Zum Nachhören

„Abenteuer. Lob der Unverfügbarkeit“ lautet das Thema des 28. Philosophicum Lech, das etliche Anknüpfungspunkte an brisante Debatten der Gegenwart und zugleich ein weites Panorama an zeitlosen Fragen eröffnet. Unter der Intendanz der Schweizer Philosophin Barbara Bleisch und des langjährigen wissenschaftlichen Leiters Konrad Paul Liessmann wird ein vielfältiges Programm geboten. Offiziell eröffnet wird das Philosophicum heute, 25.09.25, um 16.00 Uhr. Doch bereits am Dienstag und Mittwoch fanden im Rahmen der Dialoge, des Remus Impulsforum und des literarischen Vorabends interessante Veranstaltung statt. Für alle die nicht teilnehmen konnten, gibt es einige Vorträge und Diskussionen zum Nachhören und Nachsehen.
„Das Unberechenbare, das Überraschende, das Zufällige und das Unverfügbare haben in dieser verwalteten und durchgeplanten Welt keinen Platz mehr. Sicherheit gilt als zentraler Wert“, wie im Editorial zum 28. Philosophicum Lech auf die zumeist vorherrschende Vollkaskomentalität verwiesen wird, die allerdings nicht selten mit einem Verlust an Freiheit einhergeht. Doch kann der Mensch sich und seine Umgebung letztlich nie in dem Maß in den Griff bekommt und kontrollieren, wie er sich das einbildet oder erwartet. Und solch eine Unverfügbarkeit in vieler Hinsicht ist womöglich auch gut so. Einen Einstieg in das Thema gibt auch das Interview mit Konrad Paul Liessmann im aktuellen PARNASS.
Auftakt zum 28. Philosophicum
Am Dienstag und Mittwoch wurden in den Philosophicum Dialogen und auch im Remus-Impulsforum bereits brisanten Fragen zu gegenwärtigen Entwicklungen kontrovers diskutiert. Den Beginn machten die Philosophicum Dialoge. Dialog I stellte die Frage „Wie ist die Lage?“. Barbara Bleisch und Konrad Paul Liessmann, moderiert von Martin Haidinger, Redaktionsleiter der Ö1-Wissenschaftssendereihe Science Arena diskutierten zu aktuellen gesellschaftspolitischen Zuständen und waren sich durchaus nicht immer einig. Zur Sprache kam sowohl die Einschätzung der Politik in den USA als auch die Rolle der EU.
Sendetermin: 6. Oktober 2025, 16.05 Uhr | Science Arena und Ö1 Podcast

Philosophicum Lech 2025, Philosophicum Dialoge I: Wie ist die Lage? Mit Barbara Bleisch und Konrad Paul Liessmann, Moderation: Martin Haidinger, Foto: ©Stefanie Lässer
Was ist zu tun?
Im Panel 2 diskutierten unter der Frage „Was ist zu tun?“ Oliver Marchart, Professor für Politische Theorie an der Universität Wien, und Lea Prix, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie und Politikwissenschaft der Technischen Universität Dortmund. Zur Debatte standen, ob unsere westlichen Demokratien besser als andere politische Ordnungen dazu geeignet sind, vernünftige Politik hervorzubringen und welche Gründe es hat, sowie was zu tun ist, wenn sie darin versagen. Gelungen und sehr gut moderiert wurde das Philosophicum Dialog II von Simone Miller, Redakteurin der Philosophiesendung Sein & Streit bei DLF Kultur. In Kooperation mit DLF Kultur wird das Panel auch als Sein & Streit-Sendung ausgestrahlt und ist als Podcast nachzuhören.
Sendetermin: 28. September 2025, 13.05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur / Sein & Streit sowie auch als Podcast

Philosophicum Lech 2025, Philosophicum Dialoge II: Was ist zu tun? Mit Oliver Marchart und Lea Prix, Moderation: Simone Miller, Foto: © Stefanie Lässer
Remus-Impulsforum und philosophisch-literarischer Vorabend am Mittwoch
Heftig zur Sache ging es dann Mittwoch im Remus-Impulsforum. Die aufs Jahresthema aus unterschiedlichsten Perspektiven ausgerichtete Podiumsdiskussion stellt sich diesmal der Frage „Europa. Spielplatz der Abenteurer?“. Geleitet von Journalist und Moderator Michael Fleischhacker debattieren die Schweizer Politik- und Wirtschaftsphilosophin, Autorin und Fernsehmoderatorin Katja Gentinetta sowie die deutsche Politikwissenschaftlerin und Publizistin Ulrike Guérot mit Norbert Bolz, Medienwissenschaftler an der TU Berlin, sowie der österreichischen Politikerin Ewa Ernst-Dziedzic. Interessant waren die verschiedenen Perspektiven zum Thema Krieg in der Ukraine, der Rolle der Europäischen Union sowie der Einschätzung und Wertung von Russland. Kritik wurde unter anderem auch an der EU-Führung unter Ursula von der Leyen geäußert. Dabei lieferten sich Ulrike Guérot und Ewa Ernst-Dziedzic durchaus heftige Kontroversen.

Philosophicum Lech 2025, Remus-Impulsforum: Europa: Spielplatz der Abenteurer?, Podiumsdiskussion mit Norbert Bolz, Ewa Ernst-Dziedzic, Katja Gentinetta, Ulrike Guérot, Moderation: Michael Fleischhacker, ServusTV, Foto: © Stefanie Lässer
Sollen wir in Europa wirklich aufrüsten?
Während einerseits zum Dialog und zur Integration Russlands in einer neuen Ordnung im Sinne der der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, die 1995 aus der KSZE Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa hervorging) plädiert wurde – als Erneuerung und Wiederbelebung einer Plattform für politischen Dialog über Sicherheitsfragen, Konfliktprävention, Menschenrechte und demokratische Entwicklung – stand dem die Meinung gegenüber, dass, so lange Putin hier nicht bereit ist, den Krieg zu beenden kein Dialog möglich sei.
Welche Bedeutung hat die Nato und wo gilt es auch, den Anliegen Russlands Gehör zu verschaffen? Sollen wir in Europa zur Abschreckung eines möglichen Vormarsches Russlands wirklich aufrüsten? In vielen dieser Fragen fand man zuweilen einen gemeinsamen Nenner und andererseits gab es auch völlig konträre Auffassungen. Michael Fleischhacker gelang es, die hitzigen Wortgefechte zu moderieren und den einzelnen Positionen Gehör zu verschaffen, um einmal mehr zu zeigen, dass es darum geht, verschiedene Perspektiven zuzulassen – nicht jedoch alternative Fakten. In Kooperation mit Servus TV wird das Panel als Talk Spezial Sendung aufgezeichnet und ausgestrahlt.
Sendetermin: 25. September 2025, 22.10 Uhr, Servus TV | Talk Special
Der Tag endete mit dem philosophisch-literarischen Vorabend
Schriftsteller und Mitinitiator des Philosophicum Lech Michael Köhlmeier sowie Konrad Paul Liessmann lieferten wie immer eine unterhaltsam abwechslungsreiche Aufbereitung des Jahresthemas. Köhlmeier erzählte Versionen zur Mythologie des Ödipus, einem Roma-Märchen, und einer, auf den polnischen Autor Stanislaw Lem basierenden Geschichte, auf die Liessmann eloquent reflektierte. Ein anregendes Wechselspiel von spannender Nacherzählung und philosophischer Ad-hoc-Interpretation unter dem Titel „Das Ungewisse“.

Konrad Paul Liessmann mit Michael Köhlmeier, Foto: info@si-kommunikation.com
