Zwei Positionen, ein Thema: Grandits & von Kazinyan bei Salz Vision

Eine ungewöhnliche Dialogausstellung in der Salz Vision Gallery. Es gibt Künstler:innen, die sich gut ergänzen, sei es formal oder technisch. Bei Teresa Grandits und Petra von Kazinyan ist das nicht der Fall. Und doch entsteht in der Duo-Schau „Untauglich für das Leben im Flachland“ eine inhaltliche Klammer, die den Besuch lohnt.
Zwischen Abwesenheit und Anwesenheit, zwischen Andeutung und Expression bewegen sich die Arbeiten von Grandits und von Kazinyan durch beide Stockwerke der noch jungen Salz Vision Gallery. Die Salz Vision Gallery, geleitet von Anne Avramut und Ruslan Stetski, ist erst seit Oktober geöffnet und kann sich dennoch nicht über mangelndes Interesse beklagen – auch, weil hier präzise kuratiert wird. Diesmal bildet Thomas Manns Zauberberg den Referenzrahmen, in dem die beiden Positionen aufeinandertreffen. Anne Avramut spricht von einer „gemeinsamen existenziellen Achse“.
Teresa Grandits (*1985, Wien) lebt in Wien. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Textil, Skulptur, Installation. Auch Petra von Kazinyan (*1976, Gelnhausen/DE) lebt und arbeitet in Wien. Nach einem Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie entwickelt sie eine serielle Malerei, die zwischen Figuration und Abstraktion operiert und Fragen von Identität in einer globalisierten, (post-)digitalen Gegenwart verhandelt. Beide Werke sind autobiografisch. So verwendet Grandits etwa getragene Bomberjacken, rekontextualisiert die Kopfbedeckungen der Großeltern und bindet Erde aus ihrer burgenländischen Herkunft in Objekte ein. Momente werden zum Zustand, Zeit wird anschaulich. Grandits jongliert das Anschauliche mit dem Flüchtigen und experimentiert mit Umrissen der Erinnerung.
Das Loslösen, das Abstrahieren bestimmt auch die in der Galerie gezeigte Serie von Petra von Kazinyan. Die Künstlerin erschafft figurative Landschaften und arbeitet mit kaum fassbaren Hintermalungen und farbschichtiger Tiefenwirkung, auf der sich organische Formen als körperhafte Wolken bewegen.

Teresa Grandits, Paul I., 2026, Mixed Media, Textilie, Erde, 58 x 62 x 40 cm (w/h/d), © Teresa Grandits, Courtesy of Salz Vision Gallery
Beide Künstlerinnen beschäftigen sich mit der Auflösung des Ichs.
Der Titel „Untauglich für das Leben im Flachland“ bezeichnet einen Zeitraum des Umbruchs. Herausgerissen aus der normativen Ordnung ist der Zauberberg ein eigener Mikrokosmos mit besonderen Regeln, losgelöst vom Alltag im Flachland. Wer einmal oben war, so suggeriert der Titel, steht zu sehr über den Dingen, um noch einmal unten, im „wahren Leben“, anzukommen. Dies trifft vielleicht mehr auf das Werk von Petra von Kazinyan zu, das ein gewisses Übermaß an Harmonie suggeriert, Grandits Arbeiten vermitteln derweil eine komplexe Stärke, die vermuten lässt, dass sie durchaus in unterschiedlichen Kontexten kraftvoll bestehen könnten. Beide allerdings, wollen, bei ganz unterschiedlicher Systematik, das Ego ausschalten und in einen neuen Zustand übergehen.
„Die Ausstellung versammelt damit zwei künstlerische Praxen, die Transformation als strukturelle Logik ihres Arbeitens formulieren. Kazinyans Wolkenräume und Grandits’ Körperlandschaften entwerfen Bild- und Skulpturformen eines Subjekts im Übergang, eines Subjekts, das sich in einen anderen existenziellen Zustand eingeschrieben hat“, so Avramut.

Ausstellungsansicht "UNTAUGLICH FÜR DAS LEBEN IM FLACHLAND", Salz Vision Gallery, 2026, Courtesy of Salz Vision Gallery
UNTAUGLICH FÜR DAS LEBEN IM FLACHLAND
Teresa Grandits + Petra von Kazinyan
bis 18. März 2026
Salz Vision Gallery
Salzgries 8, 1010 Wien

Petra von Kazinyan, Modigliani Skin, Blushing, 2023, acrylic on canvas, 180 x 80 cm (w/h), © Petra von Kazinyan, Courtesy of Salz Vision Gallery
LESEN SIE AUCH:


Ein Gespräch über die aktuelle Ausstellung, die Galeriegeschichte und neue Impulse„Fährten“ in der Galerie nächst St. Stephan


