Wolf findet Gefallen am Weglassen
Es ist die dritte Ausstellung in einer programmatischen Abfolge. Die Galerie SUPPAN hat in den vergangenen Monaten ein kleines Triptychon des Dialogs erprobt: Auf eine Solo-Schau mit Michael Ornauer folgte eine kollaborative Ausstellung der beiden Maler Ornauer und Wolf, die nun, konsequent, von der Einzelausstellung mit Clemens Wolf abgelöst wird.
Was bleibt von so einer Zusammenarbeit? Wie schwappen gegenseitige Einflüsse ins individuelle Werk über? Diese Fragen besprachen die beiden Künstler schon im Interview mit Alexander Giese in dessen Podcast „Ausgesprochen Kunst“. Für Wolf war es zunächst nicht so eindeutig und doch hat sich eine Spur abgezeichnet. Was im weiteren Tun für den Künstler wesentlich bleibt, ist ausgerechnet das, was fehlt. „Das Weglassen bestimmt die Form des Bildes“, erklärt er und beschreibt damit das Prinzip seiner neuen Serie der Fallschirmbilder auf monochromem oder luftigem Grund als eine Art „umgekehrte Poesie“. So auch der aktuelle Ausstellungstitel „The Beauty of Emptiness“.
Wolf, 1981 in Wien geboren, lebt und arbeitet zwischen Wien und Neulengbach in Niederösterreich. Zu seinen ersten künstlerischen Erfahrungen kam er früh über Graffiti und Street Art bevor er schließlich an der Kunstuniversität Linz Malerei studierte. Trotz einer Begeisterung für Alte Meister – Stichwort Faltenwürfe – blieb der Künstler der Street Art insofern treu, indem er wiederholt gefundenes Material einsetzt. Alles, womit Wolf arbeitet, besitzt ein Leben davor. Auch die Fallschirme, die seit einigen Jahren ins Zentrum seines Schaffens gerückt sind: Es sind ausrangierte Exemplare, die Wolf, selbst ehemaliger Springer, sammelt und als künstlerisches Material rekontextualisiert.

Clemens Wolf, Parachute Painting, 2026, Fallschirm, Epoxyharz auf Leinwand, 100 x 100 cm, © Clemens Wolf / Bildrecht, Wien 2026, Courtesy of SUPPAN
In der aktuellen SUPPAN-Schau werden diese Fallschirme zum Bildträger der Leere. Gehalten von polierten, alten Siebdruckrahmen füllen die in Epoxyharz gebetteten Schirmgewebe jeweils nur einen Teil des Stahlrahmens aus. Die Innenleisten blinzeln in unterschiedlichen Farbtönen durch und betonen die Lücke als Fenster. Parallel zur seriellen Darstellung der Siebträgerrahmen hängt eine „Parachute Sculpture“ fledermausartig von der Decke, während sich ein 150 mal 400 Zentimeter großes Fallschirm-Diptychon gewaltig als Leinwand aufspannt. Die Schau ist, mit einer kuratorisch fragwürdigen knallpinken Tondo-Ausnahme, in Blau getaucht – ein Blau, das treffend an Wasserwogen, Himmelsbilder und Tintenkleckse erinnert und die Gedanken in der Raumdichte wandern lässt. Wolf selbst nimmt beim gemeinsamen Rundgang das Wort „Rorschachtest“ in den Mund, und tatsächlich:
Leerraum bestimmt sich immer auch durch das, womit das Gegenüber ihn füllt.
Wolf bezeichnet sich selbst als Verfechter der Sinnlichkeit. Sein besonderes Interesse gilt dem Prozess der Transformation, der Verwandlung von Trivialem in ein sinnliches Objekt. Die Parachute Paintings frieren einen flüchtigen Moment ein, in dem die Form noch nicht entschieden hat, wo sie landet.
Aktuell sind das allerdings zahlreiche Orte gleichzeitig – zweimal Wien und einmal Bad Ischl nämlich. Seit beeindruckenden zwanzig Jahren sammelt die STRABAG Art Collection Werke von Clemens Wolf. Den Entwicklungsbogen dieser langen Zusammenarbeit kann man aktuell im Künstlerhaus Wien nachvollziehen: Die Ausstellung „Im Erweiterten Raum“, kuratiert von Sebastian Haselsteiner (STRABAG ART) und Künstlerhaus-Direktor Günther Oberhollenzer, widmet sich vertiefend zehn Positionen aus der Sammlung – darunter Wolf, dessen frühe Schablonenbilder, die etwa die zerstörten Sofiensäle oder Zaunsujets zeigen, an der Wand hängen, während von der Decke seine in Farbe und Epoxyharz getauchten Fallschirme wie zusammengesackte Wesen schweben (mehr dazu lesen Sie auf S. 60 in unserer aktuellen PARNASS-Ausgabe).

Clemens Wolf, The other side of the rainbow (red), 2016, © Clemens Wolf/Bildrecht, Wien 2026, Foto: Rudi Froese
Doch es gibt noch mehr von Clemens Wolf in Österreich zu sehen. Als weitere Station seiner aktuellen Ausstellungstrias folgt eine Schau in Bad Ischl. Gleich zwei ehemalige Stallungen der Kaiservilla werden von Wolf bespielt – einmal ihre Wände und einmal ihr Volumen, man darf gespannt sein.
Clemens Wolf. The Beauty of Emptiness
SUPPAN
bis 01. Mai 2026
Im Erweiterten Raum
Künstlerhaus Wien
bis 7. Juni 2026
Clemens Wolf. When Air Holds Its Breath
Stallungen der Kaiservilla Bad Ischl
28. März bis 21. April 2026
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