Was sich bei Various Others 2026 wirklich lohnt

Von Pferdegeistern und Mottenfrauen

Galerie Sperling mit Anousha Payne in Kollaboration mit Ushara und Kitty Doherty, Various Others München, 2026, Foto: PARNASS

In seiner 9. und bisher größten Ausgabe verspricht das Münchner Galerienfestival Various Others mit 39 Veranstaltungsorten und einem dichten Repertoire an internationalen Positionen auch dieses Jahr wieder einen Hotspot für Kunst in der bayerischen Hauptstadt. Wir gingen am Eröffnungswochenende auf Entdeckungstour und verraten, welche der Ausstellungen noch besucht werden sollten – und welche nicht.


Ein bisschen wie eine Klassenrundfahrt fühlte sich die 2-tägige geführte Tour durch den Münchner Galerien-Parkour von Various Others an. Im Gänsemarsch und strammen Tempo folgten wir von einer Ausstellung zur nächsten, überwältigt von Ansprachen und Eindrücken, die es während der kurzen Wege zwischen den Galerien zu sammeln und diskutieren galt.
Den Beginn machte am Freitag die Galerie Jahn und Jahn, wo Kurator Matthew James Holman eine Dialog-Schau zwischen Willem de Kooning und Jana Schröder präsentierte. Schröder, die nach einer monochromatischen Phase nun wieder zurück zur Farbeexplosion kommt, zeigt hier eine Serie an großformatigen Arbeiten, in denen sie sich, genauso wie de Kooning, dem Alltäglichen, Spielerischen und Figurativen bedient.
Ein erfrischender Start, der sich in ähnlicher Manier bei GALERIE CHRISTINE MAYER fortsetzte: über zwei Stockwerke, die auch die privaten und durchaus eleganten Wohnräume der Galeristin beherbergen, wurden hier vorrangig Drucke und Editionen von André Butzer gezeigt, Courtesy of Handsiebdruckerei Berlin, Harpune Verlag Vienna und Edition Linn Heidelberg. Aber auch in einer großformatigen „Landschaftsmalerei“ konnte man sich hier kurzzeitig verlieren, bevor es schon wieder weiterging und zwar zum entschiedenen Highlight des ersten Tages: Deborah Schamoni

Jahn und Jahn mit Jana Schröder und Willem de Kooning, kuratiert von Matthew James Holman, Various Others München, 2026, Foto: PARNASS

Jahn und Jahn mit Jana Schröder und Willem de Kooning, kuratiert von Matthew James Holman, Various Others München, 2026, Foto: PARNASS

In einem spektakulären 70er-Jahre-Bau etwas außerhalb des Stadtzentrums, dessen Glasfassaden den Blick ins sprießende Grün des Gartens gewähren, konnten wir in die Gemälde der iranischen Künstlerin Maryam Hoseini eintauchen. Wie Hoseini erklärt, arbeitet sie auf Holz, welches sie seiner lebendigen Eigenschaften wegen schätzt, und schichtet Shellac, Goldpigmente, Öl und Tinte in einem langwierigen Prozess übereinander. Indem sie immer wieder hinzufügt und abträgt, sandet und abkratzt, entstehen verschachtelte Bildwelten, in denen sich Hoseinis Auseinandersetzung mit Themen wie Queerness, Sexualität und Körperlichkeit sowie den Gegensätzen zwischen Lust und Schmerz entfaltet.
Weiter ging es in die obere Etage, wo Katharina Ruhm eine limitierte Edition von verspiegelten Vasen zeigt, anhand deren sich die Künstlerin und Designerin mit seriellen Herstellungsprozessen, oder genauer gesagt mit den dabei aussortierten Objekten beschäftigt. Anstatt verworfen zu werden, stehen bei Ruhm genau diese Stücke im Fokus. Die mit Silbernitrat verspiegelten, plastischen Vasen wirken auf den ersten Blick steril und kühl, offenbaren jedoch bei genauerem Hinschauen ihre Imperfektion, ihre Unregelmäßigkeit, vielleicht sogar ihre Menschlichkeit, die durch das Handfertigungsverfahren entstehen.

Deborah Schamoni mit Maryam Hoseini und Katharina Ruhm, Various Others München 2026, Foto: PARNASSDeborah Schamoni mit Maryam Hoseini und Katharina Ruhm, Various Others München 2026, Foto: PARNASS

Deborah Schamoni mit Maryam Hoseini und Katharina Ruhm, Various Others München 2026, Foto: PARNASS

Deborah Schamoni mit Maryam Hoseini und Katharina Ruhm, Various Others München 2026, Foto: PARNASS

Deborah Schamoni mit Maryam Hoseini und Katharina Ruhm, Various Others München 2026, Foto: PARNASS

Deborah Schamoni mit Katharina Ruhm und Maryam Hoseini, Various Others München 2026, Foto: PARNASS

Deborah Schamoni mit Katharina Ruhm und Maryam Hoseini, Various Others München 2026, Foto: PARNASS

GALERIE CHRISTINE MAYER mit André Butzer, Various Others München 2026, Foto: PARNASS

GALERIE CHRISTINE MAYER mit André Butzer, Various Others München 2026, Foto: PARNASS

Legte der Freitag stark vor, so startete der Samstag mit einer etwas eigentümlicheren Schau bei BRITTA RETTBERG. Laura Ní Fhlaibhín, eine irische Künstlerin, inszeniert hier die Befreiung von Therapiepferden mit leeren, an der Wand hängenden Zügeln und einem offenen Fenster, durch welches die Geister der Pferde nach verrichteter Arbeit entweichen sollen. Vielleicht etwas für die „Horse Girls“ der Kunstszene?

Auch die Porträts von Oliver Osborne bei Paulina Caspari trafen etwas am Ziel vorbei. Mit Referenzen auf ihm vorangegangene künstlerische Positionen und Motive porträtiert der in Edinburgh geborene Maler vorrangig seine eigenen Kinder. Was in komplexer Technik und überlegten Absichten entsteht, führt aber letztendlich zu einem recht flachen und banalen Ergebnis.

BRITTA RETTBERG mit Laura Ní Fhlaibhín, Tyler Eash und Timur Lukas, Various Others München, 2026, Foto: PARNASS

BRITTA RETTBERG mit Laura Ní Fhlaibhín, Tyler Eash und Timur Lukas, Various Others München, 2026, Foto: PARNASS

Ins Schwarze jedoch traf die Galerie Sperling mit Anousha Payne. Die in Großbritannien geborene Künstlerin inszeniert hier eine Art überdimensionales Puppenhaus, in dem sich die Geschichte einer weiblichen Figur im wahrsten Sinne des Wortes entfaltet: gefangen in den eigenen vier Wänden verwandelt sich die Protagonistin in eine Motte und kann so letztendlich aus ihrem Haus ausbrechen. Payne thematisiert hier domestische Motive und verwebt sie mit sri-lankischen und indischen Bezügen zu einer berührenden Geschichte auf Batik und Papier. Umringt werden die Arbeiten von einer Sound-Installation der Musikerin Ushara, die in einer 30-minütigen Opern-Performance gipfelt.

Die Ausstellung trägt den Titel „Triangle reshapes the O of my mouth“ – geliehen von einem Gedicht von Kitty Doherty – und wurde mit dem VO Award anerkannt, einer Auszeichnung für die herausragendsten Various Others-Projekte, vergeben durch die Jurymitglieder Margherita Belcredi (Phileas, Vienna), Álvaro Rodríguez Fominaya (MUSAC), Kolja Reichert (K21) und Lisa Zeitz (Weltkunst).

Galerie Sperling mit Anousha Payne in Kollaboration mit Ushara und Kitty Doherty, Various Others München, 2026, Foto: PARNASS

Galerie Sperling mit Anousha Payne in Kollaboration mit Ushara und Kitty Doherty, Various Others München, 2026, Foto: PARNASS

max goelitz mit Eva Hesse, Lukas Heerich und Rindon Johnson, Various Others München 2026, Foto: PARNASS

max goelitz mit Eva Hesse, Lukas Heerich und Rindon Johnson, Various Others München 2026, Foto: PARNASS

Paulina Caspari mit Oliver Osborne, Various Others München 2026, Foto: PARNASS

Paulina Caspari mit Oliver Osborne, Various Others München 2026, Foto: PARNASS

space n.n. und AlmResidency mit Ivukuvuku aka Chumani Mantanga, Joachim Perez, Thandi Pinto, Fernanda Aloi und Sophie Bergemann, Various Others München 2026, Foto: PARNASS

space n.n. und AlmResidency mit Ivukuvuku aka Chumani Mantanga, Joachim Perez, Thandi Pinto, Fernanda Aloi und Sophie Bergemann, Various Others München 2026, Foto: PARNASS

space n.n. und AlmResidency mit Ivukuvuku aka Chumani Mantanga, Joachim Perez, Thandi Pinto, Fernanda Aloi und Sophie Bergemann, Various Others München 2026, Foto: PARNASS

space n.n. und AlmResidency mit Ivukuvuku aka Chumani Mantanga, Joachim Perez, Thandi Pinto, Fernanda Aloi und Sophie Bergemann, Various Others München 2026, Foto: PARNASS

Galerie Sperling mit Anousha Payne in Kollaboration mit Ushara und Kitty Doherty, Various Others München, 2026, Foto: PARNASS

Galerie Sperling mit Anousha Payne in Kollaboration mit Ushara und Kitty Doherty, Various Others München, 2026, Foto: PARNASS

Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Galerie max goelitz, die in Kooperation mit Hauser & Wirth eine Trio-Schau von Eva Hesse, Rindon Johnson und Lukas Heerich zeigt. Die Beton- und Stahl-Elemente der (relativ) neuen Galerieräumlichkeiten am Maximiliansplatz dienen als idealer Hintergrund für drei unterschiedliche Positionen, die hier in ein stimmiges Miteinander treten. Johnson und Heering nehmen hierbei Hesses frühe Zeichnungen sowie eine Malerei als Anlass, sich mit Materialien wie Rohhaut, Ziegeln und Catgut (Kollagenfasern, die aus Tierdärmen hergestellt werden) in ihrer einfachsten Form auseinanderzusetzen und Schutzräume innerhalb der Galerie zu schaffen.

Beeindruckt verließ man auch den space n.n., wo die Ergebnisse der diesjährigen AlmResidency präsentiert wurden, eine Art Recherche-Stipendium, das dieses Jahr fünf Künstler:innen aus fünf Ländern dazu einlud, für zehn Tage eine recht prekär ausgestattete Alm beziehen, um in der bayerischen Peripherie eine gemeinsame Ausstellung zu konzipieren. Dabei durften die Teilnehmer:innen sich nicht nur von der unberührten Natur inspirieren lassen, sondern sich auch gegenseitig das Badewasser warm machen. Die Resultate der AlmResidency lassen einen vagen Hoffnungsschimmer aufflammen, dass es in dieser Welt doch irgendwie möglich ist, verschiedenste Nationen zu einem friedlichen Miteinander zu aktivieren.

Am Ende traten wir unsere Heimreise gesättigt an. Nicht nur vom üppigen 3-Gänge-Abschlussdinner, sondern vor allem von einer blühenden Kunstszene, enthusiastischen Galerist:innen und vielversprechenden Positionen. Die Ausstellungen sind noch einige Wochen lang zu sehen, genug Zeit also, den Various Others-Rundgang auch auf eigene Faust zu erkunden.

 


VARIOUS OTHERS 2026

Contemporary Art Munich

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München, Foto: PARNASS

München, Foto: PARNASS

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