Vom "Museumsmonster" zum MuseumsQuartier
Was heute selbstverständlich zum Wiener Stadtbild gehört, war jahrelang ein Streitpunkt: das MuseumsQuartier. Nun wird es 25 und feiert sich unter anderem mit einer Sonderausstellung im MQ Freiraum, die zeigt, wie aus dem ehemaligen Messepalast eines der größten Kulturareale der Welt wurde. »Vision und Widerstand. Wie das MuseumsQuartier Wien veränderte«, bis 25.01.2027, zeichnet diesen Weg anhand von historischen Dokumenten, Entwürfen und Modellen nach – und dokumentiert auch die mediale Erregung rund um die Neugestaltung. Ein Gespräch mit dem Kurator Andreas Nierhaus über Visionen, Kompromisse und die Zukunft des Areals.
Die Schau reicht vom barocken Hofmarstall über die Verwendung als Messeareal und die Zwischennutzung durch Kulturinitiativen wie die Wiener Festwochen sowie die Neueröffnung nach dem internationalen Architekturwettbewerb, den das Büro Ortner & Ortner Baukunst 1990 gewonnen hat, bis zu den Entwicklungen der letzten Jahre.
Der Entwurf von Ortner & Ortner Baukunst war ambitioniert – und politisch heftig umstritten. Was am Ende gebaut wurde, wich deutlich von der ursprünglichen Vision ab. Seit seiner offiziellen Eröffnung im Juni 2001 hat sich das MuseumsQuartier kontinuierlich weiterentwickelt, wie die Ausstellung mit Plänen, Modellen und künstlerischen Arbeiten dokumentiert: von der Etablierung neuer Freiräume über die aktuelle Begrünung des Areals bis hin zum geplanten Haus der Geschichte.
© Ortner & Ortner
PARNASS: 25 Jahre MuseumsQuartier – welches Ziel verfolgt man mit einer Jubiläums-Ausstellung zur Geschichte des Kulturareals?
Andreas Nierhaus: 25 Jahre nach der Eröffnung des MuseumsQuartiers ist ein guter Zeitpunkt, um zurückzublicken und die Geschichte des Gebäudekomplexes von den Anfängen bis in die Gegenwart zu erzählen. Persönlich kenne ich das Areal seit den späten 1990er-Jahren. Es ist interessant und relevant, den Planungsprozess, der bereits in den späten 1970er-Jahren begann und mit der Eröffnung 2001 endete, also über 20 Jahre dauerte, nachzuzeichnen. Er sagt sehr viel über das Verhältnis von Architektur, Politik, Medien und die Vorstellung aus, inwieweit zeitgenössische Architektur in der historischen Stadt stattfinden kann, welche Rolle moderne Kunst in unserer Gesellschaft spielt.
Die Generation, die jetzt um die 20 Jahre alt ist, hat keine Vorstellung davon, was für Konflikte im Vorfeld stattgefunden haben, welche Diskussionen es gab und dass das Kulturareal, das heute hier steht, vollkommen anders aussieht, als ursprünglich geplant war.
P: Sie sind auch Experte für das Werk von Johann Bernhard Fischer von Erlach – einem der prägendsten Architekten der österreichischen Barockzeit. Er entwarf unter anderem die kaiserlichen Hofstallungen, das heutige MuseumsQuartier. Wie weit geht die Ausstellung zurück in die Geschichte?
AN: Sie beginnt bei Fischer von Erlach und dem Bau dieses Gebäudes. Aber der Schwerpunkt liegt ganz eindeutig auf den 20 Jahren zwischen der Entscheidung, in diesem Areal einen Kulturbezirk zu etablieren, und der Eröffnung 2001. Natürlich müssen wir zurückblicken, um zu verstehen, warum das Gebäude so aussieht, wie es aussieht. Es war ein kaiserlicher Prunkstall für Kutschen und 600 Pferde. Die Ausstellung möchte sowohl jene ansprechen, die damals bei der Eröffnung dabei waren, als auch die Jungen, die heute auf den Enzis sitzen und sich gar nicht vorstellen können, dass es das MuseumsQuartier einmal nicht gegeben hat. Und fast wäre es ja auch nicht gebaut worden.
P: Es gab auch massiven öffentlichen Widerstand, federführend war die Kronen Zeitung.
AN: Vor allem haben sich viele gegen die moderne Architektur innerhalb der Anlage gestellt. Die Kronen Zeitung war zunächst nicht gegen das Projekt, sie ist erst später auf diesen Zug aufgesprungen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Hans Dichand, der damalige Herausgeber des Blatts, hatte selbst Interesse, das Projekt Messepalast zu entwickeln, war aber nicht zum Zug gekommen. Außerdem hätten die geplanten Neubauten den Blick auf die Innenstadt aus einer bestimmten privilegierten Wohnung in unmittelbarer Umgebung verstellt …
Im Rückblick ist es ein Wunder, dass die Architekten das durchgehalten haben.
ehem. Hofstallungen, 1905, Ludwig Grillich
Wie das »Museumsmonster« letztendlich doch zum MuseumsQuartier wurde?
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MQ Modell, 1996, © MuseumsQuartier Wien, Foto: Klaus Pichler / Bildrecht, Wien 2026


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