Warum Salzburg gerade alle Blicke auf sich zieht

Der Salzburger Festspielsommer zieht alljährlich Künstler:innen, Sammler:innen, Galerist:innen und Kulturfördernde aus aller Welt an. Zu ihnen zählt auch die Maison Cartier, die sich seit vielen Jahren für den Dialog zwischen Kunst, Musik und Kultur engagiert und immer wieder herausragende Künstlerinnen in den Mittelpunkt stellt. Auf Einladung von Cartier besuchte PARNASS in diesem Jahr die Salzburger Festspiele und traf dort die französisch-italienische Mezzosopranistin und Cartier-Ambassadorin Lea Desandre zum Gespräch.
Der Sommer in Salzburg überschlägt sich aktuell mit großartigen Kulturaufgeboten. In den Galerien florieren die Highlight-Ausstellungen, am Mönchsberg zieht der kürzlich verstorbene Baselitz alle in seinen Bann und die Festspiele brillieren mit gefeierten Kritiken. Mittendrin ist eine, die Salzburg inzwischen als ihr zweites Zuhause bezeichnet. Seit 2018 kommt die französisch-italienische Mezzosopranistin Lea Desandre (*1993 Paris) in die Stadt.
Desandre zählt zu den herausragenden Opernstimmen ihrer Generation und hat sich insbesondere als Interpretin des Barock- und Mozart-Repertoires international einen Namen gemacht. Nach einer klassischen Ballettausbildung studierte sie Gesang in Paris und Venedig bei Sara Mingardo. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie 2015 als Mitglied von William Christies Nachwuchsakademie Le Jardin des Voix. Seither gastiert sie regelmäßig an den bedeutendsten Opernhäusern und Festivals Europas und ist insbesondere für ihre Interpretationen des Barock- und Mozart-Repertoires bekannt.
Neben ihren Opernengagements widmet sich Desandre intensiv dem Lied- und Konzertgesang und arbeitet mit führenden Dirigenten und Ensembles der historischen Aufführungspraxis zusammen. 2026 singt sie im Rahmen der Salzburger Festspiele die Despina in einer Neueinstudierung von Così fan tutte und trat gemeinsam mit dem Ensemble Jupiter am 31. Juli in der Felsenreitschule im Konzert „Anima — Canto Lirico“ auf. Ein freudvoller Abend mit ausgelassener Stimmung. Das lag nicht nur an der Stimmkraft von Desandre, die barfuß und voller Emotionen Vivaldi hochleben ließ, sondern auch an der musikalischen Leitung von Thomas Dunford, der beseligt durch den Abend führte und in einer Zugabe das Publikum zum Mitsingen aufforderte. Klassische Musik dürfe, ja, müsse vor allem Spaß machen. Vivaldi sei ein „Party-Hit“ – man dürfe auch Aufstehen und tanzen, so Dunford. Wir baten Lea Desandre zum Gespräch über den Kultursommer in Salzburg und die gesellige Kraft der Musik

Anima – Canto Lirico Desandre · Ensemble Jupiter 2026: Lea Desandre (Mezzosopran), Thomas Dunford (Musikalische Leitung / Laute), © SF/Marco Borrelli
Lea Desandre im Gespräch
PARNASS: In all Ihren Jahren in Salzburg – haben Sie die Möglichkeit gefunden, sich der bildenden Kunstszene der Stadt zu nähern, ihren Museen, Galerien, Ausstellungen? Oder bleibt Salzburg für Sie vor allem ein akustisches Erlebnis?
Lea Desandre: Was zeitgenössische Kunst betrifft, kenne ich vor allem die Galerie Thaddaeus Ropac – sie ist fabelhaft und wunderschön. Und sie steht sinnbildlich für diese Stadt, in der alles in einem Moment der Vergangenheit zu verharren scheint und man mittendrin plötzlich die zeitgenössische Kultur findet. Ropacs Galerie liegt inmitten des Mirabellgartens, eines alten, wunderschönen Gartens. Das ist wie bei uns bei den Festspielen: Wir haben eine moderne Infrastruktur, aber zugleich so viele Erinnerungen an die Vergangenheit, an große Dirigenten wie Karajan, Muti oder Harnoncourt. Ein bisschen ist das, was in dieser Stadt passiert, eine verdichtete Form aller Kunstgattungen, aller Epochen.
Dazu kommt in Salzburg neben der Kunst, die der Mensch hervorbringt, die Kunst der Natur, die alles umgibt. Sobald man das Zentrum verlässt, ist man in fünf, zehn Minuten mitten in der Natur, in Feldern, man kann schwimmen, in die Berge gehen. Es ist ein sehr inspirierender, sehr einzigartiger Ort. Mozarts Seele ist überall in der Stadt spürbar, aber es gibt auch all diese Bezüge zu Filmen wie „The Sound of Music“ – es fühlt sich ein wenig an, als wäre man selbst in einer Inszenierung. Alles ist darauf ausgelegt, die Kreativität zu öffnen und den Blick für die Welt.
Einer der Schlüssel meines Berufs: sich Zeit zu nehmen.
P: Sie kehren seit vielen Jahren nach Salzburg zurück. Wie ist diese persönliche Beziehung zur Stadt entstanden?
LD: Das hat auch mit meiner Arbeitsweise zu tun. Als freischaffende Opernsängerin bin ich nicht das ganze Jahr an einem Haus fest engagiert – ich arbeite zwei, drei Monate an einem Opernhaus und gehe dann ans nächste. Wenn ich einen Ort finde, an dem alles da ist, um meine Kunst auf höchstem Niveau zu machen – künstlerisch, aber auch mit dem Verwaltungsteam –, dann versuche ich, eine langfristige Beziehung aufzubauen. Als ich 2018 zum ersten Mal herkam, für ein Konzert, das Intendant Markus Hinterhäuser und Cecilia Bartoli initiiert hatten, hatten wir sofort eine großartige gemeinsame Energie. Seither entwickeln wir Schritt für Schritt gemeinsame Projekte.
Das ist einer der Schlüssel meines Berufs: sich Zeit zu nehmen. „Chi va piano, va lontano“, sagen wir auf Italienisch – wer langsam geht, kommt weit. Und es gilt jeden Schritt zu genießen. Nur weil man eine kleine Rolle singt, heißt das nicht, dass sie einen nicht nährt. Meine ersten beiden Projekte hier, etwa „Orphée aux Enfers“, habe ich mit Barrie Kosky gemacht, einem der größten Regisseure unserer Zeit, und mit Anne Sofie von Otter, einer der prägendsten Mezzosopranistinnen für meine Generation. Einfach neben ihnen zu stehen und ihnen zuzusehen, war eine großartige Lektion. Schritt für Schritt kommt man dann zu Produktionen wie in diesem Jahr, mit viel größeren Rollen.
Weil wir ständig reisen, ist es sehr beruhigend zu wissen, dass es Orte gibt, die sich wie ein zweites Zuhause anfühlen – wo man den Bäcker kennt aber auch die Menschen im Verwaltungsteam der Veranstaltungen. Wenn man ankommt, ist da schon so etwas wie eine Familie. Das erdet uns sehr. Ich komme aus Paris, ich liebe meine Stadt – es ist ein Klischee, aber für mich ist es die schönste Stadt der Welt. Umso glücklicher bin ich, im Sommer entfliehen und hierherkommen zu können, in die Natur.

Lea Desandre, Foto © James Bort
P: Bei Ihrem Auftritt im Rahmen von „Anima“ am 31. Juli betonten Sie in Ihrer Dankesrede die „besondere Qualität des Zuhörens“. Empfinden Sie das Salzburger Publikum tatsächlich als besonders?
LD: Ja, definitiv. Man spürt, dass die Musik hier für die Menschen Teil der Geschichte ist. Die meisten kommen seit ihrer Kindheit ins Opernhaus. Sie wissen, worum es in der Musik geht, worum es in einer Aufführung geht. Und selbst jene, die es nicht wissen und zum ersten Mal kommen, sind umgeben von Menschen, die die Musik und die Oper wirklich lieben – offen auch für neue Produktionen. Denn fast jedes Jahr gibt es hier neue Inszenierungen.
Was wir versuchen, ist, verschiedene Facetten der menschlichen Seele zu zeigen und eine intime Atmosphäre zu erreichen.
P: Canto Lirico“ ist eine renommierte Konzertreihe der Salzburger Festspiele, die großen Gesangskünsten und herausragenden Solistinnen und Solisten gewidmet ist. Ihr Konzert innerhalb des Programms trägt den Titel „Anima" – Seele. Was bedeutet dieses Wort für Sie?
LD: Nachdem wir das Konzert gespielt haben, finde ich, dass der Titel wirklich wunderbar passt. Denn was wir versuchen, ist, verschiedene Facetten der menschlichen Seele zu zeigen und eine intime Atmosphäre zu erreichen – wirklich in die Emotionen eines Wesens hineinzugehen, in die Seele jedes Einzelnen, und eine Verbindung herzustellen. Mit Verstand, mit Spaß, mit Vergnügen, aber auch mit Tiefe und tiefen Emotionen.
P: Sie sagen „Spaß" – und es war tatsächlich vergnüglich. Für mich ist es trotzdem ungewohnt, im Zusammenhang mit klassischer Musik von so losgelöstem Spaß zu sprechen, wie Sie ihn auf die Bühne brachten.
LD: Wissen Sie, Musik entspringt dem Vergnügen. Sie muss von dort kommen, erst recht, wenn man sie mit Leidenschaft macht und das Glück hat, dass sie der eigene Beruf ist. Vergnügen geht mit Freude einher, mit dem Teilen, mit dem Lächeln, dem Zusammensein, dem einander Vertrauen. Genau das wollten wir, als wir dieses Ensemble mit Thomas Dunford gegründet haben: einen Ort, an dem wir einander zuhören, einander vertrauen, Risiken eingehen und daraus etwas Spielerisches machen können.
P: Und weil es so spielerisch ist – entsteht dabei auch vieles spontan?
LD: Wir versuchen, beim Proben eine Struktur zu schaffen, etwas Festes, an dem wir uns festhalten und dem wir folgen können. Aber mittendrin haben wir Raum – auch, weil bei Vivaldi der Grundbass ein improvisierender ist. Er ist nie derselbe, es gibt immer Platz für Inspiration. Das ist es auch, was diese Momente magisch macht: Wir haben die Struktur, aber mit der Freiheit, die Dinge im gegenwärtigen Augenblick geschehen zu lassen. Wir lassen das Leben hindurchgehen und versuchen nicht, etwas zu übermalen, das wir schon gemalt haben. Es ist jedes Mal ein neues Gemälde.
"Canto Lirico Anima — Lea Desandre · Ensemble Jupiter"
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Übertragung:
Lea Deasandre ist Ambassador von Cartier.
PARNASS besuchte die Vorführung „Anima — Canto Lirico Desandre · Ensemble Jupiter“ auf Einladung von Cartier.




