Zeit, sich mit Malerei zu befassen

Kunst braucht Zeit und Raum. Beides ist oft knapp. Im 9. Wiener Gemeindebezirk teilen zwei Kunstschaffende einen physischen Ort mit der (Kunst-)welt um der Malerei mehr Platz zu machen. Eine Publikation erweitert die Auseinandersetzung auch multimedial. Das Projekt, unter dem Namen „Painting Diary“, hostet aktuell eine sehenswerte Schau mit Werken von Andrea Zabric.
Zwischen Sommerluft und Vogelkot
Andrea Zabrics Malerei ist hochtechnisch. Die 1994 in Ljubljana geborene Künstlerin liebt komplexe, historische Prozesse im Bildaufbau. So zeigt sie aktuell in Wien Werke, die in Fresco Technik entstanden, gepaart mit Enkaustik, Wachsmalerei. Der Reigen an ovalen Bildkörpern fasziniert in seiner Materialität, harmonisiert in der Farbwahl und denkt die Malerei in den Raum. Sowohl in den akuten Umstand der Ausstellung in dem sich die bearbeiteten Holzträge zum Betrachtenden hin dreidimensional wölben als auch in der Retrospektive, in dem was sie einbeziehen. Da und dort ein totes Insekt, hier ein verblasster Vogelkot. Zabric malte alle gezeigten Werke Plein Air und die warme Sommerluft Sloweniens liegt noch ein bisschen in der Ausstellungsluft. Von der Sommerzeit, die die Künstlerin arbeitend in der slowenischen Karst Region verbrachte kann man sich auch ein Bild machen indem man das Interview zwischen Andrea Zabric und André Hemer nachliest.

Andrea Zabric, Untitled (from the Karst Series, No. II), 2025, im Rahmen von Painting Diary, Courtesy Alexandra Toth and Painting Diary, Foto: Flavio Palasciano
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Es ist beispielhaft für das, was Hemer, selbst Künstler, gemeinsam mit der Autorin Clare Gemima unter dem Projekt „Painting Diary“ versteht. Painting Diary ist eine Agentur für Longform-Publishing und kuratorische Projekte rund um Malerei, mit Standorten in New York, Wien und Aotearoa Neuseeland. „Painting Diary ist aus dem Wunsch entstanden, die Welt ein wenig langsamer zu bereisen – und Kollaborateur:innen dazu zu ermutigen, sich Zeit zum Schreiben, Malen und für vertiefte Gespräche über Malerei in einem intimeren Rahmen zu nehmen“, erklären die beiden. „Unser Anliegen ist es, Malerei in der direkten Begegnung zu stärken – und nicht nur über Social Media Feeds oder Pressemitteilungen“.

Andrea Zabric, Ausstellungsansicht "Day's Work", Painting Diary, 2025, Courtesy Alexandra Toth and Painting Diary, Foto: Flavio Palasciano
Painting Diary ist aus dem Wunsch entstanden, die Welt ein wenig langsamer zu bereisen.
Es geht nicht um rasche PR, sondern darum eine Langsamkeit zu fördern und den Ethos des freien und subjektiven Schreibens zu stützen. Bezeichnend ist der Slogan der Unternehmung „IRL>JPGs“ – das echte Leben ist besser als sein Abbild. So öffnet Hemer sein Wiener Atelier für Artists in Residence und Ausstellungsformate.
Die Schau von Andrea Zabric markiert den Beginn einer inhaltlichen Kollaboration mit Alexandra Maria Toth. Die ehemalige Galeristin und Kuratorin wird künftig in regelmäßigen Abständen vertiefende Malerei Ausstellungen im Space in 1090 Wien verantworten. Ein Projekt das Leidenschaft für Malerei und Wort teilt, uns gefällt’s!
ANDREA ZABRIC. DAY'S WORK
Painting Diary
bis 17.12.2025
Für Besichtigung Alexandra Toth kontaktieren: at@alexandratoth.at

Andrea Zabric, Untitled (from the Karst Series, No. VII), (Detail), 2025, im Rahmen von Painting Diary, Courtesy Alexandra Toth and Painting Diary, Foto: Flavio Palasciano

