Leonor Antunes

Zurich Art Prize 2019

Das Museum Haus Konstruktiv und die Zurich Insurance Group Ltd gaben vor kurzem die zwölfte Gewinnerin des international renommierten Zurich Art Prize bekannt. 2019 geht der Kunstpreis an die portugiesische Künstlerin Leonor Antunes. Der Preis ist mit CHF 100.000 dotiert, gestiftet von der Zurich Insurance Group Ltd und setzt sich aus einem Budget von CHF 80.000 für die Produktion einer Einzelausstellung im Museum Haus Konstruktiv und einer Preissumme von CHF 20.000 zusammen. Die Ausstellung von Leonor Antunes wird vom 31. Oktober 2019 bis 12. Januar 2020 zu sehen sein.


Aktuell ist die sehenswerte Ausstellung des Vorjahressiegers, Robin Rhode (geb. 1976 in Kapstadt) zu sehen, der die beiden großen Räume im Erdgeschoß mit eindrucksvollen Installationen bespielt. Der Preis wurde 2007 vom Museum Haus Konstruktiv gemeinsam mit der Zurich Insurance Group Ltd, Patronatspartner des Museums ins Leben gerufen und besitzt mittlerweile internationale Reputation. Honoriert wird jährlich eine künstlerische Position, die sich an den Schnittstellen zwischen dem kulturellen Erbe der konstruktiv-konkreten und konzeptuellen Kunst einerseits und gegenwärtigen Tendenzen andererseits bewegt. 


Porträtfoto: Leonor Antunes: Nick Ash

Robin Rhode, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2018. Courtesy der Künstler und kamel mennour, Paris / London. © Foto: Museum Haus Konstruktiv (Stefan Altenburger)

Bisherige Preisträger und Preisträgerinnen waren unter anderem: Marguerite Humeau (geb. 1986 in Cholet / Frankreich), 2017; Nairy Baghramian (geb. 1971 in Isfahan / Iran), 2016;  Latifa Echakhch (geb. 1974 in El Khnansa / Marokko), 2015, Haroon Mirza (geb. 1977 in London), 2014. Der erste Preis 2007 ging an Carsten Nicolai (geb. 1965 in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz). Ausgewählt wird anhand eines Nominierungsverfahrens, zudem Sabine Schaschl, Direktorin am Museum Haus Konstruktiv Kuratoren, Kritiker sowie jeweils einen Künstler, oder eine Künstlerin einlädt. IN diesem Jahr wurde kamen die Vorschläge zum Zurich Art Prize 2019 kamen von: Konrad Bitterli, Direktor Kunst Museum Winterthur; Gianfranco Maraniello, Direktor Museo d’Arte Moderna e Contemporanea di Trento e Rovereto; Marie Nipper, Direktorin Copenhagen Contemporary; Nadia Schneider Willen, Sammlungskonservatorin Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich,  Dr. Holger Kube Ventura, Leiter Sammlung für konkrete Kunst, Kunst-museum Reutlingen/Spendhaus; Dr. Sabine B. Vogel, freie Kuratorin und Kunsthistorikerin, Wien. Nominiert wurden neben Leonor Antunes, Claudia Comte (*1983), Wyatt Kahn (*1983), Eva Kot ́átková (*1982), Magali Reus (*1981) und Ignacio Uriarte (*1972). Die Jury, die aus dieser Shortlist auswählte bestand aus Sabine Schaschl, Direktorin Museum Haus Konstruktiv (Vorsitz); Jacqueline Burckhardt, Kunsthistorikerin und Herausgeberin der Kunstzeitschrift Parkett (bis 2017), Rolf Staub, General Counsel Group Reinsurance at Zurich Insurance Group Ltd; Rein Wolfs, Intendant Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn; Beat Zoderer, Künstler, Zürich. 

Leonor Antunes
Leonor Antunes (*1972 in Lissabon, lebt und arbeitet in Berlin) ist bekannt für ihre raumgreifenden Installationen, in denen sie auf Themen Künstlerpersönlichkeiten aus den Bereichen Architektur, Design und Kunst des 20. Jahrhunderts Bezug nimmt. Nach ihrem Studium im Fach Bühnenbild an der Escola Superior de Teatro e Cinema in Lissabon studierte sie bildende Kunst an der Universidade de Lisboa und an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. 

 

Leonor Antunes: Installationsansicht Whitechapel Gallery, London, 2017. Courtesy die Künstlerin, Whitechapel Gallery, kurimanzutto / Foto: Nick Ash

In ihren kunsthistorischen Recherchen fokussiert sich Antunes auf einzelne Details von Werken – zumeist weiblicher – Kunstschaffender und setzt sie in unerwarteter Weise zu neuen Objekten, Skulpturen und Installationen zusammen. Zu ihren Vorbildern zählen beispielsweise die irische Designerin und Architektin Eileen Gray (1878– 1976) und die in Italien geborene brasilianische Architektin Lina Bo Bardi (1914–1992). Die Künstlerin wählt architektonische Details oder Teile von Möbeln und Objekten aus, die sie anschließend dupliziert, vergrößert reduziert und für ihre eigenen Interpretationen transformiert. Dabei sind ihr der historische Kontext der Werke, ihre Machart und Produktionsweise ebenso wichtig wie die soziale Rolle, welche die Kunst- und Designobjekte einst einnahmen. Den künstlerischen Prozess beschreibt Antunes als einen, der in zahlreichen Schichten stattfindet und skulptural ist insofern, als er die Möglichkeit von Subtraktion und Addition bereithält.  

Leonor Antunes: Installationsansicht Museo Tamayo, Mexico-Stadt, 2018. Courtesy die Künstlerin, Museo Tamayo, kurimanzutto/Foto: Nick Ash

Die Jury ist insbesondere von Leonor Antunes’ ortsspezifisch ausgerichteten Konzeptionen begeistert, die auf Formen und Motive der Moderne rekurrieren und sie in überzeugender Manier skulptural und installativ übersetzen.Mit Antunes wird eine herausragende Gegenwartskünstlerin ausgezeichnet, die in ihrem Werk eine Brücke zur Architektur-, Design- und Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts schlägt. 


 

Museum Haus Konstruktiv

Selnaustrasse 25, 8001 Zürich
Schweiz

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