den Raum hinein. Neben dem dreiteiligen rosafarbigen Paravent tritt ein Ensemble aus mintfarbigen Flaschen auf. Ergänzt durch die Arbeiten an der Wand wirkt diese Installation wie ein Bühnenbild, in dem die schwebende Formation der Halbkreise zum eigentlichen Protagonisten wird. Dieser performative Umgang mit Malerei weist eine Parallele zu Endres langjähriger Beschäftigung mit dem japanischen Butoh- Tanz auf. Wie ein Choreograph weist er jeder Form ihren Platz zu, verleiht ihr körperliche und geistige Präsenz, lässt sie tanzen.

- Dr. Gabriele Rasch

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